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Hegewald: So lief die Deutsch-Drahthaar-Prüfung vor 100 Jahren ab

Redaktion der Jagdgebrauchshund
am
Mittwoch, 30.09.2020 - 11:50
Drahthaar-Feld © MichaelaKatharina - stock.adobe.com
Die Hegewald ist nicht nur Deutsch-Drahthaar-Führern ein Begriff.

Die nicht vorhersehbare Auswirkung der Corona-Pandemie auf die traditionelle Hegewald-Zuchtprüfung des Vereins Deutsch-Drahthaar e.V. fallen in das Jahr, in welchem mit diesem Beitrag an die Gründung des Hegewaldbundes und die erstmalige Durchführung dieser bis heute bedeutsamen Anlagen- und Leistungsprüfung des VDD vor 100 Jahren erinnert werden soll. 

Gedenkstein-Hegewald © Archiv JGHV

Bei der Enthüllung des Hegewaldgedenksteines im Jahr 1991. Im Bild links Theodor Schnepper (ehem. 1. Vors. des VDD) und rechts Peter Bihn (ehem. 1. Vors. der VDD-Gruppe Niederlausitz).

Der Verein Deutsch-Drahthaar hatte am 06.09.1914 einen Hegewaldtag in Bülzig bei Zahna, Sachsen-Anhalt geplant. In einer feierlichen Zeremonie sollte zum Gedenken an Sigismund Freiherrn von Zedlitz und Neukirch, genannt „Hegewald“, dem Vater des heutigen Jagdgebrauchshundewesens, ein Hegewald-Gedenkstein enthüllt werden. An den beiden darauf folgenden Tagen war eine große Siegerprüfung ausgeschrieben. Frühzeitig konnten die Planungen zur Enthüllungs-Zeremonie abgeschlossen werden, die Preisrichter waren bereits benannt und die Nennungen der Hundeführer lagen vor. Aber am 28.Juli 1914 begann der 1. Weltkrieg und war Anlass, das Vorhaben aufgeben zu müssen. In den darauffolgenden Kriegsjahren kam das allgemeine Jagdgebrauchshundewesen in Deutschland weitgehend zum Erliegen.

Erste Aktivitäten nach Ende des 1. Weltkrieges

Nach Kriegsende begann sich die bis dahin ruhende Jagd und das Prüfungswesen der deutschen Jagdhundezuchtvereine langsam wieder zu beleben.  „Hegewald“ hatte bereits in seinen späten Lebensjahren angeregt, eine Eignungsprüfung im Herbst durchführen zu lassen. Für den Stammklub Kurzhaar nahm Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels die Anregung Hegewalds auf, die dann schließlich von Dr. P. Kleemann 1906 als erste Herbst-Eignungsprüfung im Stammklub Kurzhaar eingeführt wurde. Zum Dank an die Verdienste von Prinz Solms für den Stammklub Kurzhaar wurde sie Solms-Prüfung benannt.

Eine Liste der Hegewaldsieger von 1920 bis 2019

Die positiven Erfahrungen des Kurzhaarverbands mit der Herbst-Eignungsprüfung, veranlassten Prinz Solms im Jahr 1919 unter dem Wahlspruch „Durch Leistung zum Typ“ eine Zuchtprüfung für rauhaarige Jährlinge im Herbst unter dem Namen „Hegewald“ anzuregen. In der „Deutsche Jäger-Zeitung“ (Band 74, Nr.9) veröffentlichte er seine Anregung. Die Anregung wurde vom Zuchtverein Deutsch-Drahthaar im Sinne seiner Zuchtziele aufgegriffen, denn die im Jahr 1911 eingeführte und im Frühjahr abzuhaltende damalige „Deutsche Jugendsuche“, – Vorgänger unserer heutigen VJP –, ließ Anlagen und Eignung eines Junghundes für seinen späteren Jagdgebrauch, neben seines möglichen Zuchtwerts, nur bedingt erkennen. 

Gruppenfoto der Fachrichtergruppe Wasser auf der 1. Hegewald-Zuchtprüfung.

