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Jagdbekleidung in Camouflage: Tarnmuster im Vergleich

Florian Standke © Florian Standke
Florian Standke
am
Mittwoch, 15.07.2020 - 15:19
Camouflage_Realtree © EM
Das Realtree AP-Tarnmuster ist ein Allrounder und für Reviere mit viel Laubwald sehr gut geeignet.

Tarnkleidung ist in den USA schon längst salonfähig. Das rührt sicher auch daher, dass die Jäger in Übersee vergleichsweise viel pirschen und kaum auf Kanzeln das Wild ersitzen. Bei dieser aktiven Jagd ist Tarnung unerlässlich. Unser typisch deutscher dunkelgrüner Lodenmantel würde da aus der Landschaft wie ein Fremdkörper herausstechen. Das tut er übrigens in den meisten Fällen auch bei uns: So ein dunkler Klotz in Menschengestalt fällt selbst dem unerfahrensten Schmalreh spätestens dann auf, wenn man sich nur minimal bewegt. Auch die Bogenjagd erfreut sich weltweit immer größerer Beliebtheit und sorgt für einen Camouflage-Boom, denn die Bogenjäger müssen auf Schrotschussentfernung ans Wild ran.

Das Wild ist trotz moderner Ausrüstung überlegen

Hierzulande tauchen in den Katalogen und Regalen des Fachhandels zwar immer mehr Produkte auf, doch gelten sie bei Traditionalisten nach wie vor als unwaidmännisch. Das Wild hätte keine Chance mehr, heißt es immer wieder. Aber genau das ist doch auch der Punkt: Das zum Abschuss auserkorene Stück soll so wenig Chancen wie möglich haben! Denn nur so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Jäger aus geringer Distanz einen sauberen Schuss antragen kann. Was ist daran falsch? Wir alle sollen Abschusspläne erfüllen – je früher, desto besser. Chancen nutzen, heißt daher die Devise. Denn was die Sinne angeht, ist uns das Wild trotz moderner Ausrüstung (zum Glück) überlegen. Zudem entwickelt sich die Jagd ständig weiter. Alles wird komplexer. Wo ist die Grenze? Verzichten Sie bei der Jagdausübung auf ein Auto? Ziehen Sie mit einem selbstgefertigten Eibenbogen los? Kommen Sie ohne Synthetik aus?

Hände und Gesicht nicht vergessen

In Deutschland eignet sich Tarnkleidung zum Pirschen, für die Lockjagd, Drückjagd (z.B. Realtree AP Blaze Orange) oder den Anstand/ Ansitz am Boden. Falls Sie sich für einen Kauf entscheiden sollten, gilt es, einige simple Dinge zu beachten. Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die Vegetation in Ihrem bevorzugten Jagdrevier. Danach suchen Sie sich das passende Muster aus. Die Farbe des Musters muss nicht exakt mit der Umgebung übereinstimmen. Sommer und Herbst können daher häufig mit einem Outfit abgedeckt werden. Viel wichtiger ist, dass die Kleidung weder zu hell noch zu dunkel ist, sodass wenig Kontraste und somit Konturen entstehen. Dunkle Bereiche sollten sich mit hellen abwechseln, um die Silhouette des Jägers mit der Umgebung verschwimmen zu lassen. Tipp: Generell ist ein etwas helleres Tarnmuster die bessere Wahl. Vor allem nachts wirkt man damit nicht wie ein dunkler Klotz. Ganz wichtig: Hände und Gesicht nicht vergessen, denn die leuchten und sind extrem auffällig!

Im Gegensatz zu uns Menschen, aber auch Vögeln, die sogar noch im UV-Bereich sehen, hat Schalenwild mit dem Farbsehen so seine Schwierigkeiten: So erkennt es zum Beispiel die Grundfarbe Rot nur äußerst schlecht, Blau hingegen gut. Was der Mensch als rot oder grün sieht, erkennt ein Reh nur in Graustufen. Das ist auch der Grund, warum wir jeweils eine Bildhälfte der vorgestellten Muster in Graustufen abgedruckt haben – so sehen Sie, wie das Schalenwild sieht. Wenn Sie diese Aspekte bedenken, heißt es nur noch, sich Modelle in passenden Mustern auszusuchen. Dann kann es losgehen mit dem intensivsten Jagderlebnis überhaupt – nämlich ganz nah dran am Wild.

