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Der Hirsch soll wieder melden

Rufender Hirsch: In den ­grünen Hallen des ­Hirschwalds hofft man ­derzeit vergebens auf ­erschallende Klänge brunftiger Hirsche.<br>(Foto: E. Marek)


Der Hirschwald, gelegen in der mittleren Oberpfalz, ist ein Terrain, das schon seit Urzeiten vom Menschen besiedelt und bejagt wird. Das be­legen Funde, die aus der ­Altsteinzeit stammen, wie Reste vom Wildpferd, Edelhirsch, Fuchs, Hase und Feuerstellen. Gleichfalls wurde der Hirschwald schon als kurfürstliches Jagdgebiet von Friedrich II. (1544 - 56) bejagt. Auch heute wird dem Rotwild dort immer noch nachgestellt. Der Hirschwald gilt daher nicht umsonst als eines der traditionsreichsten Jagdgebiete in Deutschland.

Künftige ­Herausforderung


Im engeren Sinne umfasst der Hirschwald zirka 7000 Hektar Forst: Rund 4500 Hektar sind Staatsforst, der Rest Privatwaldflächen. Noch in den 1970er Jahren hatte der Hirschwald einen sehr reichen Rotwildbestand – mit der Folge erheblicher Schälschäden an der Fichte. Daher wurden die Bestände des Rotwildes stark reduziert. Heute schätzt man den Bestand auf ungefähr 50 Stück, so Thomas Verron vom Bayerischen Staats­forsten AöR Forstbetrieb Burglengenfeld.
Neben der traditionellen Bejagung des Hirschwaldes und seiner forstlichen Nutzung besteht seit dem 21. Dezember 2006 der Naturpark Hirschwald. Als Kleinod in der Oberpfälzer Landschaft, mit seinen rund 27 000 Hek­tar und als ehemals kurfürstliches Jagdgebiet, wurde er auf Wunsch der dortigen Kommunen mit Unterstützung der Regierung Ober­pfalz und dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz gegründet. Acht Gemeinden und der Landkreis Amberg-Sulzbach bilden mit ihren Teilflächen den Naturpark. Trägerverein ist der Naturparkverein Hirschwald e.V. mit seinem Vorsitzenden Stefan Braun, Bürgermeister von Markt Kastl. Der Hirschwald ist der 17. Naturpark in Bayern und der jüngste von insgesamt 96 deutschlandweit.
Das Ziel eines Naturparks ist – gemäß Bundesnaturschutzgesetz – insbesondere ein nachhaltiger Tourismus und eine nachhaltige Landnutzung. Auf den ersten Blick scheint es ein gewisses Konfliktpotenzial zu geben: Forst, Rotwildjagd und Tourismus? Lässt sich das überhaupt lösen? Der Forst zielt in erster Linie auf einen an die Biokapazität seines Waldes angepassten Wildbestand mit der Vorgabe 'Wald vor Wild'. Tourismus sorgt automatisch für mehr Verkehr, mehr Beunruhigung. Trotzdem sollen zugleich Touristen in Zukunft die Möglichkeit haben, Rotwild in freier Wildbahn zu beobachten. Der Naturpark wirbt mit dem König der Wälder, und er soll auch weiterhin die Landschaft der Region bereichern. Doch um vernünftig Rotwild zu bejagen, benötigt das Jagdgebiet Ruhe. Es liegt also in der Natur der Sache, dass die verschiedenen Inte­ressen miteinander kollidieren könnten. Doch genauso bietet sich die Möglichkeit, mit einem musterhaften ­Beispiel die Herausforderungen zu lösen.

