Home Praxis Jagd auf Schmalrehe: Mit Vorsicht in den Mai

Jagd auf Schmalrehe: Mit Vorsicht in den Mai

Spinne und Ohrmarke weisen dieses Stück als zweijährig und führend aus. © Matthias Meyer

Spinne und Ohrmarke weisen dieses Stück als zweijährig und führend aus.


Nach monatelanger Futterknappheit steigt der Nahrungsbedarf des Rehwildes im Frühjahr stark an. Die Ursachen liegen in dem raschen Wachstum der Embryonen, einem verstärkten Stoffwechsel und hohem Energiebedarf aufgrund gesteigerter Bewegung, nicht nur im Rahmen von Einstandsstreitigkeiten.

Vegetation noch niedrig

Ein im Wildbret schwaches Stück, weder Bauch noch Spinne sind zu sehen, doch ist bereits das Haupt gestreckt und ausgewachsen – die Ohrmarke verrät das zweijährige Stück. © Matthias Meyer

Ein im Wildbret schwaches Stück, weder Bauch noch Spinne sind zu sehen, doch ist bereits das Haupt gestreckt und ausgewachsen – die Ohrmarke verrät das zweijährige Stück.


Deshalb ist das Rehwild nun nahezu überall tagaktiv und leicht zu beobachten. Es nutzt jede Möglichkeit, um an das eiweißreiche Grün zu gelangen, denn der Organismus läuft jetzt auf „vollen Touren“ und verlangt nach häufigeren und intensiveren Äsungsphasen. Darüber hinaus ist das Rehwild nach der Jagdruhe wieder deutlich vertrauter geworden. Der Jäger kann nun das Rehwild unter Ausnutzung bester Lichtverhältnisse genau ansprechen. In der Regel ist auch zu Beginn der Jagdzeit die Vegetation noch niedrig und verdeckt keine elementaren Ansprechmerkmale.

Je früher, desto besser auf Schmalrehe

Ein starkes Schmalreh oder eine junge Geiß, die gesetzt hat? Aus der Perspektive nicht eindeutig zu sagen. Nach dem Drehen war die deutlich durchhängende Bauchlinie zu sehen! Offensichtlich eine Zweijährige, die beim ersten Setzen meist nur ein Kitz führt. © Matthias Meyer

Ein starkes Schmalreh oder eine junge Geiß, die gesetzt hat? Aus der Perspektive nicht eindeutig zu sagen. Nach dem Drehen war die deutlich durchhängende Bauchlinie zu sehen! Offensichtlich eine Zweijährige, die beim ersten Setzen meist nur ein Kitz führt.


Das genaue Ansprechen eines Schmalrehs in der ersten Maihälfte ist fast überall unproblematisch, eine Verwechslung mit Geißen ist meiner Ansicht nach völlig ausgeschlossen, wenn der Jäger mit etwas Geduld freien Blick auf den ganzen Körper des weiblichen Stückes hat. Denn das knapp ein Jahr alte Stück ist körperlich noch nicht voll ausgewachsen. Am Haupt finden wir noch den rundlichen, mit verkürztem Gesichtsschädel typischen Ausdruck eines Kitzes. Das Haupt wirkt deshalb eher klein und kurz mit einem kindlich wirkenden Ausdruck.

Neben der Geis fällt Ansprechen leicht

Stehen die vorjährigen Kitze noch bei der tragenden Geiß, fällt das Ansprechen leicht. Die beiden starken Schmalrehe links können nicht mit ihrer Mutter verwechselt werden. © Matthias Meyer

Stehen die vorjährigen Kitze noch bei der tragenden Geiß, fällt das Ansprechen leicht. Die beiden starken Schmalrehe links können nicht mit ihrer Mutter verwechselt werden.


Entweder ziehen die vorjährigen Kitze, also jetzt Schmalreh und Jährling, zusammen mit der Geiß auf die Äsung oder in der zweiten Maihälfte allein, weil die Mutter sich zum Setzen der neuen Kitze abgesondert hat.

Haben wir die Geiß zum Größenvergleich dabei, fallen die deutlichen Unterschiede im Körperrahmen, Gewicht, der Größe und Kopfform sofort auf. Absolut untrügliche Ansprechmerkmale der Geiß sind entweder der dicke und nach unten und außen gewölbte Bauch des hochtragenden Stückes oder, wenn es früh im Mai gesetzt hat, die stark eingefallenen Flanken, und zwischen den Hinterläufen ist die etwa tennisballgroße Spinne zu sehen.

Achtung Muttertierschutz

Ein körperlich sehr starkes Schmalreh mit deutlich jugendlichen Zügen. Mit solchen Stücken gelingt der qualitative Umbau im Rehwildbestand. Schonen! © Matthias Meyer

Ein körperlich sehr starkes Schmalreh mit deutlich jugendlichen Zügen. Mit solchen Stücken gelingt der qualitative Umbau im Rehwildbestand. Schonen!


Diese eindeutigen Ansprechmerkmale sind aber leider nur im zeitigen Frühjahr und bei niedrigem Bewuchs zu erkennen. Bereits im Juni kann ein körperlich starkes Schmalreh, da es nun nach dem Zahnwechsel einen gestreckten Kiefer besitzt, nicht mehr so zweifelsfrei angesprochen werden. Die bisher so eindeutigen Erkennungsmerkmale verschwinden überdies zunehmend über den Sommer, und die Gefahr, leichtsinnig gegen den Muttertierschutz zu verstoßen, nimmt eklatant zu.

Früh im Mai

Manchmal hilft der Kitzfiep. Reagiert das Stück angespannt und mütterlich besorgt, liegen die Kitze meist nicht weit. © Matthias Meyer

Manchmal hilft der Kitzfiep. Reagiert das Stück angespannt und mütterlich besorgt, liegen die Kitze meist nicht weit.


Daher ist nur (!) der frühe Jagdtermin im Mai ideal dafür geeignet, innerhalb kurzer Zeit erforderliche Abschusszahlen beim weiblichen Rehwild nachzubessern und insgesamt einen permanenten, flächendeckenden Jagddruck aus dem Revier zu nehmen. So kann der Jäger ganz entspannt für die Herbstbejagung der Geißen und Kitze vorarbeiten, damit das Rehwild dann zum Jahresende auch wirklich mehr Jagdruhe findet.


Wildmeister Matthias Meyer Als Berufsjäger leitet er den Jagdbetrieb in der Fürst zu Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung in Oettingen/ Bayern. Er ist außerdem erfahrener Schweißhundeführer und langjähriger PIRSCH-Autor.
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