Bei den Jährlingen wurden Nase, Suche, Vorstehen, Verhalten beim Schuss und Gehorsam, Hasenspur, Spursicherheit beim Zurückfinden zum Führer, Schneid an Raubzeug und Neigung für das Wasser nach der Prüfungsordnung der damaligen Frühjahrsprüfung geprüft. Die zum vielseitigen Gebrauch, für die Arbeit „vor“ und „nach“ dem Schuss, erforderlichen Fächer, wie Bringen von Wild und die Wasserarbeit, wurden nicht geprüft und ließen auch nichts über den Abrichtungszustand eines Junghundes vor Beginn der Jagdzeit erkennen. Zuchtziel war aber, den rauhaarigen, vielseitigen Vorstehhund als Hund der Folge, als sicheren Verlorenbringer und für Nachsuchen, zu züchten. 

Das „Hegewald-Zuchtbuch“ als gemeinsames Ziel

Die Anregung eine Herbst-Eignungsprüfung für die rauhaarigen Vorstehhundrassen zu entwickeln und einzuführen wurde von Dr. C. Hilbrig, Berlin, aufgegriffen. Er übernahm die Aufgabe, die drei übrigen Rauhaarzuchtvereine Pudel-Pointer, Deutsch-Stichelhaar und Griffon für den Gedanken einer gemeinsamen Herbst-Eignungsprüfung zu überzeugen. Bei seinem Vorhaben die Herbst-Eignungsprüfung in Wort und Tat umzusetzen, wurde er von den Herren K. Andreas, Zehlendorf, P. Dorff, Berlin und M. v. Wedel, Weimar, tatkräftig unterstützt. 

Im Frühjahr 1920 hatten sich die beiden zunächst in Betracht kommenden Zuchtvereine, „Deutsch-Drahthaar“ und „Pudelpointer“ über die Ziele und Art der geplanten gemeinsamen Prüfung der rauhhaarigen Rassen verständigt. Die Gründer der Hegewald-Zuchtprüfung waren von dem Gedanken getragen, mit dieser gemeinsamen Prüfung den bestehenden Zwist beseitigen zu können. Jeder Zuchtverein verfolgte stringent seine „Rasse-Reinheits-Zucht“, die eine Kreuzung mit den anderen deutschen Rauhaarrassen nicht zuließ. Es bestand also der sehnlichste Wunsch etwas Ganzes, ein gemeinsames Hegewald-Zuchtbuch mit vier Unterabteilungen für die vier Rauhaarzuchtvereine mit dieser Prüfung schaffen zu wollen. Die Hegewald-Zuchtprüfung sollte für das Rauhaarlager eine Ergänzung zur damaligen Jugendprüfung darstellen. Dabei galt es der Überzeugung zu folgen, dass ohne ein gemeinsames Zuchtbuch eine gemeinsame Zucht nicht möglich wäre. 

Sinn und Zweck der Herbstprüfung

Die Zuchtvereine Deutsch Stichelhaar und Kortshals Griffon unterstützten das Vorhaben allerdings nur halbherzig und unter großem Vorbehalt. Gleichzeitig sollte nach Anerkennung der Herbst-Zucht-Prüfungsordnung die Aufnahme der Ergebnisse der Hegewald-Zuchtprüfung in das DGStB des Dachverbandes angestrebt werden.  

Am 18.Juli 1920 konnten dann endlich die ersten Entwürfe der Hegewald-Zuchtprüfung veröffentlicht werden. Der bis heute noch gültige Sinn und Zweck der Herbstzuchtprüfung wurde festgeschrieben. Die Preisrichter waren gefordert, während der Prüfung die natürlichen Anlagen eines Junghundes im Hinblick auf seine Eignung und zukünftige Verwendung im vielseitigen Jagdgebrauch und als Zuchthund, sowie den Erbwert seiner Eltern festzustellen. Geprüft werden mussten Wasserarbeit, Bringfreude, Kaninchenschleppe, Arbeitsfreude, Führigkeit, Gehorsam, Frühreife, Dressurfähigkeit, Leichtführigkeit, Gehorsam, Nerven und Schärfe. Die darauffolgende Ausschreibung löste nützliche Hinweise aus, die verwertet werden konnten und in die Durchführungsbestimmungen der Prüfung einflossen. 

Über Erwarten groß wurde das Vorhaben durch die damalige Fachpresse und die Jägerschaft unterstützt. Mit dieser kraftvollen Unterstützung war die erstmalige Durchführung der für die Rauhaarzüchtungen als notwendig erkannten Hegewald-Zuchtprüfung gesichert. Als Hauptorganisator übernahm Peter Dorff aus Berlin mit anderen dem Rauhaarlager nahestehenden Mitstreitern die Vorbereitungen für die Prüfungsdurchführung. 

