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Gefurchte Nieren beim Frischling? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 14.03.2022 - 10:00
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Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dieser Nierenveränderung – mit mehr oder weniger tief eingezogenen Furchen, die sich teilweise verbinden – um eine angeborene Defektmissbildung. Angeborene Missbildungen an den Nieren, wie etwa Nierenzysten oder Größenunterschiede zwischen beiden Nieren treten realtiv häufig auf. Ein wie auf den Fotos des Erlegers abgebildeter Fall beim Wildschwein ist mir jedoch bisher noch nicht untergekommen. Letztgültigen Beweis für den Grund der Ursache kann jedoch nur eine genauere histologische (feingewebliche) Untersuchung und Beurteilung der Nierenschnitte unter dem Mikroskop liefern.

Niere_geschnitten.jpeg © Thomas Reimann

In der geöffneten Niere waren keine Auffälligkeiten feststellbar.

Unvollständig entwickelte Niere

Im Zuge dieser vermuteten Missbildung oder Entwicklungsstörung kam es zu einer nur unvollständigen Vereinigung sich embryonal entwickelnder Nierenanlagen. Dies ist somit als Verbleib der embryonalen beziehungsweise fetalen Nierenlappung anzusehen. In der Nierenentwicklung im Mutterleib treten – als Ausdruck der Bildung von Nierenlappen – an der Oberfläche der sich bildenden Nieren Furchen auf.

Keine Bedenken beim Wildbret

Diese Furchen bleiben beim Rind auch nach der Geburt erhalten. Bei Rindern findet man also zeitlebens gefurchte Nieren. Beim Menschen sowie bei anderen Haus- und Wildsäugetieren verschwinden diese Furchen während der Nierenentwicklung wieder. Es bilden sich somit letztlich Nieren mit einer glatter Oberfläche. Diese Nierenentwicklung fand augenscheinlich bei diesen Frischlingen nicht statt, und die Furchen blieben teilweise bestehen.

Insgesamt handelt es sich also bei diesen Nieren um einen sehr interessanten Fall. Leider werden solche Fälle häufig entweder übersehen, oder sie werden nicht dokumentiert beziehungsweise gelangen nicht zur Untersuchung.

Wildbrethygienisch bestehen keinerlei Bedenken gegen den Verzehr des Wildbrets, sofern außer diesen Nierenveränderungen keinen weiteren Auffälligkeiten festzustellen waren.