Der Beitrag der Jägerschaft


Manfred Lubrich ist Revierpächter im Hirschwald, zugleich ist er Beauftragter des Landesjagdverbands Bayern (BJV) im Regierungsbezirk Oberpfalz für den Naturpark Hirschwald. Die Jagd auf das Rotwild im Hirschwald mit ihrer tiefen kulturellen Verwurzlung zu erhalten, ist sein Begehren. Unterstützung findet er bei Dr. Günther Baumer, Vorsitzender des BJV im Regierungsbezirk Oberpfalz und Vizepräsident des BJV. Im engeren Sinne geht es beiden um die Bestandserhaltung sowie Verbesserung des Lebensraums und der Bestandsstrukturen des Rotwilds. 'Der Hirsch soll in der Brunft wieder melden', lautet die hoffnungsvolle Devise. Allemal geht es Manfred Lubrich und Dr. Günther Baumer um die positive Zusammenarbeit mit den Kommunen des Naturparks, dem Forst und auch der Jägerschaft vor Ort. Die Parteien reden miteinander. Denn 'ein Hirschwald ohne Hirsch ist kein Hirschwald', so der 1. Vorsitzende des Naturpark-Trägervereins, Stefan Braun. Manfred Lubrich stellte der PIRSCH seine Ideen vor, indem er Einblick in sein Revier (720 ha), das im Herzen des Hirschwaldes liegt, gewährte. Er bewirtschaftet es seit 18 Jahren. Seine Ideen, die er als Anregungen begreift, sollen neue Ansätze für die Entspannung und Verbesserung der Situation bieten, damit das Rotwild in bejagbaren Beständen erhalten bleibt. Was der Jäger vor Ort tun kann, zeigen Manfred Lubrichs Aktivitäten im Revier. Zu Beginn seiner Pachtzeit legte er einen kleinen Bio­topverbund von 13 Weihern an. Auch hat er damals 60 Obstbäume, die alle bei Wildwiesen oder Wildäckern stehen, gepflanzt. Denn ein gut strukturiertes Revier sorgt schon mal für das Nötigste. An den Jagdeinrichtungen hängen sogar Nistkästen für Fledermäuse, und die meisten Reviereinrichtungen sind sehr dezent in die Landschaft eingepasst.
Um das Rotwild aber wieder besser in seinem Bestand zu hegen, empfiehlt er:
  • Generell einen körperlichen Nachweis für die Abschüsse.
  • Keine Nachtjagd auf das Rotwild.
  • Ein Wegegebot vom 1. November bis zum 31. März und ein generelles Gebot, Hunde an der Leine zu führen.
  • Speziell für das Rotwild eingerichtete Ruhezonen.
  • Ein strukturiertes Geschlechterverhältnis von 1:1.
  • Keine Hochsitze in den Einständen.
  • Gemähte Freiflächen, um frische Äsung anzubieten.
Manfred Lubrich ist sich bewusst, dass letztlich nur der Forst im Rahmen seiner Aufgaben die Grundlage für die Erhaltung eines gesunden Rotwildbestands schaffen kann. Die Gemeinden wiederum sorgen mit einer gezielten Kanalisierung der Besucherströme für die nötige Ruhe des Wildes. Die Jägerschaft muss sich in diesem Sinne ebenfalls um ihre Aufgaben kümmern: Den Wildbestand diszipliniert regulieren und zusätzliche Äsungsangebote einbringen. Ein harmonisches Zusammenspiel ist hier gefragt, damit langfristig und nachhaltig ein gesundes Ökosystem für 'Wald und Wild', für die Bevölkerung wie für den nachhaltigen Tourismus gewährleistet werden kann. Ein Rotwild-Symposion ist das nächste Ziel, an dem ­alle Interessengruppen teilnehmen, um weitere Integra­tionsarbeit in diese Richtung zu leisten.

Die Wiederansiedlung des Auerwildes

Die schwarze dicke Linie zeigt auf der Karte den Naturpark Hirschwald in seinem gesamten Gebiet.<br>(Foto: Staatsanzeiger)


Darüber hinaus besteht seitens Mannfred Lubrichs und der BJV-Bezirksgruppe noch ein besonderes Vorhaben, für das man speziell die Gemeinden und den Forst gewinnen möchte. Das ehemals heimi­sche Auerwild soll versuchsweise angesiedelt werden. Als Zukunftsmusik erklingt die Melodie 'Auerwild ist Standwild!' Das wäre eine Attraktion für den Naturpark. Es wäre eine Sensation für den Artenschutz.
Um das umzusetzen, ist zunächst eine Auerwildvoliere geplant. Diese soll, kombiniert mit einem zusätzlichen Rotwildgatter und einer dazugehörigen Schaukanzel, beim bereits vorhandenen Schwarzwildgatter eingerichtet werden (in unmittelbarer Nähe liegt die Wirtschaft 'Waldhaus'). In der Voliere möchte man jährlich ein bis zwei Bruten heranzüchten, und diese dann in den dortigen Wäldern auswildern.
Mit Voliere und Schaugatter soll für die Besucher des ­Naturparks ein neuer Publikumsmagnet geschaffen werden. Andererseits können dadurch auch die Besucherströme zum Vorteil des Wildes kanalisiert werden. Gewiss kein leichtes Projekt, doch passt es gut zum ­Na­turpark, der so seinen ­Artenreichtum sogar wieder ausbauen könnte. Manfred Lubrich ist überzeugt, dass das richtige Engagement und diplomatische Kooperation für alle Parteien positive Auswirkungen haben werden. Die PIRSCH wird die Entwicklung des Hirschwalds weiterhin mit Spannung verfolgen. Man kann den beteiligten Parteien nur viel Erfolg wünschen, damit der Hirsch im Sinne eines gesunden lebenden Rotwildbestands im Hirschwald langfristig erhalten bleibt und wenn möglich sogar der Urhahn in das alte Jagdgebiet erneut Einzug hält.
Max Peter Graf v. Montgelas