Hegewald heute: Die glücklichen Gewinner der Hegewald-Zuchtprüfung im Jahr 2019.

Finanzieller Kraftakt

Maßgeblich wurde er von den beiden Schriftführern C. Theobald und G. Richert, Stettin, unterstützt. Ihr unermüdlicher Einsatz und ihre erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit bildeten das Fundament für den Erfolg der ersten Hegewald-Zuchtprüfung. In der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit war es nur privilegierten Bürgern möglich, wie z. B. Adligen, Militärs, Förstern, höheren Beamten und Industriellen, Jagdhunde zu züchten, auszubilden, zu prüfen und jagdlich zu führen. Allein die eingeschränkten umständlichen Reiseverhältnisse, um zu den Prüfungsorten zu gelangen, waren zeit- und kostenaufwendig. Um die geplante erste Hegewald-Zuchtprüfung überhaupt durchführen zu können, bedurfte es der Einwerbung finanzieller Mittel. Ein Unterfangen, welches kurz nach dem 1. Weltkrieg nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen war. Umso erfreulicher war es, dass neben kostbaren Preisen, rund 3.000 Mark, von den gutsituierten Mitgliedern eingeworben werden konnten, welche von der Zucht leistungsstarker, rauhaariger Jagdgebrauchshunde überzeugt waren. Der Siegerpreis wurde von einem Freund Hegewalds, dem erfolgreichen Kurzhaarzüchter August F. Dennler, Interlaken, gestiftet. Für eine erfolgreiche Durchführung der ersten Hegewald-Zuchtprüfung waren die Zusagen anspruchsvoller prüfungserfahrender Preisrichter Voraussetzung, welche von den Zuchtvereinen vorgeschlagen werden mussten. Neben den Richtern aus Reihen der eigenen Vereine, war den Veranstaltern daran gelegen, auch qualifizierte Richter mit Erfahrungen auf Herbst-Eignungsprüfungen des Kurzhaarlagers einsetzen zu können. 

Erfahrene Richter

Die profunden Erfahrungen der benannten Preisrichter für das Richten auf der ersten Hegewald-Zuchtprüfung für rauhaarige, vielseitige Jagdgebrauchshunde bei der Arbeit „vor“ und „nach“ dem Schuss waren unabdingbar. Handelte sich doch bei der ersten Hegewald-Zuchtprüfung nicht um eine erprobte Prüfungsordnung mit ausgearbeiteten Ausführungsbestimmungen, sondern um eine gänzlich neu entwickelte Prüfung mit Anlagen- und Leistungsmerkmalen, deren Schwerpunkte in der Arbeit „nach“ dem Schuss lagen. 

Erstmalig wurde den Preisrichtern ein Ermessensspielraum bei der Durchprüfung eines Hundes eingeräumt. Es sollte nach freiem Ermessen bei sinngemäßer Anwendung der Prüfungsordnung und deren Ordnungsvorschriften gerichtet werden. Eine gänzliche neue Prüfungsform, die von den Preisrichtern äußerst ernst genommen werden musste und große Erfahrung beim Richten verlangte. Die Verfasser der Prüfungsordnung waren der Überzeugung, mildes Richten auf einer Zuchtprüfung wäre gegenüber Führern und Züchtern nicht mehr als Selbstbetrug. Darum war die Richterfrage für den Veranstalter am allerwichtigsten. Unter der Prüfungsleitung von Peter Dorff, Berlin, sollte die Prüfung an zwei Tagen stattfinden und wurde auf den 1. und 2. Oktober 1920 festgesetzt, um zu Beginn der Jagdzeit auf Hasen, bei rein jagdmäßigem Ablauf der Prüfung, neben dem Verlorenbringen von Huhn oder Fasan, auch das Verlorenbringen von Hasen prüfen zu können. Lübbenau im Spreewald wurde als Prüfungsort festgelegt. Für die Prüfung waren zwingend wildreiche Niederwildreviere erforderlich, welche von den Herren Victor von Langenn-Kittlitz und Graf Lynar, zur Verfügung gestellt wurden. Zur ersten Hegewald-Zuchtprüfung waren 33 Hunde gemeldet, erschienen und geprüft wurden 16 Hunde, davon 11 Deutsch-Drahthaar, 4 Pudel-Pointer und 1 Deutsch-Stichelhaar.

