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Grüne Muskelhäute beim Rotwild – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Donnerstag, 19.05.2022 - 10:05
gelbgruene_Muskelhaut_Rotwild © Dr. Armin Deutz
Die gelbgrün-gallertartigen Veränderungen in der Unterhaut sind die Folge eines Parasitenbefalls.

Schweizer Kollegen (Stephan und Mitarbeiter, 2011) konnten die Ursache dieser großflächigen grünlichen Verfärbungen und sulzig-gallertigen Veränderungen ergründen. Sie berichten über eine Zunahme dieser Unterhautveränderungen beim Rotwild in der Schweiz in den vergangenen Jahren.
Nach ihren Untersuchungen ist eine im Jahr 2010 erstmals in Norwegen beschriebene einzellige, mikroskopisch kleine Parasitenart (Sarcocystis hjorti) dafür verantwortlich. In der feingeweblichen Untersuchung der veränderten Stellen wurden überwiegend Entzündungszellen und kleinräumig abgestorbenes Gewebe gefunden.

Fuchs als Endwirt

Sarkosporidien sind einzellige Parasiten, die Säugetiere, Vögel und niedere Wirbeltiere befallen. Im Zwischenwirt (z.B. Schalenwild) werden Muskelzysten ausgebildet, die vom Endwirt (z.B. Fuchs) mit dem Fleisch aufgenommen werden. Im Darm der Endwirte entwickeln sich Oozyten (Parasiteneier), die mit dem Kot bzw. der Losung von Endwirten in die Außenwelt gelangen und wieder von Zwischenwirten aufgenommen werden können.

Auch auf Menschen übertragbar

Bisher sind auch zumindest zwei Sarkosporidien-Arten bekannt, die von Tieren auf den Menschen über z.B. unzureichend gegartes Fleisch übertragen werden können (Sarcocystis bovihominis und S. suihominis). Die meisten Infektionen beim Menschen verlaufen jedoch ohne Symptome.
Bei Wildwiederkäuern sind Infektionen häufig, verlaufen aber selbst bei den Infektionen des Herzmuskels, die vergleichsweise häufig auftreten, meist symptomlos. Auch bei Wildgeflügel wie Enten sind Sarkosporidien zu finden.


Stücke Rotwild, die diese grünlich, sulzig-gallertartigen Veränderungen in der Unterhaut und in den Muskelhäuten aufweisen, sind wegen dieser offensichtlichen Veränderung (oft auch der darunterliegenden Muskulatur) als untauglich zu beurteilen und entsprechend zu verwerfen.


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