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Iltisschädel mit Schrotschuss? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 11.04.2022 - 10:00
Troglotrema_acutum © Dr. Armin Deutz
Iltisschädel mit parasitär bedingten Löchern im Schädelknochen.

Die Löcher im Stirnbein der Iltisschädel gehen auf einen Parasiten namens Troglotrema acutum zurück. Die birnenförmige oder hanfkornähnliche, grauweiße, etwa drei Millimeter lange Saugwurmart lebt in der Nasen- und Stirnhöhle der Wirtstiere. Sie kommt seltener auch bei Nerzen, Mauswieseln, Baum- und Steinmarder, Fischotter, Dachsen sowie Füchsen vor. Die Parasiten bringen oft paarweise das umliegende Gewebe, einschließlich der Knochen, zum Einschmelzen. Die etwa drei Millimeter großen Löcher im Stirnbein von Iltisschädeln zeugen von der Aktivität dieser Parasiten.

Von Schnecken, über Frösche zum Iltis

Eier werden von den erwachsenen Parasiten in der Stirn- und Nasenhöhle ausgeschieden und danach vom Wirt abgeschluckt. Sie gelangen so über die Losung in die Außenwelt, wo sie sich über zwei Zwischenwirte wieder zu infektionsfähigen Larven entwickeln. Die ersten Zwischenwirte sind vermutlich im Kaltwasser lebende Schneckenarten. Beim zweiten Zwischenwirt handelt es sich um Frösche.

Frösche & Kröten: Gefährliche Leckerbissen

Dieser Umstand dürfte auch dafür verantwortlich sein, dass überwiegend Iltisse den Parasiten in sich tragen. Denn sowohl Frösche als auch Kröten zählen zur häufigen Beute von Iltissen. Bei Magen-Darm-Analysen von Iltissen fanden verschiedene Autoren zwischen sieben und 55 Prozent Frösche und Kröten in der Iltisnahrung. Die vom Iltis ausgeschiedenen „Sternschnuppen“, damit ist erbrochener, stark aufgequollener Froschlaich gemeint, zeugen im Revier von der Froschmahlzeit.

Für den Wirt scheint der Saugwurm jedoch keine größeren Gesundheitsstörungen nach sich zu ziehen, außer Parasiten dringen in die Schädelhöhle ein und verursachen dort Hirnhautentzündungen. KERSCHAGL (1965) vermutete, dass das bei Iltissen oft hörbare Niesen auf den Befall mit Troglotrema acutum zurückzuführen sei.

Für den regional starken Rückgang der Iltisse in den letzten Jahrzehnten werden jedoch vorwiegend Umweltgifte sowie zunehmend die Staupe verantwortlich gemacht.