Urteilstafel aller Ergebnisse der 1. Hegewald-Zuchtprüfung 1920.

In drei Fachgruppen mit jeweils 3 Preisrichtern wurde gerichtet. Die Gruppen teilten sich auf in Feldarbeit, Spurarbeit und Wasserarbeit. Die Schärfeprüfungen wurden von allen Preisrichtern gemeinsam abgenommen. Die Bewertung des Haar- und Formwerts übernahmen zwei erfahrene Züchter und Richter. Der reiche Besatz an Hühnern, Hasen und Fasanen, die bejagt werden durften und das an beiden Tagen günstige Wetter ermöglichten eine gründliche Durchprüfung der Hunde. Bis auf die Resultate der Schärfeprüfungen waren die Preisrichter von den Ergebnissen der gezeigten Anlagen und Leistungen der Junghunde mehr als überzeugt.

Der Hegewaldbund wird ausgerufen

Die anschließende Preisverkündung erfolgte in einem festlich geschmückten Saal im Nachbarort Zerkwitz bei Lübbenau. Der Prüfungsleiter bedankte sich bei den Führern, den Preisrichtern und Reviereigentümern. Als Prüfungssieger nach Leistungspunkten wurde der DD „Pan vom Galgenberg“ unter seinem Führer, Bragulla aus Pinnow, Neumark, gekürt. Zur Erinnerung an die ersten Hegewaldtage erhielten Revierinhaber und Teilnehmer eine Urkunde mit einer Abbildung von Altmeister „Hegewald“. Während dieses eindrucksvollen Festaktes der ersten beiden Hegewaldtage rief Kommerzienrat Ernst-Josef Faber, Nürnberg, unter großem Beifall aller Teilnehmer die Gründung des Hegewaldbundes aus. Der großartige Erfolg, das Gefühl bei der ersten Hegewald-Zuchtprüfung einer großen Rauhaarfamilie dazugehört zu haben, löste eine grenzenlose Begeisterung aller Mitwirkenden aus. Einvernehmlich wünschten sich die Anwesenden eine alljährliche Wiederkehr der Hegewaldtage unter Führung des Hegewaldbundes. Die Begeisterung war gewaltig und der spätere Vorsitzende des Hegewaldbundes, C.W. König aus Rostock, konnte während der Feier unter großem Applaus Spenden in Höhe von 30.000 Mark und Ehrenpreise im Werte von 7.000 Mark verkünden. Mit diesen Summen war die für das Jahr 1921 in Dutenhofen geplante zweite Hegewald-Zuchtprüfung unter dem Prüfungsleiter Ing. August Pascoe gesichert. Die Zukunft des Hegewaldbundes und der Hegewald-Zuchtprüfung war gesichert und die verantwortlichen Akteure, des an diesem Tage ausgerufenen Hegewaldbundes. vereinbarten im folgenden Winter in Berlin die Ziele und Organisationsstruktur des Bundes festzulegen. Auf dieser ersten Sitzung des Hegewaldbundes übernahmen G. Richert, Stettin, den vorläufigen Vorsitz und die Geschäftsführung P. Dorff, Berlin. In den Gründungsausschuss traten sofort 14 erfahrene Jagdhundezüchter aus dem Deutsch-Drahthaar- und Pudel-Pointer-Lager bei.

Hegewaldzuchtprüfung 1949

Es begannen die ersten Verhandlungen über Satzung und Organisationsstruktur. Es wurde vorgesehen, die erste Vollversammlung des Hegewaldbundes am Tage vor oder nach der Verbands-Hauptversammlung in Berlin stattfinden zu lassen. Als Abzeichen des Hegewaldbundes, welches jeder Hegewaldmann am Hut tragen sollte, wurde die schlichte Wolfsangel bestimmt. Mit dieser Entscheidung sollte versinnbildlicht werden, dass der Hegewaldbund seine ganze Kraft auf die Züchtung leistungsstarker rauhaariger Vorstehhunde für die Arbeit nach dem Schuss legen würde. Der Hegewaldbund hatte in seinen Regularien festgeschrieben, Eintracht unter den vier Rauhaarzuchtvereinen gewährleisten zu wollen. Die Mitglieder des Vereins Deutsch-Drahthaar und des Vereins Pudel-Pointer waren gleichzeitig Angehörige des Hegewaldbundes. 

