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Hundeversicherungen

Nicht selten müssen die vierbeinigen Helfer im jagdlichen Einsatz - im wahrsten Sinne des Wortes - den Kopf herhalten. Eine bestmögliche tiermedizinische Versorgung muss dann gewährleistet sein!<br>(Foto: Karl Walch)


Die Jagdgemeinschaft traf sich wie verabredet am Samstagnachmittag am vereinbarten Treffpunkt. Gemeinsam ging es zur ausgedehnten Dickung im verschneiten Hochwald. Die Schützen wurden angestellt und der als Jagdgast anwesende Hundeführer schnallte seinen Terrier. Der passionierte Jagdhelfer nahm die Dickung an. Nach kurzer Zeit gab er Standlaut. Vom Dickungsrand waren auch die Sauen zu hören, die sich in der Dickung bewegten und diese, ganz offensichtlich, nicht freiwillig verlassen wollten. Plötzlich klagte der Hund und kurz darauf stellte sich Ruhe im verschneiten Wald ein. Nach einigen Minuten erschien der Terrierrüde im Osteck des Einstandes. Er humpelte. Der Jagdherr ließ das Treiben abblasen, der Hund wurde in Augenschein genommen. Neben einigen kleineren Blessuren hatte er eine tief klaffende Wunde auf der Innenseite des Hinterlaufes und einen großen Schmiss auf dem linken Schulterblatt.

Der Hund wurde an Ort und Stelle notdürftig versorgt und sofort zum tierärztlichen Notdienst gebracht. Die Versorgung der Biss- und Risswunden, sowie die notwendige Nachbehandlung kosteten den Hundeführer insgesamt zirka 600 Euro. Eine Absprache über die Kosten einer möglichen tierärztlichen Versorgung des Hundes war im Vorfeld der Jagd nicht getroffen worden und der Hundeführer blieb auf seinen Kosten sitzen. Solche und ähnliche Geschichten sind passionierten Hundeführern leider nur allzu bekannt. Eine rechtliche Verpflichtung zur Übernahme der Behandlungskosten unserer Jagdhelfer beim jagdlichen Einsatz durch den Jagdherren besteht grundsätzlich nicht. Dies gilt für alle Jagdarten, bei der Baujagd, bei der klassischen Drückjagd, der Entenjagd, bei der Stöberjagd im Schilf oder auch bei der Niederwildjagd im Feld. Erfreulicherweise gibt es in zunehmendem Maße, vor allem bei den großen Drückjagden mit guter Organisation, vom Jagdherren abgeschlossene Tagesversicherungen, die einen guten Teil der Kosten abdecken.

In PIRSCH 20/2010, ab 20. Oktober im Handel, finden Sie eine Übersicht verschiedener Kranken-und Unfallversicherungen für Jagdhunde!


Ebenso sei erwähnt, dass es auch großzügige Jagdherren gibt, die Behandlungskosten vollständig ersetzen und im Fall des Todes oder des Abhandenkommens eine dem Wert des Hundes angemessene Entschädigung bezahlen. Wir beschäftigen uns in diesem Artikel mit den Fällen, denen dieser Vorzug nicht zu Teil wird. Hier stellt sich die Frage, ob der Hundeführer seinen treuen Jagdhelfer selbst versichert und wenn ja, in welchem Umfang, bei welchem Versicherer und zu welchen Kosten. Der Markt der Versicherer, die einen Versicherungsschutz für Jagdhunde anbieten, ist relativ überschaubar.

Umso erstaunlicher ist, dass das Leistungsspektrum sich doch erheblich unterscheidet. Zunächst sollte der Interessent sich über den gewünschten Leistungsumfang Gedanken machen. Die dargestellten Anbieter und Informationen in den Tabellen (siehe PIRSCH 20/2010) wurden intensiv recherchiert. Trotzdem weisen wir darauf hin, dass wir keine Gewähr für einen vollständigen Marktüberblick übernehmen. Über die Annahme von Versicherungsanträgen, die Konditionen und die Leistungsübersicht entscheiden alleine die Versicherer. Maßgeblich sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen und Tarife der Anbieter. Im Folgenden zeigen wir die aus unserer Sicht möglichen Risiken auf, die Behandlungskosten auslösen oder gar den Verlust unseres wertvollen Helfers zur Folge haben. In letzterem Fall stellt sich die Frage nach einer wirklich angemessenen Entschädigung. Doch dazu später mehr. Risiken können sein: Unfälle aus jagdlichem Einsatz (der Hund wird bei der Bauarbeit oder dem Stellen von wehrhaftem Wild geschlagen); sonstige Unfälle (zum Beispiel die Kollision mit einem Kraftfahrzeug während des sonntäglichen Spaziergangs außerhalb des Reviers); Tod durch ein Ereignis während des jagdlichen Einsatzes; Tod durch ein Ereignis außerhalb des jagdlichen Einsatzes; Nottötung; Abhandenkommen zum Beispiel während der Hetze oder auch durch Diebstahl; Krankheiten als Folge des Jagdeinsatzes (Borreliose, Tetanus, durch Wild übertragbare Krankheiten); Krankheiten, die nicht die Folge des direkten Jagdeinsatzes sind. Die Kosten der oben genannten Risiken können ganz oder teilweise durch entsprechenden Versicherungsschutz übernommen werden.

