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Jagd auf Elterntiere: Waidgerecht Fuchs und Dachs jagen

Dr. Konstantin Börner
am
Montag, 21.06.2021 - 06:55
Fuchsfaehe-saeugend © Erich Marek
Solange die Welpen gesäugt werden, gilt strenger Schutz der Elterntiere.

Uns Jägerinnen und Jägern ist die Waidgerechtigkeit ein hohes Gut. Dabei übernimmt unter anderem die Frage nach der Tierethik eine ganz zentrale Rolle. Denn Jagd ist nur dann legitim, wenn sie den bestehenden ethischen Normen und Anforderungen gerecht wird.

Jagd ist dann (und nur dann) zu rechtfertigen, wenn sie Elterntiere, die zur Aufzucht von Jungtieren erforderlich sind, unter bedingungslosen Schutz stellt.

Jagdbeginn auf den Rotfuchs?

… doch auch danach lernen die jungen Tiere noch viel. Die Schonzeiten weichen deutschlandweit voneinander ab.

Die Jagdzeit auf Rotfüchse ist in den meisten deutschen Bundesländern auf den 16. Juni festgelegt. Formal dürfen Altfüchse also ab diesem Zeitpunkt geschossen werden. Gleichzeitig stehen die zur Aufzucht notwendigen Elterntiere aber grundsätzlich unter Schutz. Spät gewölfte Gehecke, aus der zweiten Aprilhälfte, werden im Juni noch gesäugt. Zudem gilt für Jungfüchse, trotz ihrer schnellen Entwicklung, dass sie über die Säugeperiode hinaus auf ihre Eltern angewiesen sind. Nur weil ein Jungfuchs allein unterwegs ist, darf dies nicht grundsätzlich als Zeichen seiner vollständigen Selbständigkeit interpretiert werden.

Doch ab wann können dann Altfüchse mit gutem Gewissen erlegt werden? Aus rein wildbiologischer Sicht spricht vieles für den 1. August als jagdlichen Stichtag. Davor sollten ausschließlich Jungfüchse gejagt werden.

Dachs-Familienverbund © imago images/Ardea

Dachse sind noch länger als Familienverbund unterwegs. Die Alttiere müssen daher auf jeden Fall geschont werden.

Wie steht es beim Schmalzmann?

Die meisten Dachse erblicken Ende Februar bis Anfang März das Licht der Welt. Etwa vier Wochen dauert es, bis sich die Augen öffnen, etwa zehn, bis sie das erste Mal vor den Bau gehen. Ab Juni beginnen die Tiere, raubmündig zu werden. Sie haben dabei eine sehr hohe Bindung an den Familienverband. Erst im Folgejahr wandern sie ab.

Für das Überleben notwendig ist die Fähe in den ersten vier Lebensmonaten, so lange dauert die Säugezeit. Insbesondere durch soziales Lernen werden jedoch auch dann wichtige Verhaltensweisen erlernt, wenn keine direkte Milchabhängigkeit besteht – so ergibt sich ein Gesamtzeitraum von etwa einem halben Jahr, in dem die Elterntiere unbedingt geschont werden sollten.

Bei einem mittleren Geburtstermin am ersten März, ergibt sich als Stichtag für den Jagdbeginn der 1. September. Auch wenn der Jagdkalender es anders darstellt, ist dies für den Elterntierschutz geboten.

Das können die Konsequenzen sein

Werden Elterntiere erlegt, kann dies nicht nur für den zurückgebliebenen Nachwuchs Konsequenzen nach sich ziehen. 

Im Bundesjagdgesetz wurde in Paragraf 22 Abs. 4 Satz 1 der Schutz von zur Aufzucht von Jungtieren nötigen Elterntieren verankert. Wer vorsätzlich ein Elterntier erlegt, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe belangt werden. Handelt der Täter fahrlässig, so droht eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen (§ 38 BJagdG) – der Jagdschein ist dann weg. Das Gesetzbuch bleibt jedoch bei vielen Arten eine präzise Aussage schuldig, wie lange die Aufzuchtzeit im Einzelnen andauert.

Unabhängig etwaiger rechtlicher Konsequenzen stellt der Elterntierschutz eine unverrückbare Säule unserer jagdethischen Grundsätze und Verantwortung dar.

Dennoch ist die Raubwildjagd natürlich nötig und eine spannende Facette der Jagd.


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