Häufig verwendete Tarnmuster

Tarnmuster-Realtree © Eike Mross
Das Realtree AP-Tarnmuster ist ein Allrounder und für Reviere mit viel Laubwald sehr gut geeignet.

Der klassische Allrounder

Im Jahre 1986 gründete Bill Jordan die Firma Realtree. Was zunächst im Garten seiner Eltern mit einigen Skizzen von Camouflage-Mustern begann, ist im Laufe der Jahre zu einer Firma gewachsen, deren Tarnmuster zahlreiche Bekleidungshersteller verwenden. In den USA findet man Realtree-Muster auch auf Waffen, Autos, Handyhüllen und vielem mehr. Realtree bietet zwölf verschiedene Tarnmuster. Wir haben bei unserem Test Realtree AP verwendet. AP steht für „All Purpose“, was zu deutsch „für jeden Zweck“ heißt. Es handelt sich somit um eine Art Allround-Muster, das aber vor allem in Revieren mit Laubbäumen in seinem Element ist. Farblich dominieren Brauntöne. Wer mehr Grün im Muster haben möchte, sollte auf APG (All Purpose Green) zurückgreifen.

Realtree-AP ist in drei Ebenen aufgebaut. Im Vordergrund sind die Äste und Blätter scharf abgebildet, in der Mitte leicht unscharf und im Hintergrund verschwimmen sie fast komplett. Dadurch entsteht laut Hersteller ein 3D-Effekt, der den Jäger noch stärker mit seiner Umgebung verschmelzen lässt. FS

www.realtree.com

Tarnmuster-Mossy-Oak © Eike Mross
Das „Mossy Oak“-Muster ist eigentlich für moosige Eichenwälder konzipiert.

Für dunklere Reviere

Die Firma Mossy Oak stammt auch aus den USA und wurde 1986 unter dem Dach von Haas Outdoors von Toxey Haas gegründet. Haas war Angler sowie Jäger und liebte die Natur. Um näher ans Wild heranzukommen, begann er, sich Gedanken über Camouflage-Bekleidung zu machen. Er experimentierte mit natürlichen Materialien, und schließlich nähte seine Mutter das erste Outfit. Beim ersten maschinell erstellten Muster „Bottomland“ drückte die Druckerei beide Augen zu, denn Haas hatte bei Weitem nicht genug Geld, um das Minimum von gut 9000 Metern Stoffbahn zu bezahlen. Über die Jahre vergrößerte sich das Unternehmen schnell und professionalisierte die Herstellung. In den USA ist Mossy Oak seit Jahren einer der größten Tarnmuster-Hersteller. Sechs verschiedene Tarnmuster bieten die Amerikaner an, sodass für alle Revierverhältnisse das Passende dabei ist. In Deutschland verwendet beispielsweise die Firma Shooterking Mossy Oak auf ihrer Bekleidung. Neben dem von uns genutzten Muster ist auch Mossy Oak „Obsession“ empfehlenswert. FS

www.mossyoak.com

Tarnmuster-Kryptek Highlander © Eike Mross
Der Tarneffekt des „Highlander“ wirkt am besten zwischen hellen Brauntönen.

