Das 'ideale' Fangschuss-Geschoss

An Geschossen für den Fangschuss stellt man andere Anforderungen als an übliche Jagdgeschosse, die auf viel weitere Entfernungen eingesetzt werden. Fangschussgeschosse sollen möglichst augenblicklich wirken und eine besonders große Penetrationswirkung ist eher unerwünscht.
Nachsuchenführer haben bestimmt ihre Lieblingskaliber. Auf Rehwild eignet sich die 7x57 sehr gut und auf Hochwild sind Kaliber wie .308 Win., 8x57 IS oder gar 9,3x62 empfehlenswert. Gefragt sind also Kaliber mit moderater Geschossgeschwindigkeit. Man benötigt keine 'Überpenetration'. Selbst bei einem groben Keiler dringt die .308 Win. in die Kammer oder durchschlägt gar den gesamten Körper. Gefragt sind nicht Rasanz sondern eher schwerere Geschosse, die mit moderaten Geschwindigkeiten bewegt werden. Bei den .30er Kalibern kann man Geschosse von 10,7 bis 13,0 Gramm wählen, wobei der Idealfall bei 11,7 Gramm liegt (gilt sowohl für .308 Win. als auch .30-06 Springfield). Im Kaliber 8x57 IS sind die idealen Fangschussgeschosse rund 11 bis 13 Gramm schwer und in der 9,3x62 sind es die 18,5 Gramm schweren Geschosse. Es sei angemerkt, dass sich in der 9,3x62 auch das leichtere 16,0 Gramm KS und das 16,5 Gramm TM-GECO sehr gut für Fangschüsse eignen. Reine Fangschussgeschosse für Langwaffen kenne ich nur von RWS (Dynamit Nobel). Ebenso eine spezielle Fangschusslaborierung nur von RWS. Von abgebrochenen Ladungen halte ich gar nichts. Sie können unkontrollierbare innenballistische Risiken in sich bergen. Ferner hat man zu schnell eine falsche Patrone zur Hand.

