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Jagd auf Sommersauen

Beute auf der Morgenpirsch: Der Frischling gibt einen ordentlichen Braten ab, und die Rotte meidet nun vorerst das Feld.


Bis der Mais geerntet ist, stecken die meisten Rotten den Sommer über Tag und Nacht in den Feldern. Sauen sind in den großen Schlägen außerordentlich standorttreu. Je größer die Schläge, umso sicherer fühlen sich die Schwarzkittel. Sie sind äußert intelligent und anpassungsfähig. Ihre Lernfähigkeit ist bewundernswert. Stets müssen wir die Bejagungsstrategien ändern. Das gilt besonders für Pirsch und Ansitz in der sommerlichen Feldflur.

Für die Jagd bei Mond ist in dieser Jahreszeit zu wenig Licht vorhanden. Am Abend stecken die Sauen ihren Wurf nur ungern aus dem Getreide. Sicheres Ansprechen im letzten Büchsenlicht ist oft nicht möglich, das Risiko von Fehlabschüssen groß. Findet man eine am Abend beschossene Sau nicht sofort, wird sie über Nacht aufgrund der hohen Temperaturen verhitzten. Frühmorgens sind die Chancen, Schwarzwild in Anblick zu bekommen, jetzt am größten. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ heißt: Wir müssen in der ersten Dämmerung bereits sitzen! Die kurze Nacht reicht jetzt nicht aus, um den Schweinemagen zu füllen, und morgens nimmt mit jeder Minute das Licht schnell zu. Die Sauen werden förmlich vom Tageslicht überrascht, und hier kommt die Chance für den Jäger.

Doch zuvor ist viel „Aufklärungsarbeit“ nötig: Durch tägliches gründliches Abfährten. Wasser zieht Sauen besonders im Sommer magisch an: Sehr aussichtsreich kann der Ansitz an einem Tümpel oder Graben inmitten der Feldflur sein. Sind die Grabenböschungen hoch gewachsen, müssen sie für das sichere Ansprechen freigeschnitten werden.

Zudem können Malbäume und Salzlecken eingerichtet werden. Wer keinen passenden Baum in der Nähe findet, gräbt stattdessen einen passenden Stamm stabil ein. Tagsüber kontrollieren wir Wiesen und Feldränder. Findet man dort große Krater, handelt es sich um von Wildschweinen ausgeworfene Mäusenester. Die frischen Wechsel verraten uns die Einstände in den Getreideschlägen. Also Hauptwindrichtung prüfen und einen Plan schmieden.

Bevor der Schuss bricht, heißt es: Extreme Vorsicht bei einzelnen Stücken! Gerade schwache Überläufer bekommen in den Sommermonaten Frischlinge. Tauchen gleichgroße Stücke auf, sind es meist die „Junggesellentrupps“. Wir achten hier ebenfalls peinlichst auf die Bauchlinie, um sicher zu sein, dass keine führende (Überläufer-)Bache beschossen wird. Achtung: Auch Überläuferbachen lassen gelegentlich ihre Frischlinge zurück. Im Zweifel muss die Kugel im Lauf bleiben. Wir konzentrieren uns beim Abschuss am besten auf die Frischlinge.

Das gute Verhältnis zum Landwirt hilft nicht nur, Schäden zu reduzieren. Sein Auge sieht ebenfalls viel, insbesondere in den eigenen Schlägen. Er kann Schussschneisen zwischen Feld und Wald oder zwischen den einzelnen Mais- bzw. Getreideschlägen schaffen. Mit den Reviernachbarn sollte man ebenfalls im ständigen Kontakt sein, gerade bei kleinen Revieren. So hält man sich gegenseitig über Einstände und Wechsel auf dem Laufenden.

Interessant für die Sauenbejagung sind aber auch Lager und Schadstellen in den Getreideschlägen. Hier hat man mit der transportablen Ansitzleiter gute Chancen. Die Sauen heben sich darin kontrastreich ab. Jedes Feldrevier sollte zwei bis drei Ansitzleitern zur Verfügung haben, die man allein transportieren und aufstellen kann. Zudem ist der Wind im freien Feld konstant und küselt nicht so wie im Wald. Sauen können aber durchaus auch vom Ansitz aus angegangen werden. Ein Dreibein darf nicht fehlen. Damit ist man für plötzliche Zusammenstöße vorbereitet.

Die Sommerjagd auf Schwarzwild erfordert Zeit, Geduld, Verantwortungsbewusstsein und genaue Revierkenntnisse. Schnelle Finger sind hier fehl am Platze. Entlohnt wird man immer: Rauschen im Halmenmeer, das Brechen im Getreide, ein Planschen im Graben oder leises Quieken der Frischlinge lassen den Puls steigen.