Tarnung mit Reptilienhaut

Die Kryptek-Bekleidung ist von den US-Soldaten Butch Whiting und Josh Cleghorn entworfen worden. Die beiden dienten 2005 im 2. Irak-Krieg als Helikopter-Piloten, sind passionierte Jäger und lieben die aktive Jagd in der Wildnis. Auf ihren Touren stellten Butch und Josh schnell fest, dass die zivile Tarnbekleidung mit der Ausrüstung des Militärs nicht mithalten kann. Daher beschlossen beide, eine neues Tarnmuster zu entwickeln und die hervorragende Qualität der Militärbekleidung auf ihre Linie zu übertragen. Befreundete Elitesoldaten testeten daraufhin Kryptek und halfen, die Produkte weiterzuentwickeln. Bei wissenschaftlichen Tests der US-Army schnitt Kryptek sehr gut ab. Mittlerweile gibt es elf verschiedene Muster, sodass in jedem Gelände eine optimale Tarnung möglich ist. Das Muster „Highlander“ eignet sich vor allem für Landschaften, in denen Brauntöne vorherrschen. Es ist aber relativ neutral gehalten und flexibel einsetzbar. Wer mehr Grüntöne und einen helleren Grundton bevorzugt, ist mit dem Muster „Mandrake“ gut beraten. FS

www.kryptek.com

Tarnmuster-Flecktarn © Sascha Numßen
Mittlerweile wohl ein Klassiker: Der „Flecktarn“ der Bundeswehr.

Nicht nur für Soldaten

Das aktuelle Tarnmuster der Bundeswehr wurde im Jahr 1991 als sogenanntes „Flecktarn B“ eingeführt. Es besteht aus fünf Farben (schwarz, braun und drei verschiedenen Grüntönen), die in unterschiedlichen Größen und Formen auf einem Grundton abgedruckt werden. Durch die große Heterogenität der Muster soll der Träger der Kleidung mit seinem Hintergrund verschwimmen, seine Konturen sollen aufgelöst werden. Aufgrund der eher dunklen Grün- und Brauntöne ist es vorrangig für Regionen mit einem hohen Waldanteil geeignet, der durch sein Licht- und Schattenspiel vergleichbare Farbkombinationen aufweist.

Wie 2016 bekannt wurde, arbeitet das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe der Bundeswehr in Erding an einer überarbeiteten Variante, dem sogenannten Multi-Tarnmuster. Jenes soll durch einen höheren Anteil an Sandfarben auch für offenes Gelände bzw. Wüsten geeignet sein. Durch die helleren Farbspektren sollte dieses Tarnmuster auch für Lockjäger im Feld von Interesse sein. Parallel dazu soll es auch einen neuen Schneetarnanzug geben, was Fuchsjäger die Gehöre spitzen lassen sollte. MW

Tarnmuster-Realtree-Max5 © Sascha Numßen
Die Deerhunter-Kombi „Muflon“ – ideal für die Enten- und Krähenjagd.

Eingepasst in Schilf & Feld

Das Tarnmuster MAX-5 ist die Weiterentwicklung des bekannten MAX-4-Musters. Es ist gemacht für die Jagd in Feld-, Gras- oder Schilflandschaften und daher sehr beliebt bei Enten-, Gänse- und Krähenjägern. Durch die Braun-Grün Töne erfüllt es aber auch gute Dienste im Herbstwald. Im Vergleich zum Vierer-Vorgänger ist MAX-5 noch etwas mehr auf den Feldjäger abgestimmt. So weist es neben Rohrkolben, Schilf und Gras auch Mais- und Getreideelemente auf. Da diese auf einem dunkleren Untergrund abgebildet sind, sorgt es für eine ideale Imitation von Licht- und Schattenverhältnissen und hat einen guten Tiefeneffekt. Blätter sind darauf jedoch nicht mehr zu finden. Für Jäger, die aus dem Schirm heraus jagen oder sich pirschend im Feld bewegen, also ideal!

Die Tarnmuster der MAX-Linie bewirken durch ihre naturgetreue Nachbildung der Umgebung ein Verschmelzen des Jägers mit seinem Hintergrund. Die menschlichen Konturen sollen nicht aufgebrochen oder verwischt, sondern in die Landschaft integriert werden. MW

www.realtree.com

Tarnmuster-Optifade © Sascha Numßen
Das Härkila „Q-Fleece“ fügt sich dank Optifade-Muster gut in die dunkle Umgebung ein.

