Home Praxis Hasenjagd mit der kleinen Kugel

Hasenjagd mit der kleinen Kugel

Ein Feldhase im Schnee. © Erich Marek

Schon mit dem Aufgang der Jagd auf weibliches Rehwild hatten mein damals siebenjähriger Sohn Robert und ich die Augen offen gehalten. An der Waldwiese bestätigten wir im September eine Geiß mit zwei Kitzen, wovon ich das schwächere erlegen konnte. Gegen halb sieben erschien auch immer ein starker Waldhase auf der Bildfläche. So regelmäßig und fast auf die Minute pünktlich, dass wir ihn in die engere Wahl für unser kommendes Weihnachtsmenü nahmen.

Als die Zeit gekommen war, stapften wir zum Hochsitz. Da Meister Lampe meist auf 40 bis 45 Meter am Waldrand erschien, blieb die 20er Querflinte daheim, und das Kleinkaliber hing über meiner Schulter.

Pünktlich wie die Maurer erschien der Krumme. Als er breit saß, ließ ich hinters Blatt fliegen. Im Schuss warf er rum und verschwand im Wald. Eine Viertelstunde später baumten wir ab und fanden den längst verendeten Rammler gute 30 Meter im Waldinnern. Am 24. Dezember bescherte er uns geschmort im Römertopf einen unvergesslichen Teil des Weihnachtsmenüs – mit zwei glücklichen, stolzen Jägern und dem festlichen Schwur, diesen alten Brauch Jahr für Jahr zu pflegen.

Hoher Wiedererkennungswert: An der charakteristischen Hasenspur kann man einfach nicht vorbeigehen. © Sven-Erik Arndt

Hoher Wiedererkennungswert: An der charakteristischen Hasenspur kann man einfach nicht vorbeigehen.

Den Hasen spüren

Man unterscheidet nach Lebensraum zwischen Wald-, Feld-, Busch- und Berghasen. Untrügerische Zeichen für seine Anwesenheit sind die Beobachtung im Lager, Wechsel in Wald und Feld, eventuelle Rindenschäle an Jungwüchsen/Obstbäumen oder entsprechend scharf abgeschnittene Knospen.

Ist schwereres Wild im Wald, nutzt Meister Lampe gern dessen Wechsel. Ansonsten ist der Hasenpass ein flaches Pfädchen auf Laub oder abgefallenen Nadeln. Im offenen Feld oder gar auf dem Acker halten die Löffelmänner gern und gut ihre Pässe ein. Die charakteristische Hasenspur im Winter ist ein unverwechselbarer Fingerabdruck, die selbst der Laie schnell wiedererkennt.

Die Hasenkur: Anstand und Ansitz am Waldrand

"Je eher daran, desto eher davon": Diese Weisheit trifft auch für den Hasenanstand zu. Man sollte gleich zum Aufgang der Jagdzeit im Oktober damit beginnen. Denn je später es im Jahr wird, desto eher dunkelt und desto später graut der Morgen. Der Morgenanstand ist bei fortschreitendem Jahr etwas ergiebiger.

Vom letzten Oktoberdrittel an wird es abends schwieriger, ab November fast unmöglich. Hier bietet nur noch der Morgenanstand Chancen. Vor allem, wenn dazu noch Raureif liegt. Deckt der weiße Leithund die Erde, kommen die Hasen jedoch sehr spät bzw. sehr früh zurück.

Was Lampe gar nicht mag, ist Wind. Er sucht sein Lager immer an geschützten Plätzen. Seine sprichwörtliche Furchtsamkeit („Hasenfuß“) ist legendär – er fürchtet und meidet Geräusche. Wenn im späten Oktober oder frühen November plötzlich Frost einsetzt und die Blätter fallen, verlässt der Hase fluchtartig diesen lauten Ort, um im Feld sein Lager zu suchen. Das gilt auch für Tauwetter, wenn Schneeflatschen von Bäumen rutschen und klatschend auf dem Waldboden landen. Sein Geruchssinn ist nur mäßig ausgeprägt, dafür sind Gehör und Gesichtssinn gut entwickelt, und er ist empfindlich gegenüber Bewegungen.

Anstand auf den starken Waldhasen

Ein Feldhase im Winter. © Pixabay.com/ Hans Braxmeier

Ein Feldhase im Winter.

Bei der Hasenjagd kommt es nicht so sehr auf die Windrichtung an, sondern auf die Windstärke. Der Krumme bleibt lieber im Windschutz der Vorhölzer oder geht ganz in den Windschatten. Gehören Wald und Feld zusammen, sollte man lieber gegenüber dem Waldrand sitzen, weil man am Rand ständig nach rechts und links schaut und die Bewegung von Mümmelmann eräugt werden kann. Man stellt sich, sofern Deckung vorhanden ist, dem Wald gegenüber in etwa 40 Schritt Entfernung oder 20 bis 30 Schritt vom bekannten Pass entfernt an.

Fehlt Deckung, muss man doch an den Waldrand. Allerdings sollte man keinen Randbaum wählen, sondern etwas in den Waldsaum hineingehen, um nicht entdeckt zu werden. Idealerweise steht man vor einem genügend starken Baum, so hat man den besten Überblick. Am Morgen ist das Ganze natürlich umgekehrt, man sitzt im Wald, weil der Hase ja vom Feld zu Holze wechselt.

