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"Haariges" zum Rehwild – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Donnerstag, 16.12.2021 - 10:45
Rehbock-im-Schneetreiben © Dr. Armin Deutz
Lufteinschlüsse sorgen dafür, dass Schnee am Ziemer nicht schmilzt.

Das Haarkleid des Rehwildes besteht aus Leit-, Grannen- und Wollhaaren, wobei Rehe gegenüber anderen Schalenwildarten vorwiegend Leithaare tragen und sich diese beim Reh kaum von den Grannenhaaren unterscheiden lassen. Leit- und Grannenhaare bilden die Deckhaare, darunter befinden sich Wollhaare, die gekräuselt und deutlich dünner als die Deckhaare sind. Grundsätzlich haben die meisten Wild- und Haustiere vom Wärmehaushalt her größere Schwierigkeiten mit Temperaturen, die über ihrer eigenen Körpertemperatur liegen, als mit Minusgraden. Das Haar hat eine wichtige Funktion bei der Wärmeregulation. Zusätzlichen Schutz gegen Kälte bieten das Unterhautfettgewebe und Stoffwechselanpassungen sowie spezifische Verhaltensformen. Die Sommerhaare sind meist heller und die Wollhaare kürzer und weniger dicht. Außerdem werden die Haare im Sommer glatt angelegt. Das Winterhaarkleid ist dagegen dichter, und es verfügt über längere Wollhaare. Das Winterhaar ist zumeist dunkler als das Sommerhaar, was die Wärmeaufnahme bei Sonnenschein erhöht.

Reh-Winterhaar-Mikro © Präparation & Heinz Brennenstuhl

Der Querschnitt zeigt das Winterhaar in 1600-facher Vergrößerung.

Winterhaare sind länger und breiter

Sommerhaare sind 2,6 bis 3,5 cm und Winterhaare bis zu 5 cm lang (am Spiegel bis zu 7 cm). Winterhaare sind steif, wellig, spröde und lufthaltiger als die Sommerhaare, was den Kälteschutz stark erhöht. Bei sehr tiefen Temperaturen werden die Haare leicht aufgerichtet (Luft hat nur geringes Wärmeleitvermögen), um durch die unbewegliche Luftschicht zwischen den Haaren die Abkühlung zu dämpfen. Daneben wird bei sehr tiefen Temperaturen die Bewegung stark eingeschränkt (sofern Wild Ruhe hat!). Einige Schalenwildarten können auch den Stoffwechsel, die Körpertemperatur und damit die Oberflächentemperatur absenken. Obwohl Winterhaare länger und breiter sind, haben sie ein geringeres Gewicht als Sommerhaare (Stubbe, 2008). Deckhaare bestehen aus Oberhaut (flache, schuppenartig liegende Zellen), Rinde (enthält Farbpigmente) und Mark (besteht aus lufthaltigen Markzellen), das über 90 Prozent des Gesamtdurchmessers eines Haares ausmacht.

Der Wärmeaustausch zwischen dem Tierkörper und dessen Umgebung erfolgt durch Wärmestrahlung, Wärmeleitung sowie Konvektion (Wärmeentzug durch Luft, Wasser, Schweiß). Die Wärmerezeptoren in der Haut können bereits Temperaturunterschiede von 1 °C wahrnehmen, was der Grund dafür sein dürfte, dass Wildtiere auch kleinere Wärmequellen wie die durch die Infrarotstrahlung des Nadelchlorophylls produzierte Wärme empfinden können und daher im Winter gern unter Schirmfichten ruhen.


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