Die Gemeinschaft der Rauhhaarzucht scheitert

Die Vereine Deutsch-Stichelhaar und Kortshals-Griffon waren aufgefordert, sich dem Hegewaldbund anzuschließen. Der deutschen Rauhaarzucht wurde mit Aufnahme der einheitlichen Hegewald-Zuchtprüfung in das DGStB eine Richtung vorgegeben, mit welcher das Gemeinschaftsgefühl der Züchter gestärkt werden konnte. Gleichzeitig wurde das Hegewald-Zuchtbuch mit vier Unterabteilungen beschlossen, um mittels der Zuchtbuchführung die Ergebnisse der gemeinsamen Zuchtrichtungen dokumentieren zu können. 

Die 2. Hegewald-Zuchtprüfung des Hegewaldbunds im Jahr 1921 unter der Prüfungsleitung von Ing. A. Pascoe in Dutenhofen wurde zu einem unerwartet großen Ereignis. Mit 112 Nennungen und mit 57 erschienen und geprüften Hunden, davon 36 DD, 15 PP, 5 Stichelhaar und 1 Griffon, glaubten sich die Gründer des Hegewaldbundes am Ziel ihrer Idee. Im Laufe der folgenden Jahre aber machte sich die drückende Wirtschaftslage bemerkbar. Gleichzeitig erschwerte das Festhalten der Zuchtvereine Stichelhaar, des Griffon Klubs und des Pudel-Pointer Vereins an ihrer Rasse-Reinzucht eine gemeinsame Zuchtbuchführung.  

Zwischenzeitlich war einer der großen Persönlichkeiten der Hegewald-Bewegung, der Mitbegründer des Hegewaldbundes und der Hegewald-Zuchtprüfung, der 1. Vorsitzende, C.W.
König, verstorben. Mit ihm fehlte eine der tragenden Persönlichkeiten, einer der bedeutenden Förderer und Gestalter der Hegewald Bewegung.

Rasse-Reinzucht versus Leistungs-Reinzucht

Die Verhandlungen mit dem Rauhaar-Reinzucht-Verband scheiterten letztendlich, nachdem das „Deutsche Hundekartell für Hundewesen“ im Jahr 1927 gegen die Stimmen von Pudel-Pointer und Griffon die grundlegenden Prinzipien und Zuchtleitlinien des Vereins Deutsch-Drahthaar anerkannte. Damit war der Einigungsgedanke des Hegewaldbundes verloren gegangen. Im gleichen Jahr entschied der Verein Deutsch-Drahthaar im Sinne seiner Zuchtgrundsätze die Hegewald-Zuchtprüfung unter dem Zeichen der Wolfsangel ausschließlich unter eigener Regie fortzuführen. 

Die Entwicklung nahm ihren Lauf, der Mitgliederzuwachs des VDD stieg trotz der Inflation in den folgenden Jahren gewaltig an. Die nicht voneinander zu trennenden Grundprinzipien, „Durch Leistung zum Typ“ und die „freie Zuchtwahl“, wurden konsequent vom VDD und seinen Züchtern umgesetzt. Damit wurde mit dem „Rasse-Reinzucht-Gedanken“ gebrochen und fortan galt für den VDD nur noch die „Leistungs-Reinzucht“.

Die Inschrift des Hegewaldsteines in Lübbenau. © Archiv JGHV

Die Inschrift des Hegewaldsteines in Lübbenau.

Im Geiste Hegewalds

Mit der unbeirrbaren Verfolgung seiner Leistungs-Reinzucht und der jährlichen Hegewald-Zuchtprüfung wurde der Verein Deutsch-Drahthaar im Laufe der Jahre zum mitgliederstärkten Zuchtverein deutscher Jagdhunderassen. 

Der Geist des Altmeisters Hegewalds fand mit Gründung des Hegewaldbundes und Schaffung der Hegewald-Zuchtprüfung vor 100 Jahren seine Erfüllung und wird in seinem Geiste bis in die heutige Zeit von der Deutsch-Drahthaar Familie erhalten und fortgeführt. 

Was aber im Jahr 1920 als Hegewald-Zuchtprüfung für das Rauhaarlager als Ergänzung zur damaligen Jugendprüfung darstellen sollte, fand als HZP Einzug in das Prüfungswesen des JGHV und ist heute für alle Zuchtvereine deutscher Vorstehhundrassen ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Zuchtwertermittlung. 

 

Wolf Schmidt-Körby, Archivar des JGHV


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