Doch um es schon hier vorweg zu nehmen: Offiziell gibt es heute noch keinen Anbieter, der dem Hundeführer die Möglichkeit bietet, Versicherungsschutz für alle Risiken aus einer Hand zu erhalten. Vielmehr ist der Interessent gezwungen,sich selbst einen Überblick über das Leistungsspektrum der einzelnen Anbieter zu verschaffen und den Tarif zu wählen, der hauptsächlich das versichert, was ihm am Wichtigsten ist. Das ist mühevoll und vom einzelnen oft nicht leistbar. Doch seit Mai bietet ein Versicherer als Licht im Tarife-Dschungel eine Allroundlösung an. Diese wird später noch beschrieben. Die Tabellen geben einen Überblick über die Leistungsumfänge und die Kosten der einzelnen Anbieter. Bei unserer Recherche stießen wir bei langjährigen Hundeführern auch auf Alttarife, die heute so nicht mehr angeboten werden. Es ist also möglich, dass Sie als Leser beim Austausch untereinander auf bestehende Verträge und gute Lösungen treffen, die der Versicherer heute so nicht mehr anbietet. Unterschieden werden grundsätzlich die Hundeunfallversicherung und die Hundekrankenversicherung als zwei unterschiedliche Sparten.
Dabei ist der Begriff der „Hundeunfallversicherung“ so nur begrenzt richtig. Denn per se ist ein „Unfall“ ein „plötzlich und unvorhersehbares Ereignis, das von außen auf den Körper einwirkt und bleibende Schäden hinterlässt“. Daher würden die klassischen Ursachen eines jagdlichen Einsatzes wie die Begegnung mit der wehrhaften Sau, dem Dachs im Bau, dem forkelnden und schlagenden Hirsch per Definition nicht Bestandteil des Versicherungsschutzes sein, denn ein Unfallereignis ist in diesen Fällen nicht „unvorhersehbar“. Die Anbieter der Jagdhundeunfallversicherungen dehnen also hier das Bedingungswerk bedarfsgerecht aus und schließen diese Risiken alle mit ein. So zum Beispiel die Inter Allgemeine Versicherung wie auch die Gothaer und das Lebensversicherungsprodukt der Münchener & Magdeburger Agrarversicherung AG. Vom Leistungsumfang her unterscheiden sich die Gesellschaften in diesem Punkt nicht wesentlich, wobei die Münchener & Magdeburger einzig zusätzlich Krankheit aus einem jagdlichen Einsatz heraus mitversichert, beispielsweise die Fuchsräude.

Die anderen schließen Krankheiten auch durch jagdlichen Einsatz begründet aus. Überraschend ist hier, dass die maximal versicherbare Ersatzleistung im Todesfall bei nur 1500 Euro liegt. Das erscheint uns als Summe deutlich zu niedrig, denn zu diesem Preis ist kaum ein durchgeführter Hund zu erwerben und so mancher Hundeführer wird seinen Hund oder seine Hündin wohl gerne auch höher absichern wollen. Die PreVet bietet zusammen mit der Helvetia seit Mai ebenfalls einen Jagdhunde-Unfalltarif mit Einschluss von jagdlich bedingten Krankheiten an, der ähnlich wie die anderen erhältlichen Produkte gestaltet ist. Bezüglich der Tierarztkosten bei Unfällen hat er den Vorteil, dass die Übernahme der Kosten eines Schadens zur Not bis zum vereinbarten Maximum geht, also ein Schaden auch mit maximal 1500 Euro übernommen wird. In diesem Fall darf dem versicherten Hund dann aber auch nichts mehr passieren, denn er hat sein „Jahresbudget“ in dem Punkt erschöpft. Die anderen Versicherer übernehmen bei einem Schaden Kosten in Höhe von bis zu 750 Euro. Bei allen Anbietern gilt: Je niedriger die Kosten eines Unfalles, umso häufiger darf der Hund Leistungen bis zur vereinbarten Jahreshöchstsumme in Anspruch nehmen.

