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Warum haben manche Rehe kahle Stellen? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Mittwoch, 19.05.2021 - 17:00
Reh mit Haarigen © Hendrik Nüsse
Träger, die wir geschoren aussehen, sind oftmals ein eindeutiges Zeichen für Haarlinge.

Bei diesem Krankheitsbild handelt es sich um die sogenannte Haarseuche. Diese führt bei Rehen zu einem Abbrechen der Winterhaare auf zirka 0,5 cm Höhe. Besonders Träger, Brust und Flanken sind betroffen. Erkrankte Stellen sehen heller und wie geschoren aus. Zusätzlich zeigen diese Stücke meist abnormes Verhalten, wie Umherziehen auf engem Raum, plötzliches Unterbrechen des Äsens oder Beißen an den Flanken. Früher vermutete man als Ursachen Spurenelementmangel, Rapsaufnahme, Schilddrüsenfehlfunktion, Virusinfektionen oder auch eine Cadmium-Belastung. Aus heutiger Sicht entsteht Haarseuche in den überwiegenden Fällen durch hochgradigen Haarlings- und/oder Hirschlausfliegen-Befall. Zu verwechseln ist die Haarseuche nur mit Hautpilzerkrankungen (wie Trichophytie), die in unseren Regionen beim Rehwild jedoch selten auftreten.

Fell-mit-Haarlingen © Dr. Armin Deutz

Ein Massenbefall mit Haarlingen.

Zunahme der Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten

Haarseuche dürfte in Jahren bzw. bei Stücken mit verzögertem Haarwechsel häufiger zu beobachten sein. Ein Befall mit diesen Parasiten sollte aber möglichst noch am warmen Wildkörper beurteilt werden, da die meisten Außenparasiten den abgekühlten Wildkörper eines erlegten/ verendeten Stückes verlassen.

In den letzten beiden Jahrzehnten war eine deutliche Zunahme dieser Erkrankung festzustellen, was für mich einerseits mit milderen Wintern und anderseits mit Fütterungsfehlern zusammenhängen dürfte. So verursacht eine chronische Pansenübersäuerung, durch die Abwehrschwächung, einen höheren Innen- und Außenparasitenbefall beim Rehwild.

Haarlinge sind häufige Außenparasiten beim Reh. Sie leben von Hautschuppen, Haarteilen und Blut. Meist sind Haarlinge in Nestern vor allem an den Kniegelenken, im Sommer auch in der Brustbeingegend nachzuweisen. Starker Haarlingsbefall, meist bei auffallend schwachen Stücken, ist fast immer ein Hinweis auf andere Krankheiten, wie z.B. einen hochgradigen Befall mit Innenparasiten. Die Schadwirkung von Haarlingen besteht vor allem in der ständigen Beunruhigung der Rehe. Die 5 bis 7 mm großen Hirschlausfliegen befallen auch Rehe. Weibchen sind lebendgebärend, legen also bereits verpuppungsreife Larven. Aus den Puppen schlüpfen im Herbst die Lausfliegen, die, wenn sie einen entsprechenden Wirt gefunden haben, ihre Flügel verlieren und auf diesem Wirt überwintern. Die Schädigung des Wildes entsteht durch Beunruhigung,  geringgradige Hautverletzungen und Blutentzug


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