Home Praxis Jagdhunde aus dem Tierschutz: Ein anderer Weg zum Jagdgefährten

Jagdhunde aus dem Tierschutz: Ein anderer Weg zum Jagdgefährten

Auch Jagdhunde müssen manchmal ihr altes Zuhause verlassen und suchen dann einen neuen Hundeführer. © Kathrin Führes
Auch Jagdhunde müssen manchmal ihr altes Zuhause verlassen und suchen dann einen neuen Hundeführer.

Bist du bescheuert? Wer weiß, was du dir da ins Haus holst …“ Wer einen Hund aus dem Tierschutz übernehmen will, der braucht nicht nur Tierliebe und Mut, sondern oft auch ein eisernes Nervenkostüm. Bei manchen Menschen ist Tierschutzhund noch immer gleichbedeutend mit Problemhund. Dass Hunde jedoch aus den vielfältigsten Gründen abgegeben werden, wird dabei häufig nicht bedacht.

Bei „Eibe“ war es ein ganz banaler Grund. Arbeit, Familie und drei Jagdhunde wuchsen dem Jäger über den Kopf. Er fasst sich ein Herz, kontaktierte Sabine Hochhäuser von Jägerhunde e.V., und bat um Hilfe bei der Vermittlung der Hündin. Seit 2014 versucht das Team von Jägerhunde e.V. Hund und Mensch zusammenzubringen. Als Partnervermittlung, nicht als Verkaufsplattform. Darauf legt Sabine großen Wert. Bei „Eibe“ und Kathrin war es eine Vermittlung, wie sie nicht besser hätte laufen können. 

"Eibe" schaffte es sich in Kathrins Herz zu schleichen. © Kathrin Führes

"Eibe" schaffte es sich in Kathrins Herz zu schleichen.

Nur der Mann musste noch überzeugt werden

„Mein ‚Bodo‘ war gerade mit 16 Jahren eingeschläfert worden, als ich Sabine Bescheid gab, dass ich langfristig gerne einen Hund aus dem Tierschutz übernehmen würde“, erzählt Kathrin Stehle. Nach dem Verlust ihres Hundes sollte endlich ein Jagdhund in den Jägerhaushalt einziehen. Und da sie etwas Gutes tun wollte, sollte es ein Hund sein, der sein altes Zuhause verlassen muss. Eile hatte sie dabei jedoch nicht. Aber manchmal hat das Leben andere Pläne. Sabine hatte gerade die Bitte zur Vermittlung von Langhaar-Hündin „Eibe“ reinbekommen, und in ihr wuchs die Idee, dass Kathrin und „Eibe“ das perfekte Paar sein könnten.

„Mein Mann war alles andere als begeistert, dass so schnell ein neuer Hund im Gespräch war“, so Kathrin. Schließlich war „Bodo“ erst kürzlich verstorben. Doch Kathrin und Sabine machten trotzdem einen Termin zum Kennenlernen aus. Als „Eibe“ zum ersten Mal aus dem Kofferraum sprang, schoss Kathrin nur der Gedanke „Gott, ist die groß“ durch den Kopf, erzählt sie lachend. Doch die braune Hündin schaffte es, sich in Kathrins Herz zu schleichen. Nach kurzer Krisensitzung mit dem Ehemann, er musste ja schließlich noch überzeugt werden, war klar: „Eibe“ zieht bei ihnen ein! 

Von Beginn an problemlos

Zunächst standen Gehorsamsübungen auf dem Plan. © Kathrin Führes

Zunächst standen Gehorsamsübungen auf dem Plan.

Bei der Übergabe der Langhaar-Hündin wurde es nochmal sehr emotional. Leichtfertig hatte der Hundeführer „Eibe“ nicht abgegeben, sondern zum Wohle des Hundes entschieden. Doch nicht immer läuft es so. „Wir bekommen die vielfältigsten Gründe zu hören“, erzählt Sabine. Besonders ärgerlich ist es immer, wenn der Hund zum Beispiel bei einem Umzug in die neue Wohnung nicht mitgenommen werden kann und besser gestern als heute weg muss. „Das weiß man doch vorher“, ärgert sich Sabine. Aber egal welchen Grund es auch gibt, dass ein Hund ein neues Zuhause sucht, es wird immer versucht zu helfen. 

