+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.896 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 19.5.2022) +++
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Hasenlunge mit gelben Punkten – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 18.04.2022 - 10:00
Hasenlunge © Sepp Zurl
Hasenlunge mit zahlreichen stecknadelkopfgroßen Abszessen.

Soweit eine Ferndiagnose möglich ist, war im Falle Ihres Hasen mit hoher Wahrscheinlichkeit Pseudotuberkulose ursächlich am Krankheitsgeschehen beteiligt. Besonders die zahlreichen stecknadelkopfgroßen Abszesse in der Lunge deuten darauf hin. Die größeren Abszesse in der Bauchhöhle könnten auch eine andere Ursache (z.B. Brucellose) haben. Nur eine bakteriologische Untersuchung kann hier jedoch eine letztgültige Aufklärung liefern.

Hasenmilz © Sepp Zurl

Auch oberhalb der Milz sind zwei Abszesse erkennbar.

Infektion über Bakterien

Pseudotuberkulose, Yersiniose oder „Nagerseuche“ (Erreger ist die Bakterienart Yersinia pseudotuberculosis) ist eine weitverbreitete, verlustreiche, bakterielle Infektionskrankheit von Haus-, Zoo- und Wildtieren. Besonders Hasen und Nagetieren sind davon betroffen. Die Bezeichnung Pseudotuberkulose rührt von den tuberkuloseähnlichen knotigen Veränderungen in verschiedenen Organen, häufig Lunge, Leber, Milz, Nieren oder Hoden, her.

Stress und nasskaltes Wetter begünstigen Infektion

Eine Infektion kann über Äsung, Wasser, Losung sowie seltener über Urin, Lungenschleim, Hautwunden oder den Deckakt erfolgen. Eine häufige Infektionsquelle sind auch Erreger ausscheidende Feldmäuse. Krankheitsbegünstigende Faktoren sind nasskaltes Wetter, Äsungsmangel oder innerartlicher Stress, z.B. nach dem „Ernteschock“. Die Krankheit kann innerhalb weniger Tage zum Tod führen, aber auch wochenlang andauern, mit Durchfall, Abmagerung und oft Verlust der Scheu. Pseudotuberkulose ist ein häufiger Grund für das frühherbstliches Hasensterben vor der Jagdzeit. Sie zählt zu den Zoonosen, also zu Krankheiten und Infektionen, die wechselweise zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind.

Zoonose: Auf den Menschen übertragbar!

Pseudotuberkulose verursacht beim Menschen Darm-, Lymphknoten- und Gelenksentzündungen sowie Hautausschläge. Eine gesicherte Diagnose ist jedoch nur über Blutuntersuchungen möglich. Es scheint aber für Tier und Mensch unterschiedlich pathogene Stämme zu geben. Weitere hohe Infektionsrisiken bestehen für den Menschen, falls Hasen an Tularämie oder Brucellose erkrankt sind. Jedenfalls werden im Umgang mit solchen Hasen Handschuhe dringend empfohlen.

Auch ein Aufwirbeln von Staub aus der Wolle sollte wegen der Gefahr des Inhalierens von Krankheitserregern (Tularämie) vermieden werden. Feldhasen mit Abszessen in unterschiedlichen Organen beziehungsweise abgemagerte Feldhasen sind jedenfalls untauglich für den menschlichen Verzehr. Weiterführende Untersuchungen werden unbedingt angeraten.