+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.916 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 24.5.2022) +++
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Geschrumpfte Milz? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 21.03.2022 - 10:00
Verkleinerte_Milz

Die Milz ist bei Wiederkäuern z.B. Rehen mit dem Pansen/ Weidsack fest verwachsen. Sie ist nicht nur ein Blutspeicherorgan, sondern in ihr werden auch bestimmte weiße Blutkörperchen (Lymphozyten) gebildet und gealterte rote Blutkörperchen ausgesondert. Damit spielt sie eine wichtige Rolle im körpereigenen Abwehrsystem.

"Schockorgane" erkennen

Vergrößerte, gestaute Milz als Schockorgan.

Auffälligkeiten an der Milz sind Abszesse, Schwellungen, Tumore, Infarkte, Risse oder auch eine zu kleine Milz. Milzvergrößerung und -schwellung sind bei Entzündungen im Bauchraum, bei bakteriellen Allgemeininfektionen oder bei tumorösen Vermehrungen weißer Blutkörperchen (Leukose) zu beobachten. Auch in Form der „Schockmilz“, als Symptom des Verendens an einem Schocktod, kommen sie vor. Schockorgane (Leber, Milz, Blutgefäße im Darmtrakt) entstehen durch das „Absacken“ einer größeren Menge an Blut in Organe der Bauchhöhle. Die dadurch entstandene Sauerstoffunterversorgung des Gehirnes kann dann zur Bewusstlosigkeit führen. Es ist davon auszugehen, dass beim Verenden nach einem Schuss immer wieder Schockorgane auftreten, die jedoch bei der Untersuchung der Organe von krankhaften Veränderungen zu unterscheiden sind. Im Falle eines Schocktodes ist nicht nur die Milz, sondern zugleich auch die Leber geschwollen und stumpfrandig sowie die Gefäße im Darmtrakt stark gefüllt. Zu hochgradiger Milzschwellung beim Feldhasen führen Infektionskrankheiten, die zugleich auf den Menschen übertragbar sind wie etwa Tularämie, Brucellose, Pasteurellose und Pseudotuberkulose. Beim Wildschwein können im Zuge von Schweinepest an der Milz Randinfarkte infolge von Blutgefäßverschlüssen, sichtbar als dunklere flache Knoten, entstehen.

Milzveränderung durch Tumor

Die kleinere und kugelig-knotige Milz aus der Leserfrage ist mit hoher Wahrscheinlichkeit durch einen Tumor so verändert. Eine sichere Diagnose wäre nur durch eine histologische Untersuchung eines Gewebsschnittes mit Beurteilung des Zellbildes möglich. Eine zu kleine Milz ist immer wieder bei Rehen mit hochgradigem Endoparasitenbefall, beispielsweise mit dem roten oder gedrehten Magenwurm (Haemonchus contortus), zu beobachten. In diesen Fällen ist die Milz als Blutspeicherorgan vollkommen entspeichert und daher deutlich verkleinert und blasser, da diese Parasiten große Blutmengen aus der Labmagenschleimhaut saugen. Veränderungen an der Milz sind als auffälliges Merkmal zu werten und daher vor dem In-Verkehr-Bringen von Wildbret abzuklären.