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Hochgewachsene Rosenstöcke beim Jährling – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 18.04.2022 - 10:00
Dachrosen_Rehbock © Dietrich Bogdoll
Die über zwei Zentimeter hohen Dachrosen sind deutlich erkennbar.

Die Rosen werden mit Beginn des Kolbenwachstums wie auch die Kolbenstange sofort in ihrer endgültigen Stärke angelegt. Die Rosenformen beim Rehgehörn sind sehr variabel und genetisch bedingt (Herbst, 2001). Für die unterschiedlichen Rosenformen gibt es zum Teil auch bildliche Ausdrücke wie Schnur-, Teller-, Kranzrose oder Muschel- und Dachrose. Die beiden abgebildeten Jährlingsböcke haben die Kitzspieße abgeworfen und daher im Jährlingsgeweih deutliche Rosen (Teller- oder Kranzrosen) gebildet.

Veranlagung & gute Bedingungen machen den Unterschied

Beim rechten Jährling ist davon auszugehen, dass diese wuchtigen Rosen genetisch bedingt sind und dass es dem Bock in der Bastzeit auch sehr gut ging. Eine entsprechende Äsungs-/ Futtergrundlage, Ruhe, kein innerartlicher Stress sowie ausreichend UV-Licht sind Voraussetzung für solche Gehörne. Es handelt sich jedoch bei derartiger Gehörnentwicklung um keine Abnormität.

Stress schlägt sich auf Gehörne nieder

Wohl keine andere Wildart bringt so viele Spielarten der Trophäe hervor wie der Rehbock. Bubenik meinte einmal, dass „für den Trophäenjäger das geweihtragende Wild als Lebewesen geradezu hinter der Trophäe verschwindet“. Jahrzehntelange Bestrebungen der „Aufartung“ und der „Hegeabschüsse“ gingen, Hubertus sei Dank, recht spurlos am Rehwild vorbei. Nicht zuletzt deshalb, weil zum einen die Erkenntnisse über die Vererblichkeit der Merkmale des Rehgehörns nach wie vor sehr lückenhaft sind. Zum anderen existiert beim Rehwild darüber hinaus keine feste Relation zwischen Gehörn und Körpergewicht (wie etwa beim Rothirsch). Zudem ist Rehwild eine sehr stressanfällige Wildart.

Aber: Das Gehörn allein bestimmt nicht die Qualität des Rehbocks

Bei den primitiveren, kleineren Hirscharten, zu denen das Reh zählt, hat das Geweih/ Gehörn als optisches Signal nur nachrangige Bedeutung. Denn Wahrnehmungen finden vor allem olfaktorisch (geruchlich) statt. Diese primitiveren Geweihformen sind für das Durchflüchten in dichter Vegetation gut geeignet und zeigen auch eine große Variabilität im Aufbau. Bei den entwicklungsgeschichtlich fortgeschritteneren Hirscharten hingegen sind die Geweihe in der unteren Zone sehr stabilisiert, und nur die obere Stangenregion neigt zur Variabilität.

Zusätzlich ist bei dem Rehwild eine Reihe von Abnormitäten möglich, wobei Missbildungen meist angeboren sind und Regelwidrigkeiten durch Verletzungen, Stoffwechselkrankheiten und hormonelle Störungen entstehen.