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Die Großwildpatrone.505 Gibbs

Im Vergleich (v.l.): .500 Jeffery und .505 Gibbs Voll- und Teilmantel. Foto: Roland Zeitler

John A. Hunter war einer der legendärsten „White Hunter“ in Ostafrika. Er erlegte als professioneller Elfenbeinjäger rund 1.500 Elefanten. Er war Game Warden in Makeidu in Kenia und noch heute trägt die „Hunter‘s Lodge“ seinen Namen. Er bevorzugte für die Elefantenjagd seinem Mauser-Repetierer in .505 Gibbs, den er für Elefantenreduktionsjagden bevorzugt benutzte. Er schwor auf dessen sprichwörtliche Stoppkraft. Als eines Tages eine Herde Elefanten auf John A. Hunter zuraste, konnte er daraus zwölf Elefanten erlegen.
Hunter sagte: „Es gibt nichts vergleichbares, was einen Elefanten besser stoppt als die .505 Gibbs.“ John (Pondoro) Taylor schrieb über die .505 Gibbs in seinem Werk „African Rifles and Cartridges“, dass er vom geringen Rückstoß der .505 Gibbs überrascht war. Sie ließ sich in Mauser-Repetierern angenehm schießen. Außerdem war die Präzision ausgezeichnet. Für Dickhäuter kann er die .505 Gibbs bedenkenlos als sehr starke, wirkungsvolle Patrone nur empfehlen. Die .505 Gibbs wurde von George Gibbs in Bristol (England) ursprünglich als Randpatrone entwickelt. Er änderte seine Meinung und brachte sie als Patrone mit Rille für das Mauser 98 Magnum System 1914 heraus. Die Patrone wurde 1911 von Gibbs bereits präsentiert. Die erste Waffe stellte er aber erst 1914 fertig. Sie hatte die Nr. B-6413. Gibbs fertigte in dem Kaliber nur 52 Repetierer. Waffen wurden von John Rigby und Co., Holland & Holland sowie von Custom-Büchsenmachern in Deutschland, Belgien, Österreich (Ferlach) und den USA gefertigt; einige mit dem BRNO-System auch in Südafrika und Zimbabwe. Nun ist auch die preiswerte CZ-550 Safari Classics in dem Kaliber erhältlich.

Wenngleich die kürzere .500 Jeffery etwas mehr kinetische Energie freisetzt, hat die .505 Gibbs gegenüber dieser doch einige entscheidende Vorteile für die Großwildjagd in Afrika: Die .505 Gibbs ist mit 80,01 mm Hülsenlänge eine sehr lange Patrone mit durchmesserstarkem Boden (16,26 mm). Sie hat eine Rille, was sie für Repetierer mit Drehzylinderverschluss prädestiniert. Sie erfordert das sehr lange Mauser 98 Magnum-System, das neben ausreichender Länge auch einen ausreichend starken Zylinder besitzt. Die .505 Gibbs hat keinen unterschnittenen Boden wie die .500 Jeffery. Unterschnittene Böden aber können schnell Zuführprobleme verursachen. Ferner beträgt der maximale Gasdruck gerade mal 2700 bar (.500 Jeffery 3300 bar). Geringer Gasdruck ist im heißen Afrika immer ein Vorteil. Es gibt keine festgefressenen Hülsen, selbst bei heißer Waffe. Die Schmutzempfindlichkeit ist gering. Die extrem kurze Schulter hat einen steilen Schulterwinkel. Die 97,79 mm lange Patrone wird mit 525 gr schweren Teil- und Vollmantelgeschossen versorgt. Die Geschosse haben das Kaliber 0,505 Zoll (12,83 mm). Die original Eley-Kynoch Patronen wurden seit 1967 nicht mehr gefertigt. Heute gibt es Patronen von der neuen Firma Kynoch, von Norma, von Wolfgang Romey, A-Square und einigen kleineren Herstellern. In den 1970er Jahren begann Bell mit seiner Firma Brass Extrusion Laboratories Ltd. wieder, die alten englischen Patronen zu fertigen. Norma verwendet in seinen Laborierungen 600 gr schwere Woodleighgeschosse. Sie sollen eine noch bessere Augenblickswirkung ergeben als die etwas leichteren Originalgeschosse. Mit den 600 gr schweren Geschossen wird eine V0 von 640 m/s (= 7963 Joule) erzielt. Die Woodleigh TM-Verbundgeschosse deformieren etwa auf den zweifachen Durchmesser, erhalten ein ausreichend großes Restgewicht (oft von 90 % und mehr) und ergeben eine tiefe Penetration - ideale Geschosse für den Kaffernbüffel. Die Woogleigh-Vollmantelgeschosse haben einen tombakplattierten Stahlmantel mit verstärktem Kopfbereich. Sie sind ideal für Elefant und Hippo. Dem Wiederlader stehen auch Barnes-Geschosse zur Verfügung. Das BND-Solid (Vollgeschoss) von Barnes wiegt 525 g und das homogene TSX-FB Geschosse gibt es ebenfalls mit 525 gr. Die .505 Gibbs erbringt mit 525 gr schweren Geschossen eine V0 von 701 m/s, was eine Energie von 8392 Joule ergibt.

Die .505 Gibbs ist eine typische Dickhäuterpatrone. Aber auch der Löwe oder das Rieseneland lassen sich damit gut bejagen. Für alles andere afrikanische Wild ist sie übertrieben stark. Es sei freilich angemerkt, dass in allererster Linie ein guter Treffersitz über den Jagderfolg entscheidet. Auch noch so viel Energie macht einen schlechten Treffersitz nicht wett. Ideal ist die .505 Gibbs für Professional Hunters. So ist sie die Lieblingspatrone von Kevin Robertson (Doctari), der in Zimbabwe Professional Hunter ist und zahlreiche Bücher schrieb (u. a. „The Perfect Shot“). Sie dient nicht zuletzt dazu, annehmendes, wehrhaftes Großwild zu stoppen. Soll ein Zielfernrohr auf die Waffe montiert werden, dann ausschließliche ein solches mit vergrößertem Augenabstand. Gastjäger sollten die .505 Gibbs nur dann benutzen, wenn sie sie problemlos präzise schießen können.
Roland Zeitler