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Hochleistung aus den USA

Die H-S Precision Pro Series 2000 SPR des Verfassers in .264 Win. Mag. Foto: Roland Zeitler © Roland Zeitler

Die H-S Precision Pro Series 2000 SPR des Verfassers in .264 Win. Mag. Foto: Roland Zeitler


Die von Ton Houghton im Jahre 1978 gegründete Firma HS-Precision ist in Süd-Dakota (USA) in dem Städtchen Rapid City ansässig. Seit Beginn bietet H-S Precision Jagdrepetierer mit einer Präzisionsgarantie von ½ Winkelminute (MOA) bis einschließlich der .300er Magnumkaliber und darüber 1 MOA mit jeweils drei Schuss an. Für bestimmte Sportmodelle sind es 1/4 MOA mit fünf Schuss. Ein Schussbild mit Ladeangabe zur verwendeten Laborierung liegt jeder Waffe bei. Man ermittelt im Werk eine Handladung für die individuelle Waffe, die hinsichtlich Präzision ausgezeichnet ist. Die aus der Waffe gemessene Geschossgeschwindigkeit wird angegeben. H-S Precision war eine der ersten Firmen in den USA, die eine Präzisonsgarantie gaben.
H-S Precision ist ein sogenannter Semi-Customhersteller: Es werden konkrete Repetierermodelle angeboten, die jedoch in einigen Spezifikationen vom Kunden veränderbar sind. Er kann beispielsweise die Lauflänge zwischen 20 und 26 Zoll bestimmen. Sonderwünsche bei der Dralllänge lassen sich verwirklichen. Ebenso, ob der Lauf kanneliert werden soll. An Abzügen wird der Jewell-Trigger (Widerstand 20 bis 2000 g) wahlweise angeboten. Neben der üblichen Teflonbeschichtung kann die extrem kratz- und salzwasserresistente Beschichtung Cerakote auf Keramikbasis gewählt werden. Sie gibt es in grau, braun oder in grün. Ferner wird auf Wunsch eine Rückstoßbremse oder eine offene Visierung installiert. Man kann alle Kaliber nach SAAMI und CIP wählen. Auch Magazine mit höherer Kapazität sind erhältlich. Verschieden lange Systeme bis hin zur .416 Rigby Klasse werden gefertigt. Auch Linkssysteme stehen zur Wahl. Weil Ton Houghton eine sehr hohe Fertigungsbreite bei seinen Waffen haben wollte, fertigt H-S Precision nicht nur Läufe und Systeme selbst, sondern auch Magazine, Bodenplatten, Abzüge und Schäfte im eigenen Werk. Zugekauft werden lediglich Kleinteile wie Federn oder Riemenbügelösen. Die hohe Fertigungsbreite erlaubt natürlich auch eine sehr gute Qualitätskontrolle. H-S Precision liefert auch Teile an andere Hersteller. So etwa Magazine und Bodenplatten an den Remington Customshop. Eine große Auswahl an Schäften (39 Schaftmodelle) steht für Büchsenmacher und andere Hersteller bereit. Die Schäfte sind für Remington 700, Winchester 70, Savage, Weatherby, Sako, Ruger, CZ und Cooper Repetierersysteme in unterschiedlichen Farben und Formen erhältlich. Es werden neben dem Standard Modell Pro Series Sporter auch Leichtrepetierer, Großwildrepetierer für die Jagd auf wehrhaftes Wild, Take Down-Repetierer sowie Varmintrepetierer auf dem Jagdsektor hergestellt. Daneben hochpräzise Sportwaffen für F-Class- (bis 1000 m) und Benchrest-Schießen. Auch Zylinderverschlusspistolen und Tactical-Repetierer bis hin zur .338 Lapua Magnum gehören zum Portfolio. Ein weiteres Standbein ist das Liefern eines kompletten Equipments für Patronentests. Von Systemen bis hin zu Beschussläufen. Namhafte Hersteller wie Federal, Hodgon, IMR, Remington oder Winchester gehören zum Kundenkreis. H-S Precision ist der einzige zertifizierte Hersteller und Lieferant von Testläufen der NATO.

Seit kurzem wird die aus dem Jahre 1958 stammende Gürtelpatrone wieder vermehrt von US-Waffenherstellern in ihren Waffen angeboten. Patronen fertigen derzeit Winchester, Remington und Nosler. Die Patrone gehört zu der sehr erfolgreichen Magnumpatronenserie von Winchester. Die in den 1950er und 1960er Jahren entwickelten Magnums mit Gürtelhülse umfassen solch erfolgreiche Patronen wie .300 Win.Mag. (1963), .338 Win. Mag. (1958) und .458 Win. Mag. (1956). Zum Zeitpunkt ihres Entstehens waren es im Verhältnis zu den langen englischen Magnumpatronen wie .300 H&H Mag. oder .375 H&H Mag. kurze Patronen. Ziel war es, sie in Standardsystemen (.30-06-Klasse) wie Mauser 98 oder Winchester 70 unterbringen zu können. Die .264 Win. Mag. hat eine 63,50 mm lange Gürtelhülse. Die Maximallänge wurde auf 84,84 mm festgelegt, der maximale Gasdruck auf 4300 bar. Wie bei der .300, .338 und .458 Win. Mag. auch, misst der Patronenboden 13,51 mm im Durchmesser. Bei der Patrone wird der Verschlussabstand über den Gürtel gebildet. Allgemein ist das nicht ganz so präzise wie die Schulteranlage bei Patronen ohne Gürtel. Die .264 Win. Mag. wird wie die bekannten europäischen 6,5-mm-Kaliber mit Geschossen von 6,71 mm (0,264“) Durchmesser versorgt. Sie ist eine sehr rasante Patrone. Mit leichten Geschossen von 5,5 bis 6,0 g kann die Geschossgeschwindigkeit 1000 m/s übersteigen. Dank der sehr gestreckten Flugbahn und hoher Schusspräzision eignet sich die .264 Win. Mag. für Schüsse jenseits der 300-m-Marke. Es ist eine ausgezeichnete Gebirgspatrone für Gams-, Stein- und Rotwild sowie leichtere Wildschafte wie Mufflon oder Dallschaf. Sicherlich ist sie auf Gams und mittelschweres Gebirgswild ideal. Bei Rotwild erreicht sie ihre Leistungsgrenze.

Für Gams empfehle ich 7,8 (120 grs) und 8,4 g (130 grs) schwere Geschosse wie Nosler B.T. oder Accubond sowie bleifreie Barnes TTSX. Auch die 7,0 und 8,2 g KS sind dafür geeignet. Für schwereres Wild werden 9,1 g (140 grs) schwere Geschosse wie das Nosler Partition empfohlen. Dieses bewährte sich auch auf Rehwild bei sehr tolerabler Wildbretentwertung. Meine Lieblingslaborierung für die Gamsjagd verwendet das 7,8 g/120 grs Nosler B.T. Geschoss. Sie erbringt eine V5 von 996 m/s (3857 Joule).Bei 4 cm Hochschuss auf 100 m schießt sie auf 216 m Fleck. Der Tiefschuss auf 300 m (2791 Joule) beträgt 13 cm. Die .264 Win. Mag. ist vergleichbar mit der 6,5x68 oder 6,5x65 RWS. Weitere Konkurrenten sind .25-06 Rem., .257 Wby. Mag. und 6,5-284 Norma.
Roland Zeitler