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Was sind "Hauthörner" beim Rehwild? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 17.01.2022 - 10:00
Hauthorn-Rehgeiß © Archiv Dr. Armin Deutz
Hier führte die abnorme Veränderung zum Erblinden auf einem Licht.

Die harten Anhängsel an den Häuptern von bisher vier Rehgeißen, die ich untersuchen konnte, waren bis ca. 10 cm lang und bei einer Geiß auch äußerlich verhornt. An den Schnittflächen waren meist holzmaserungsartige, fasrige, dunkelbraune Strukturen (Horngewebe) zu sehen, und an den Spitzen sah die Zubildung in zwei Fällen aus wie abgebrochenes Holz.

Hauthörner treten selten, aber am häufigsten noch beim Gamswild auf. Sie entstehen entweder aus embryonal versprengten Hornanlagen oder als Folge mechanischer Reize, auf welche die Haut mit der Bildung von Hornzellen reagieren kann. Bei Rehgeißen bilden sich Hauthörner vermutlich aufgrund mechanischer Einwirkungen auf die Haut. Endgültige Erklärungen für sämtliche Ursachen dieser seltenen Hautveränderungen stehen noch aus und werden auch schwierig sein. Hauthörner bestehen meist aus Bindegewebe ohne knöcherne Einlagerung, es können aber auch stirnzapfenähnliche Einlagerungen vorkommen.

Hauthorn-Reh © Archiv Dr. Armin Deutz

Hauthörner können verschieden ausfallen – meist ohne Knochen.

Wildbrethygienisch nicht bedenklich

Bei Rehen wurden vom Autor bisher in den Jahren 2004, 2010 und 2011 und 2019 vier Fälle von Hauthörnern an Häuptern von Rehgeißen untersucht, die in drei Fällen auch gestielt waren und vermutlich durch das Eigengewicht länger wurden. Wildbrethygienisch bestehen bei solchen Stücken keine Bedenken für die Verwertung des Wildbrets, vorausgesetzt, dass die Stücke nicht abgemagert sind oder sonstige (Organ-)Veränderungen zeigen.

Diese sehr interessanten Einzelbefunde unterstreichen wiederum die Wichtigkeit von Einsendungen zur Abklärung diverser Missbildungen, Regelwidrigkeiten und Krankheiten bei heimischen Wildtieren.