Home Praxis Heym SR 30 "Precision": Der Repetierer im Test

Heym SR 30 "Precision": Der Repetierer im Test

Heym-SR-30-Wassertropfen © EM
Gewöhnungsbedürftig: Der Kammerstängel steht fast im 90-Grad-Winkel vom Schaft ab.
Heym-SR30-Totale © FS

Wer die Heym SR 30 Precision das erste Mal in den Händen hält, ist von ihrer schlanken Figur und der wertigen Haptik beeindruckt – sie fühlt sich einfach gut an. Die Verarbeitung ist hochwertig. Alles scheint am richtigen Platz zu sein. Nichts klappert, nichts wackelt. Auch der Schaft der Büchse punktet. Er ist schlank designt und lässt sich angenehm in Anschlag bringen, eignet sich aber eher für größere Personen. Es handelt sich um eine klassische Schäftung mit Nussbaumholz und Rosenholzabschluss. Auf eine Backe verzichteten die Konstrukteure bewusst. Der gerade Schaftrücken passt in dieses geradlinige Konzept. Die handgeschnittene Fischhaut ist griffig und sauber gearbeitet. Der Hinterschaft schließt mit schwarzer Gummischaftkappe ab. Die Waffe ist zwar lang, aber dennoch führig.

Eine offene Visierung ist nicht verbaut, aber auch nicht unbedingt erforderlich. Das System des SR 30-Geradezug-Repetierers unterscheidet sich deutlich von anderen linearen Konstruktionen. Verriegelt wird mit sechs Kugeln im vorderen Bereich des Schlosses. Es gibt keine klassische Sicherung bzw. keinen typischen Spannschieber auf dem Kolbenhals. Heym hat das komplette Sicherungs- und Spannsystem direkt im Schloss untergebracht.

Das Spannen ist etwas umständlich

Heym-SR-30-gespannt © FS

Der Kammerstängel ist ganz nach vorne gedrückt und kein Signalstift zu sehen – die Waffe ist gespannt.

Um die Waffe zu spannen, muss der Schütze den Kammerstängel nach vorne drücken. Zum Entspannen zieht er ihn wieder nach hinten. Die Kammer lässt sich mittels zweier Stifte sperren und entsperren. Das Ganze ist zunächst gewöhnungsbedürftig, geht mit ein wenig Übung aber in Fleisch und Blut über. Ein minimaler Nachteil gegenüber der Konkurrenz lässt sich trotzdem nicht wegdiskutieren: das Spannen vor dem ersten Schuss. Im Voranschlag lässt sich dies noch bewerkstelligen, ohne die Hand vom Pistolengriff zu lösen. Im Anschlag muss der Schütze den Schaft loslassen, um den Kammerstängel nach vorne zu bewegen. Bei einem Spannschieber auf dem Kolbenhals ist dies nicht nötig. Der Repetiervorgang an sich läuft butterweich – nichts hakelt. Ungewohnt ist, dass der Kammerstängel fast im 90-Grad-Winkel vom Schaft absteht.

Magazin-Heym-SR30 © FS

Das Stahlblechmagazin wird über einen geriffelten Drücker entriegelt. Es fasst drei Patronen.

Diverses Zubehör erhältlich

In Sachen Zubehör bieten sich dem Interessierten diverse Möglichkeiten. Allerdings steigt dann auch merklich der Preis. Unser Wunschkaliber in 8,5 x 63 schlug mit 100 Euro zu Buche, das Mündungsgewinde samt glatter Buchse mit 159 Euro, sodass der Endpreis der Testwaffe bei 2.596 Euro lag. Als Option zum klassischen Schaft bietet Heym übrigens auch zwei Modelle des GRS-Schaftes in zahlreichen Farben an. Die Picatinny-Schiene, die einfache und günstige Montagen ermöglicht, sowie eine spezielle Systembettung gehören bei der Precision ohnehin zum Lieferumfang.

Verschluss-SR30 © FS

Der Geradezug-Repetierer Heym SR 30 verriegelt mit sechs Stahlkugeln.