Eine Ausnahme stellt die Agila OP-Kostenversicherung dar: Sie übernimmt OP-Kosten und deren Nachbehandlung aufgrund Unfall oder Krankheit in unbegrenzter Höhe, schließt jedoch die reine Behandlung von Krankheiten und den Ersatz bei Verlust des Hundes aus.
Wer also eine Jagdhunde-Unfallversicherung abschließen möchte, sollte sich bewusst darüber sein, dass die-se nur für Schäden im jagdlichen Rahmen Hilfe leistet. Unfälle oder Krankheiten außerhalb des Revierganges und anderer jagdlicher Ereignisse bleiben unbeachtet. Gemeint sind damit die sonstigen möglichen Erkrankungen oder gar Giftattacken, die leider auch heute noch manchmal vorkommen. Sowohl die Inter als auch die Gothaer bieten ihre Versicherungen auch nur für diejenigen an, die bei diesen Gesellschaften eine Jagdhaftpflichtversicherung haben. Außenstehende können die Versicherung nicht für sich in Anspruch nehmen. Unserer Meinung nach sind das Geschäftspraktiken, die die Entscheidungsfreiheit des Kunden einschränken.
Wer nicht nur den Verlust seines vierbeinigen Jagdhelfers absichern möchte, ist bis jetzt gezwungen einen zweiten Versicherungsvertrag, nämlich eine Hundekrankenversicherung abzuschließen. Diese deckt zwar den Verlust grundsätzlich nicht ab, übernimmt jedoch auch, wie der Name schon sagt, Krankheiten im Allgemeinen. Dort ist zu allererst darauf zu achten, dass Schäden als Folge von Jagdeinsätzen nicht bedingungsgemäß ausgeschlossen sind, sonst gibt es im Schadenfall ein böses Erwachen. Sowohl die Allianz als auch die AXA Versicherung bieten noch Hundekrankenversicherungen an, schließen Jagdunfälle jedoch grundsätzlich aus. Daher gehen wir nicht näher darauf ein.

Die in unserer Tabelle dargestellten Anbieter haben Behandlungskosten als Folge eines Jagdeinsatzes mitversichert. Die Erstattung der Tierkrankenversicherung orientiert sich meist an der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte). Bei allen Anbietern dargestellten Versicherungen fehlt mit Ausnahme der Helvetia und der Münchener & Magdeburger eine Leistung im Todesfall. Unter den Anbietern der Tierkrankenversicherungen sei die Uelzener mit einem breit abgedeckten Leistungsspektrum in anderen Sparten erwähnt. Sie bietet in ihrem „HundeSicherPlus“-Programm zusätzlichen Schutz in Form von Krankenhaus-Tagegeld, was dem Hundeführer bei Krankenhausaufenthalt seinerseits zu Gute kommt, um die Unterbringung des Hundes finanziell mit abzudecken. Zudem besteht ein kleiner Rechtsschutz. Chronische Erkrankungen des Hundes, sofern nach Abschluss einer Versicherung auftretend, werden mit übernommen. Diese werden ansonsten nämlich ausgeschlossen.
Wer das alles nicht braucht, sondern sich lieber auf das Wesentliche konzentriert, nämlich das konzentrierte Leistungsspektrum einer Versicherung in allen Lebens- und Todesfall-Lagen, dem sei angeraten, sich mit den neuen Versicherungsangeboten der PreVet zu befassen. Die neuen Tarife wurden in Zusammenarbeit mit Jägern und Hundeführern entwickelt, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen in die Entstehung mit einbrachten und so versuchten, alle Gefahren und Vorkommnisse des täglichen Jagdhundedaseins abzudecken.

Nicht nur im Leistungsspektrum, sondern auch preislich unterscheiden sich die Tarife aller Anbieter. Die Tabelle bietet hier jedoch einen guten ersten Überblick. Es sei noch erwähnt, dass jeder, der in Erwägung zieht seinen Hund abzusichern, immer vorab prüfen sollte, ob Leistungen aus verschiedenen Verträgen doppelt versichert würden. In diesem Fall ist dem Versicherer vorher mitzuteilen, dass ein anderer Vertrag bereits besteht, dann ist man rechtlich gesehen auf der sicheren Seite. Wofür man sich auch immer entscheidet, man ist abschließend gut beraten, in erster Linie selbst gut für seinen Vierbeiner zu sorgen, nämlich durch das Gebot der Vernunft und der Vorsicht während des jagdlichen Einsatzes. Denn das dankt einem der eigene Hund am meisten. Auf eine erfolgreiche Jagdsaison 2010 und Waidmannsheil!


Anna Bergamotto und Joachim Farkas (Finanzkontor-Farkas)