Fangschussgeschosse für Büchsen

Die Anforderungen an ein Fangschussgeschoss sind nahezu unerfüllbar. Das ideale Fangschussgeschoss muss genügend Tiefenwirkung haben, um auch bei starkem Wild in die Kammer einzudringen. Auf der anderen Seite sollte es aber selbst bei schwachem Wild keinen Ausschuss ergeben. Schließlich soll die gesamte Energie im Wildkörper verbleiben. Ferner ist eine möglichst schnelle Tötungswirkung erwünscht. Hierzu verhilft auch eine Splitterwirkung des Geschosses (Sekundärgeschosse wie Geschoss- oder Knochensplitter). Da nachgesuchtes Wild oftmals mit Adrenalin (Übermittlungsstoff – Neurohormon – aus dem Nebennierenmark, der sich im Körper bei Nervenreizung, Aufregung und Gefahr sehr rasch über die Blutbahn verteilt und enorm leistungssteigernd wirkt) vollgepumpt ist, sind die Energiereserven enorm. Um es schnell zur Strecke zu bringen, bedarf es eines gut platzierten und wirkungsvollen Schusses. Der Kammerschuss ist mit der Langwaffe ideal und gefährdet die Umgebung am wenigsten. Natürlich tritt der Tod nur durch Sauerstoffmangel im Gehirn ein. Dazu verhilft ein Schuss ins Nervensystem (Kleingehirn, vorderes Rückgrat), der die motorische Steuerung ausschaltet, am schnellsten. Aber auch bei Herzschuss oder Lungenschuss (Pneumotorax – Aufhebung der Lungenfunktion) wird die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen. Der Kammerschuss ist wegen der höheren Trefferwahrscheinlichkeit anderen Treffpunktlagen vorzuziehen. Das Fangschussgeschoss soll zunächst einmal sehr schnell aufpilzen (rund 2 - bis 2,5-facher Kaliberdurchmesser) und ein möglichst starkes Einschussloch erzeugen. Durch das deformierende Geschoss wird der Flug abgebremst und so mehr Energie abgegeben (größere Durchdringungszeit) sowie eine größere mechanische Zerstörung verursacht. Besonders schnell deformieren Rundkopfgeschosse. Von der Form her sind Rundkopfgeschosse den Spitzgeschossen vorzuziehen. Man findet diese mehr in Kalibern ab 8 Millimeter aufwärts als in schwächeren Kalibern. Da sich das Geschoss möglichst stark deformieren soll, absplitternde Teile erwünscht sind und besonders hohe Penetration auf weite Entfernungen nicht nötig ist, sind einfache Teilmantelgeschosse sehr gut geeignet. Je stumpfer die Bleispitze ist, desto besser. Es sollte möglichst viel Blei über den Mantel hinausragen. Idealerweise sollten sie einen kräftigen Boden haben. Dadurch wird selbst bei starken Keilern hohe Durchschlagskraft gewährleistet. Ferner verhindert der starke Boden ein Zerfallen der Geschosse auf die kurzen Schussentfernungen. Erste Wahl für Langwaffenpatronen sind also einfache Teilmantelgeschosse mit Rundkopf, danach Teilmantelgeschosse in Spitzform. Die Geschosse sollten im mittleren und schwereren Geschossgewichtsbereich des jeweiligen Kalibers liegen. RWS bietet eine spezielle Fangschusslaborierung im Kaliber .308 Win. an. Das 8,4 Gramm schwere Fangschussgeschoss (FS) wird auf eine Vo von 895 Meter/Sekunde beschleunigt, was eine Energie von 3364 Joule ergibt. Das Hohlspitzgeschoss hat einen zurückgelegten Bleikern und der Tombakmantel ist sehr dünn. Durch die offene Hohlspitze wird eine vollkommene Zerlegung bewirkt. Die Geschosssplitter bewirken eine sehr gute Wirkung. Ab einem Wildgewicht von 25 Kilogramm soll es keinen Ausschuss geben. Infolge des fehlenden Ausschusses ist die Umgebungsgefährdung (Schweißhund) sehr gering bzw. nicht vorhanden. Es sei angemerkt, dass die Zerstörung durch Geschosssplitter (u. a. bleihaltig) im Wildbret groß sein kann.
Ich machte ebenso beste Erfahrungen mit Geco-Teilmantelgeschossen, Kegelspitz- und Teilmantelrundkopfgeschossen von RWS, Sierras Game King Geschossen, Hornadys Interlock Geschosse, Lapuas MEGA- und Normas Alaska- Geschossen, Winchesters Power Point sowie Remingtons PSP Core-Lokt Geschossen (siehe Tabelle).
Nicht benötigt werden dagegen Spezialgeschosse wie TIG, TUG, Vulkan, Oryx, Nosler Partition oder gar Verbundgeschosse wie das Swift-AFrame, Woodleigh Teilmantel oder Bear Claw von Trophy Bonded. Genauso wenig sind homogene Vollgeschosse wie das Barnes-X nötig. Bei den Langwaffenkalibern sind auch die Unterhebelrepetierpatronen .444 Marlin, .45-70 Govt oder .450 Marlin ideal. Während die Teilmantel-Rundkopfgeschosse der .45-70 Govt und .450 Marlin sehr gut für den Fangschuss geeignet sind, sieht es bei der .444 Marlin etwas anders aus. Sie wird teilweise mit sehr weichen Kurzwaffengeschossen geladen. Die höhere Geschossgeschwindigkeit machen diese Geschosse sehr fragil. Bei sehr starkem Wild mangelt es an Penetration. Es werden für die Marlin das starke 17,2 Gramm schwere Hornady Teilmantel Flachkopfgeschoss (in Hornady Patronen erhältlich) oder das Nosler Hohlspitz-Partitiongeschoss mit 250 Grains Gewicht (16,2 Gramm) empfohlen. Beide gewährleisten genügend Durchschlagkraft, pilzen schnell und korrekt auf und sind auch auf Nahentfernungen sehr wirkungsvoll sowie zuverlässig.
Noch ein Wort zu Hindernissen in der Flugbahn. Sie sind immer schlecht. Durchschießt man beispielsweise ein Baumstämmchen, dann kostet das viel Energie. Kleinere Zweige kurz vor dem Wild stellen in der Regel kein Problem dar. Das Geschoss wird in der Regel nicht so stark abgelenkt, dass das Wild verfehlt wird. Bei Hindernissen vor der Mündung oder auf der Strecke bis kurz vor dem Wild sollte man einen Schuss stets unterlassen. Schon wegen der sehr hohen Umgebungsgefährdung halte ich Flintenlaufgeschosse für ungeeignet.

