Home Praxis Gemeinsam gegen den Straßentod

Gemeinsam gegen den Straßentod

Großes Medienauf­gebot herrschte bei der Simu­lation eines Wild­unfalls auf dem ADAC-Gelände. (Foto: DIT)


Die Zahlen der Wildunfälle dürften den meisten Jägern wohl bekannt sein: Jährlich sterben über 220 000 Stücke Schalenwild durch Kollisionen mit Fahrzeugen auf Deutschlands Straßen. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer, da Wildunfälle häufig erst gar nicht gemeldet werden, sowie eine enorme Zahl an getöteten Kleintieren. Aber auch der Mensch kommt vielfach nicht ungeschoren davon, werden immerhin jährlich auch fast 3000 Menschen bei Wildunfällen zum Teil schwer verletzt; etwa zehn Personen sterben dabei Jahr für Jahr. Auch hier gibt es eine Dunkelziffer: Ungefähr 1000 Verkehrsteilnehmer verunglücken jedes Jahr tödlich bei Kollisionen mit Bäumen – oft mit ungeklärten Ursachen – sodass Ausweichmanöver vor Wildtieren in einigen Fällen vermutet werden können.

Crashtest

Um künftig erfolgreicher Wildunfälle zu vermeiden, hatten der ADAC, der DJV und der DVR am 15. und 16. April zu einer gemeinsamen Wildunfallfachtagung in das ADAC-Verkehrssicherheitszentrum nach Grevenbroich zahlreiche Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Verbänden des In- und Auslands eingeladen. In seinen Begrüßungsworten hob DJV-Präsident Jochen Borchert das enorme Engagement der Jägerinnen und Jäger bei der Wildunfallprävention hervor. Doch um die Unfallzahlen weiter drastisch zu reduzieren, müsse das Wissen aus den verschiedenen Fachbereichen gebündelt werden. Es gelte dabei, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Neuerungen aus dem In- und Ausland zusammenzuführen. Dem stimmten auch die Präsidenten des ADAC, Peter Meyer, und des DVR, Prof. Manfred Bandmann, zu. Immerhin fordert der DJV eine Reduzierung der Wildun­fallzahlen von jährlich fünf Prozent.
Wie brisant das Thema Wildunfälle für die Öffentlichkeit ist, zeigten die etwa zehn angereisten Filmteams von ARD bis PRO 7. Der ADAC hatte nämlich eigens für diese Veranstaltung auf dem Parcours seines Verkehrszentrums einen Wildunfall für die Reporter simu­liert. Einen kleinen Film­beitrag finden Sie dazu auch in JAGDERLEBEN-TV.

Komplexes Problem

NRW-Verkehrs­minister Oliver Wittke, selbst Jäger, hatte die Schirmherrschaft der ­Wild­unfalltagung übernommen.<br>(Foto: DIT)


Neben einer Podiumsdiskussion gaben verschiedene Fachvorträge Einblick in die Vielschichtigkeit der Lösungs­ansätze: Vom bayerischen Modellversuch Unfallschwer­punkte zu kartieren, um ­diese als Warnhinweis in Navi­gationssysteme einzuspeisen, über den Entwicklungsstand von Fahrerassistentsystemen, Analyse von Unfallschwerpunkten, elektronische Wildwechselwarnanlagen, Straßen­planung und Lebensraumvernetzung, bis hin zur ­besseren Aufklärung von Fahrschülern wurde deutlich, dass es nur durch ein Zusammenspiel von vielen Maßnahmen dauerhaft gelingen kann, Wildunfälle zu minimieren.
Am zweiten Tag der Veranstaltung fanden sich die Teilnehmer in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammen, um den Verbänden Handlungsempfehlungen mit auf den Weg zu geben.
Das Fazit: Zu keiner der bislang angewendeten Präventivmaßnahmen – ob Warnschilder, Reflektoren oder Duftzäunen, um nur einige zu nennen – gibt es wissenschaftliche Effizienzanalysen. Zwar bezwecken diese Maßnahmen augenscheinlich oftmals durchaus ernorme Rückgänge der Wildunfallzahlen, in Anbetracht der vielfältigen Gründe für lokal auftretende Unfallschwerpunkte wurde eine wissenschaftliche Betrachtung aber von allen Beteiligten sehr begrüßt.
Auch in den Arbeitsgruppen war man sich einig, dass eine Reduzierung der Wildunfälle nur durch ein komplexes Maßnahmenpaket (Einwirkung auf Mensch, Tier, Straße, Technik und Umwelt) dauerhaft gelingen kann.
Bevor gesicherte Erkenntnisse vorhanden sind, sollten das vorhandene Wissen über Präventivmaßnahmen analysiert und Handlungsempfehlungen erstellt werden.

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