Bei „Eibe“ und Kathrin lief es von Beginn an problemlos. „Sie baute sehr schnell eine Bindung zu mir auf“, so die Jägerin. Da die damals im dritten Feld stehende braune Hündin nur auf Mais- und Drückjagden geführt worden war, stand anfangs vor allem die Arbeit an der Feldleine sowie Gehorsamsübugen auf dem Plan. Neben den ersten gemeinsamen Jagden haben Kathrin und „Eibe“ mittlerweile auch zusammen die Brauchbarkeitsprüfung erfolgreich absolviert und arbeiten nun auf eine Schweißprüfung hin. Wenn man die beiden im Revier erlebt, sieht man ein durch und durch harmonisches Paar. Hund und Jägerin verlassen sich aufeinander, als würden sie schon von Welpenzeit zusammen durchs Leben gehen. 

Je trauriger die Geschichte, desto besser die Vermittlungschance

Es gibt vielfältige Gründe, warum ein Hund ein neues Zuhause sucht. © Kathrin Führes

Es gibt vielfältige Gründe, warum ein Hund ein neues Zuhause sucht.

Doch so schnell und einfach wie die Vermittlung von „Eibe“ lief, ist es nicht immer. Sabine berichtet, dass Tierschutz in Deutschland schwieriger geworden ist. Unzählige Tierschutz-Organisationen bringen Täglich Tausende von neuen Hunden, bevorzugt aus dem Ausland, auf den „Markt“. Je trauriger die Geschichte des Hundes, desto besser die Vermittlungschance. Gesunde Hunde aus Deutschland bekommen da eher wenig Aufmerksamkeit. Auch die Anfragen hätten sich in den letzten Jahren gewandelt. Häufig ist die erste Frage nach Papieren oder Preis. Bei einer Verkaufsplattform vielleicht angemessen, im Tierschutz möchte man solche Fragen als ersten Kontakt nicht gerne hören. Denn wie teuer ein Hund ist, der über Jägerhunde vermittelt wird, ist von vielen Faktoren abhängig. 

Hunde werden nicht an den erstbesten Interessenten vermittelt

Dem Verein ist es nicht wichtig, den Hund schnellstmöglich an den erstbesten Interessenten zu vermitteln, sondern wirklich einen passenden Führer zu finden. Daher werden die Hunde auch nur ungern an Nichtjäger vermittelt. Denn Agility und Co. sind für die hochpassionierten Hunde nur selten eine echte Alternative. Auch bei Jungjägern ist Sabine zuweilen vorsichtig. „Manchmal hat man das Gefühl, dass neben der Markenbekleidung und der angesagten Waffe auch der schmucke Jagdhund zum aktuellen Trend dazugehört, ohne dass man sich Gedanken macht, was ein Hund tatsächlich für Arbeit mit sich bringt“, erzählt sie. Wie schnell ein Hund vermittelt wird, ist dabei ganz unterschiedlich. „Nur ganz wenige haben bei uns Gnadenbrot bekommen“, so die engagierte Tierschützerin. Eine Geschichte, die dabei im Gedächtnis bleibt, ist der Fall „Put“. Der ­alte Kopov-Rüde kam von einem überforderten Jäger, der seinen Hund sich mehr oder weniger selbst überlassen hatte, in einem desolaten Zustand auf eine Pflegestelle von Jägerhunde e.V. Mit viel Liebe und Stunden beim Tier­arzt päppelte man den Rüden wieder auf, sodass er noch einige glückliche Monate hatte und ein paar Mal noch über den Streckenplatz nach den Jagden gehen durfte, ehe er verstarb. Denn auch wenn für manche Vierbeiner die Zeit im neuen Heim nur kurz ist, bedeutet sie für die Hunde doch oft die Welt. 


Kathrin Führes geboren in Lingen, Jagdschein seit 2014, hat nach dem Abitur Forstwissenschaft an der TU München studiert und ist nun seit 2015 bei der PIRSCH.
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