Auf dem Schießstand in ihrem Element

Auf dem Schießstand ist die Precision in ihrem Element. Allerdings macht sich das Kaliber beim Drücken bemerkbar. Die 8,5 hat im Gegensatz zu Standard-Laborierungen schon ein wenig mehr „Dampf“, wie man umgangssprachlich so schön zu sagen pflegt. Dafür liegt die Energie auf 100 m aber auch bei etwa 3800 Joule, was eine .308 Win. gerade mal an der Mündung erreicht! Heym schießt die Waffen mit dem bleifreien SAX-Kupferjagdgeschoss ein, das als sehr präzise gilt. Diese Erfahrung haben auch wir machen dürfen, denn die SAX lieferte mit 16 mm (5 Schuss/ 100 m) das beste Ergebnis. Allerdings haben wir mit einer handgeladenen Nosler Accubond, dem Jaguar Classic und einer Laborierung vom Labor für Ballistik die vom Hersteller versprochenen 20 mm nicht halten können. Wer also minimale Streukreise schießen möchte, muss, wie bei anderen Waffen auch, ein wenig ausprobieren, um geeignete Patronen zu finden. Im Grenzbereich wird die Luft eben dünn.

Große Geschossauswahl auf dem US-Markt

Fabrikmunition von großen Herstellern gibt es bisher leider nicht. Positiv ist aber, dass vor allem der US-Markt eine breite Geschossauswahl bereithält, denn die Amerikaner lieben das Kaliber 8,5 mm, was in den USA .338 Zoll entspricht (z.B. .338 Win. Mag.). Die Hülsen der 8,5 x 63 sind im ausgesuchten Fachhandel zu bekommen. Wer sich erst einmal einen gewissen Vorrat davon beschafft hat, muss sich die kommenden Jahre keine Gedanken mehr machen.

Technische Daten Heym SR 30 © FS

Technische Daten Heym SR 30

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Heym SR 30 Precision kostet in der Basisausführung 2.337 Euro, die Standardversion mit der Bezeichnung Allround liegt sogar nur bei 1.842 Euro. Für eine hochwertige Geradezug-Repetierbüchse ist das ein echter Kampfpreis. Und dass Heym qualitativ einwandfreie Waffen bauen kann, beweist die Waffenschmiede schon seit Jahrzehnten! Vor allem die Doppelbüchsen sind, nicht zuletzt bei Großwildjägern in Afrika, sehr gefragt und beinahe Kult. Preislich liegen Sie weit unter vergleichbaren englischen Modellen.

Heym-SR-30-Wassertropfen © EM

Gewöhnungsbedürftig: Der Kammerstängel steht fast im 90-Grad-Winkel vom Schaft ab.

Fazit zur Heym SR 30 Precision

Heym hat mit der SR 30 Precision eine Waffe im Sortiment, die mit der passenden Munition sehr präzise schießt. Der Geradezug-Repetierer ist top verarbeitet, optisch ansprechend gestaltet und besitzt eine Handspannung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut. Praktisch ist die im Lieferumfang enthaltene Picatinny-Schiene, auf der kostengünstige und einfach zu montierende Montagen Halt finden. Jagdlich gesehen ist in engen Kanzeln Vorsicht geboten, denn ruckzuck eckt man mit der 113 cm langen Büchse an. Auch beim Laden ist Konzentration gefragt. Die Patronen muss der Schütze exakt ins Magazin stecken, ansonsten kann es zu Klemmern kommen. Der Spannvorgang läuft etwas umständlich, denn im Anschlag muss die Hand vom Pistolengriff gelöst werden. Außerdem ist ein leises Klicken zu hören. Insgesamt ist Heyms komplette Produktpalette ein Geheimtipp, wobei diese Bezeichnung aufgrund der gut 150-jährigen Firmengeschichte nicht so recht passen will.


Florian Standke Redakteur bei unsere Jagd seit 2012, Diplom Sportwissenschaftler, Jagdschein seit dem Jahr 2000, Angelscheininhaber, Führer eines Kleinen Münsterländers („Jasko“), Pächter eines Hochwildreviers.
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