Verhofft der Hase abends am Wald­rand, ist das der beste Moment für den (Schrot-)Schuss. Liegt dazu Schnee, arbeitet Meister Lampe oft die Grasnarbe mit den Läufen frei. Dabei macht er Lärm und ist selbst so unkonzentriert, dass man gut in Anschlag gehen kann. Zwischendurch schlägt der ältere Waldhase immer wieder einen Kegel, um wie ein grauer Pfahl in die Runde zu sichern. Das kann zum echten Geduldsspiel werden. Bei Schnee muss man zudem höllisch aufpassen, dass man sich nicht mit der Entfernung verschätzt, insbesondere dann, wenn man mit der Flinte loszieht. Liegen zwischen dieser attraktiven Fläche Stoppeln oder blanker Acker, dann überfällt er ihn meist rasch.

Übertreiben sollte man es mit der Hasenkur insgesamt aber nicht, weil am frühen Abend deutlich mehr Hä­sinnen und Junghasen erbeutet werden. Denn die Rammler wechseln in der Regel später aus respektive früher ein.

Adjunkt mit Beute: Robi mit unserem ersten gemeinsamen Küchenhasen. © SN

Adjunkt mit Beute: Robi mit unserem ersten gemeinsamen Küchenhasen.

Augen auf beim Pirschen – und Geduld!

Eine andere abwechslungsreiche Jagd­art ist die Waldpirsch. Günstig sind zum Beispiel Waldwege, auf die der Hase schon früh ausrückt. Auch kleine Waldwiesen und Blößen sind lohnende Ziele, die man leise und unter Deckung anläuft.

Stößt man beim Pirschen oder Anstehen den Hasen aus seinem Lager, so kann man, ähnlich wie beim Reh, ruhig an Ort und Stelle oder in der Nähe verweilen, weil er in der Regel wieder in die Nähe seines Lagers zurückstrebt. 

Die spannende Waldpirsch haben Robi und ich auch schon ausgeübt – Meter für Meter arbeiten wir uns auf die kleine Blöße zu. Rumms, nicht aufgepasst, schon spritzt 20 Meter vor uns ein Hase aus seinem Lager. Mist, doch ich deute Robert an, dass wir es uns jetzt erstmal hier bequem machen. Die Sitzstöcke werden an zwei dickere Bäume gelehnt, dann wird alles  mucksmäuschenstill. Die Minuten vergehen, vor uns raschelt eine Maus im angefrorenen Laub, weiter hinten zetert eine Amsel, ein Reh schreckt in der Entfernung.

Da! Gute 20 Minuten sind rum, da hört man Bewegungen im Laub und mit charakteristischem Hoppeln nähert sich der Hase in einem großen Bogen von rechts seinem verlassenen Lager zu. Also doch, es funktioniert, schießt es mir durch den Kopf. Wie er an zwei Jungfichten vorbeirutscht, backe ich langsam die 20er Querflinte an. Und wie er kurz vor seinem Lager einen Kegel macht, reißen ihn die Drei-Millimeter-Schrote um.

Kurzes Schlegeln, Ruhe. Waidmannsheil, höre ich Robi von hinten flüstern. Ich drehe mich um und schaue in das strahlende Gesicht meines Juniors. „So“, sage ich, „nun kann der Heilige Abend kommen …“

Ein perfektes Weihnacht- oder Sonntagsessen: Hasenpfeffer mit Haselnuss-Spätzle © jagderleben.de

Ein perfektes Weihnacht- oder Sonntagsessen: Hasenpfeffer mit Haselnuss-Spätzle

Hasenpfeffer: Ein Rezept von Sören Anders

Hasenpfeffer: Das Wildbret in mundgerechte Würfel schneiden. Mit Weinbrand, Thymian, Knoblauch und 7 EL Olivenöl vermischen. In einen Gefrierbeutel füllen und über Nacht im Kühlschrank marinieren. Am nächsten Tag das Fleisch aus der Marinade nehmen, abtupfen und im restlichen Olivenöl von allen Seiten braun anbraten. Die Schalotten zufügen und ebenfalls kräftig anrösten. Lorbeer, Sternanis und Langpfeffer unterrühren, dann nach und nach mit Rotwein und Wildfond ablöschen, immer wieder leicht einkochen lassen. Zirka 90 Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen, immer wieder umrühren.

Wildbret mit einer Schaumkelle aus dem Schmorfond heben, die Gewürze entfernen. Leber klein schneiden und mit einem Pürierstab in den Fond mixen und evtl. mit in wenig Wasser angerührter Speisestärke abbinden, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wildbret zusammen mit dem Schweineblut wieder in den Topf geben und unter Rühren langsam erwärmen. Nicht mehr kochen, da das Blut sonst gerinnt.

Haselnuss-Spätzle: Aus Mehl, gemahlenen Nüssen, Eiern, Öl und etwas Salz einen zähflüssigen Spätzleteig zubereiten. Evtl. etwas Wasser zufügen. Mit einem Holzlöffel so lange durchschlagen, bis er Blasen wirft. Reichlich Salzwasser aufkochen und den Teig durch eine Spätzlepresse in den Topf geben oder per Hand vom Brett schaben. Garen, bis die Spätzle oben schwimmen. Mit einer Schaumkelle herausheben und gut abtropfen lassen. Die Haselnüsse in einer trockenen Pfanne anrösten, bis sie duften. Herausnehmen und grob hacken. Butter in der Pfanne zerlassen und die fertigen Spätzle darin durchschwenken. Nüsse wieder zufügen. Den Hasenpfeffer in tiefen Tellern anrichten, einen Klacks Crème fraîche draufgeben und mit Petersilie bestreuen. Spätzle separat dazu reichen.


Sascha Numßen Seit Mai 2011 PIRSCH-Chefredakteur. Geboren 1971 in Frankfurt (Hessen), Jagdschein seit 1994, Studium in München, Diplom-Forstwirt.
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