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Gibt es im Herbst gesetzte Rotkälber? – Frag den Tierarzt

Redaktion jagderleben
am
Montag, 01.11.2021 - 09:41
Rotwild_Tier_Kalb © Dr. Armin Deutz
Überalterte Muttertiere sind oft Ursache für schwache Kälber.

Der Eisprung (Östrus) kann sich bei einigen Schalenwildarten bis zu siebenmal wiederholen. Auch Rottiere, die nach einem Eisprung nicht erfolgreich beschlagen werden, haben in weiterer Folge bis zu sechs Eisprünge im Abstand von jeweils rund 18 Tagen (Schwankungsbreite +1,7 Tage). Wobei sogar Intervalle von bis zu 60 Tagen vorkommen können.

Die Eisprünge werden vor allem durch die Tageslichtlänge ausgelöst. So setzt die Brunft mit der Tag-Nacht-Gleiche im September ein, und die Tag-Nacht-Gleiche im März beendet mögliche Ovulationen (Bubenik 1984). Ursachen für Nachbrunften sind meist ein hohes Alter der nachbrunftenden Tiere oder auch fütterungsbedingte Abortusfälle, z.B. nach dem Verfüttern von verdorbener listerienhaltiger Grassilage.

Nachbrunftende Tiere muss man spätestens vermuten, wenn einzelne Hirsche im Winter wieder zu röhren beginnen. Die Tragzeit beim Rotwild beträgt rund 34 -Wochen. Rieck (1955) ermittelte 51 % der Setzakte im Mai, 44 % im Juni und fünf Prozent im Juli. Vereinzelt kann es auch noch später zum Setzen von Kälbern bei Tieren kommen, die nachgebrunftet haben. Gesetzt wurden die Kälber dann sicherlich auch nach etwas verkürzten Tragzeiten. Die wiederum verursachen ein geringeres Setzgewicht.

Rotwild_Schnee © Dr. Armin Deutz

Verwaist ein Rotwildkalb, entwickelt es sich deutlich schlechter.

Rottiere mit schwachen Kälbern miterlegen

Besonders alte oder körperlich schwach entwickelte Rottiere neigen dazu nachzubrunften. Falls irgendwie möglich, sollten solche Tiere mit ihren Kälbern erlegt werden. Denn wenn sie das Kalb spät gesetzt haben, werden sie in der nächsten Brunft meist erneut nachbrunften und so wieder später beschlagen werden. Drartige Nachbrunften bringen auch Unruhe in einen Rotwildbestand, besonders dann, wenn dieses Wild bei einer Fütterung steht.

Werden schwache Kälber im Herbst angetroffen, sind diese meist nicht spät gesetzt, sondern verwaist. Und die häufigste Ursache für verwaiste Kälber ist leider nach wie vor die Erlegung des Muttertiers mit all ihren negativen Konsequenzen für die weitere Entwicklung und Sozialisierung des Kalbes.