Große Katzen als Vorbild

Das Camouflage-Muster „Gore Optifade“ orientiert sich an der Mikro- und Makromusterung von Raubkatzen: Ähnlich den großflächigen Streifen des Tigers sorgen größere Muster für ein Aufbrechen der Konturen des Jägers, während kleinere für ein Verschwimmen mit der Umgebung sorgen. Das ist die Taktik des Leoparden. Die US-Entwickler haben vier Farbkombination auf den Markt gebracht, angepasst an unterschiedliche Jagdsituationen. „Elevated II“ ist für Jäger konzipiert, die über dem Sehfeld des Wildes sitzen. Das spezielle Verhältnis von groß- zu kleinflächigen Elementen soll dem hohen Kontrast zwischen hellem Himmel und dunklem Hintergrund gerecht werden. „Open Country“ spricht eher Pirschjäger im Offenland/ Gebirge an: Im Verhältnis mehr große homogene Flächen sorgen für ein perfektes Aufbrechen der Konturen im vergleichsweise strukturärmeren Gelände. Für die Wasservogeljäger gibt es sogar zwei Kombis: „Waterfowl Marsh“ und „Waterfowl Timber“ lassen den Jäger durch viele kleinfläche Elemente verschwinden. MW

www.optifade.com

Tarnmuster-Supernatural © Eike Mross
Helle Grundtöne und die fransige Oberfläche sind für den 3D-Anzug charakteristisch.

Lebender Blätterhaufen

Beim „Supernatural“ handelt es sich um einen 3D-Blättertarn-Anzug. Der Vorläufer ist der „Ghillie-Suit“, welcher hauptsächlich von Scharfschützen zur Tarnung verwendet wird. Der Clou am „Supernatural“ ist, dass die Konturen des Jägers mit der Umgebung verschmelzen und daher ein hoher Tarneffekt entsteht. Erreicht wird dies durch die unebene Struktur des Außenmaterials.

Diese Art von Bekleidung wird häufig von Bogenjägern getragen, die auf Schrotschussentfernung ans Wild herankommen müssen. Auch Naturfotografen bedienen sich dieser Tarnung. Jagdlich gesehen ist ein solches Outfit beispielsweise während der Blattzeit sinnvoll, wenn der Jäger ohne Schirm vom Boden aus waidwerkt. Allerdings sollte man den „Supernatural“ unmittelbar nach der Jagd ausziehen, um Spaziergängern keinen Schrecken einzujagen. Der Anzug wird als Überzug getragen und lässt sich schnell an- und ablegen. Am besten kommt der Tarneffekt im Laubwald zur Geltung. Die Blätter-Farbe der Vegetation spielt eine untergeordnete Rolle. FS

www.swedteam.com

Tarnmuster-Demorphing © Christian Schätze
Helle Grundtöne und die fransige Oberfläche sind für den 3D-Anzug charakteristisch.

Kleidung mit Wisch-Effekt

Gerade wenn man denkt, es gibt keine neuen Tarnmuster mehr, wird ein weiteres vorgestellt. So fällt die Jagdbekleidung der Firma X-Jagd durch ihr innovatives Tarnmuster auf. Unter dem Namen „Demorphing“ entwickelte der Hersteller ein abstraktes Muster, das den Jäger durch ein Aufbrechen seiner Konturen mit der Umgebung komplett verschmelzen lassen soll. Die großfleckige und verwaschen wirkende Tarnung erzeugt durch verschiedene Helligkeitsabstufungen einen guten Tiefeneffekt. Das Muster ist angepasst an verschiedene Gegenden in den Modellen „Mountain“, „Woodland“ und „Savanna“ verfügbar.

Das X-Jagd-Outfit besteht aus einer Maske, Handschuhen, einer Hose und einer Jacke, die es ermöglichen, sich komplett zu tarnen. Das von uns getestete Muster „Woodland“ ist, wie der Name schon sagt, in erster Linie für die Tarnung im Wald entwickelt worden. Es tarnt am besten in relativ dunkler Umgebung wie Nadelforste mit spärlichem Lichteinfall. In hellem Eichenlaub ist es daher fehl am Platz. EM

www.xjagd.com


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