Fangschussgeschosse für Kurzwaffen


Die meisten Fangschüsse gab ich mit der Kurzwaffe ab. Ich halte sie für die bessere Wahl. Besonders in Dickungen lässt sich eine Kurzwaffe besser handhaben als eine Langwaffe. Aber auch an Straßen ist die Kurzwaffe wegen viel geringerer Umgebungsgefährdung die bessere Fangschusswaffe. Viele Fangschüsse werden auf sehr kurze Entfernungen auf bewegungsunfähiges Wild (angefahrenes Wild,Wild im Wundbett) abgegeben. Gerade dafür ist die Kurzwaffe ideal. Bei den Kalibern kann man die .38 special und die 9mm Luger als sensible Minimumkaliber betrachten (sieht man mal von der Fallenjagd ab, wo eine .22 lfB mit Hohlspitzgeschoss oder eine 7,65 mm Browning gut geeignet sind). Sie sind eigentlich nur für Rehwild gut zu gebrauchen. Bei den Pistolenkalibern haben sich universell vor allem die .40 S&W und .45ACP sehr gut bewährt. Bei den Revolvern waren es die .357 Magnum, .41 Magnum, .44 Magnum, .44 special und .45 LC.Bei den 9mm und .40er Pistolenkalibern wirken Semiwadcutter- Flachkopfgeschosse und Hohlspitzgeschosse am besten. Sie stanzen ein großes Einschussloch, durch das Sauerstoff in die Kammer eindringen kann. Die Energieabgabe ist ebenfalls besser, da das Geschoss mehr abgebremst wird als ein Ogivalgeschoss. Bei der 9mm Luger haben Versuche gezeigt, dass Teilmantelgeschosse in aller Regel gar nicht aufpilzen, da die Geschossgeschwindigkeit zu gering ist. In der Praxis zeigten sie keine bessere Wirkung wie die Ogivalgeschosse. Besser geeignet ist das 7,8 Gramm schwere CEPP von Lapua mit seinem angetrichterten Flachkopf und den Sollbruchstellen. Dieses Geschoss zeigte bei Fangschüssen eine gute Wirkung. Zu empfehlen ist noch das Hornady Semiwadcutter-Vollmantelgeschoss für die 9mm Luger. In der .45 ACP ist das 230 Grains (14,9 Gramm) Vollmantel- Rundkopfgeschoss voll tauglich. Ich konnte zu den 200 Grains (13 Gramm) Semiwadcutter-Vollmantelgeschossen in diesem Kaliber keine Unterschiede erkennen. Von Bleigeschossen in Pistolen rate ich ab, da diese selten sehr präzise schießen und es zu Zuverlässigkeitsproblemen bei der Waffenfunktion kommen kann. Die .45 ACP zeigte bei den Pistolenkalibern die beste Wirkung.
Bei den Revolverpatronen sollte man zwischen Standardund Magnumkaliber unterscheiden. Teilmantelgeschosse sollte man den Magnumpatronen vorbehalten.Bei deren Geschossgeschwindigkeit pilzen sie auch auf. Ich empfehle für die .357 Magnum 158 Grains (10,2 Gramm) und für die .44 Magnum 240 Grains (15,6 Gramm) schwere Teilmantel- Flachkopfgeschosse. Sie ergeben eine sehr gute Wirkung und besitzen ein mehr als ausreichendes Penetrationsvermögen. Mit der .44 Magnum habe ich Fangschüsse abgegeben, die wirklich Augenblickswirkung zeigten. Für die Standard- Revolverkaliber wie .38 special, .44 special oder .45 LC empfehle ich Bleigeschosse, möglichst in stumpfer Semiwadcutterform. Für die .38 special sind bei den Fabrikpatronen meist nur Bleirundkopfgeschosse erhältlich. Sie eignen sich nur für Rehwild (oft hier auch ungenügende Wirkung). Bei den stärkeren Kalibern ergeben stumpfe, abgeflachte Geschossköpfe eine bessere Wirkung als die Rundkopfform. Besonders wichtig ist die Stanzwirkung der Semiwadcuttergeschosse auf der Einschussseite. Es ergibt sich ein großes Loch, das nicht so leicht durch die elastische Decke verschlossen werden kann. Bei starken Widerständen (Knochen) verformen sich die Bleigeschosse ebenfalls etwas. Bei den Standardkalibern ergeben die dicken Pillen aus der .44 special oder .45LC eine gute und schnelle Wirkung. Auf Straßen sind die Bleigeschosse Voll- und Teilmantelgeschossen vorzuziehen. Die Bleigeschosse ergeben keine Umgebungsgefährdung bei richtig plazierten Schüssen. Ideal in allen Pistolen- und Revolverkalibern sind gute Hohlspitzgeschosse. Sie sollen schnell auf etwa den 1,5- bis 2,5-fachen Geschossdurchmesser aufpilzen. Die Deformierung erhöht die Augenblicks- und Tötungswirkung. Es sollten aber nur sehr stabile Hohlspitzgeschosse verwendet werden, die sich bei Knochentreffern nicht in kleine Teile zerfallen. Selbst bei starkem Wild und Knochentreffern sollen die Hohlspitzgescohsse eine tiefe Penetration ermöglichen. Sehr bewährt haben sich Noslers Hohlspitzgeschosse, Hornadys XTP/HP, Speers gold, Dot, Remingtons golden Saber oder Federals Hydra Shok. Auf Straßen sollte stets mit der Kurzwaffe auf das Blatt geschossen werden. Ansonsten können auf kurzen Entfernungen auch Kopf- und Trägerschüsse angebracht werden. Für die Wirkung ist in erster Linie der Treffersitz entscheidend. Danach kommt lange nichts. Die Geschosswahl ist sekundär. Hinsichtlich schneller Wirkung und möglichst geringer Umgebungsgefährdung sollte eine Geschossselektion aber auch nicht vernachlässtigt werden.