+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.885 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 16.5.2022) +++
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Was hat der Frischling an der Leber? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 24.01.2022 - 10:00
Leber-mit-Bandwurm © Uwe Kleinert
Die Bandwurmfinnen sind auf der Oberfläche der Leber sichtbar.

Wie der Leser berichtet, enthielten die Blasen auf der Leber des Wildschweins eine fast klare Flüssigkeit, die angeblich so aussah, als hätte das Stück mehrere Gallenblasen. Es war kein Eiter oder eine Einblutung darin feststellbar. Das Stück war nicht abgekommen und mit vier Überläufern unterwegs.

Gallenblase-Leber-Bandwurm © Uwe Kleinert

Auch auf der Gallenblase war eine Bandwurmfinne (siehe gelber Pfeil).

Bandwurmfinnen beim Schwarzwild

Auf der Oberfläche der Leber sind zwei mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die über das Niveau der Leber erhaben sind, zu erkennen. In diesen Bläschen befindet sich das milchig trübe Entwicklungsstadium des Bandwurms (Zystizerkus) mit eingestülpter Kopfanlage (Skolex). Bei diesen Gebilden handelt es sich eindeutig um Bandwurmfinnen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit um Finnen eines Bandwurms von Hundeartigen (Taenia hydatigena), weshalb dieses Krankheitsbild auch „Taenia-hydatigena-Cysticercose“ genannt wird. Das reife Finnenstadium im Zwischenwirt wird als Cysticercus tenuicollis bezeichnet.

Wildbrethygiene beachten!

Schwein beziehungsweise Wildschwein und Rind sind Zwischenwirte dieser Bandwurmart der Carnivoren. Wenn Zwischenwirte aus dem Kot/ der Losung von Hundeartigen Bandwurmeier aufnehmen, werden im Darm Onkosphären (Hakenlarven) frei, und gelangen dann über die Pfortader in die Leber und durchwandern bis zu acht Wochen das Lebergewebe, um die Leberoberfläche zu erreichen. Wenige Larven entwickeln sich bereits unterhalb der Leberkapsel zu Finnen, die Mehrzahl durchdringt die Kapsel und bildet dann in Netz und Gekröse Finnen, die im Darmkonvolut häufig übersehen werden.

Hunde sollten regelmäßig entwurmt werden und kein rohes (Wild-)Schweine- oder Rindfleisch verfüttert bekommen.

Derartige parasitär bedingte Veränderungen führen natürlich zu einer Untauglichkeit des Organs für den menschlichen Verzehr. Wegen der zunehmenden Verbreitung von Hepatitis E in Mitteleuropa sollten vorbeugend beim Aufbrechen von Schwarzwild Handschuhe verwendet werden. Nach einer Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts verringern Handschuhe das Infektionsrisiko um 88 %!