Home Praxis Einer für alles: Drillings-Varianten - was bietet der Markt?

Einer für alles: Drillings-Varianten - was bietet der Markt?

(Foto: Norbert Klups)



Unterschiedliche Bauweisen

Ein Doppelbüchsdrilling, hier von Merkel, ist die Waffe für den Hochwildjäger und optimal auf Drückjagden.<br>(Foto: Norbert Klups)


Wenn von einem Drilling gesprochen wird, meint man in der Regel den so genannten Flintendrilling, also die Kombination von zwei Flintenläufen mit einem Kugellauf. Es gibt aber auch noch andere Zusammenstellungen. Heute kaum noch zu finden und nicht mehr in laufender Produktion, ist der so genannte Waldläufer; eine Waffe, die neben den zwei Flintenläufen noch einen kleinen Kugellauf in einem Schonzeitkaliber hat. Dieses kleine Läufchen ist über den Schrotläufen in der Laufschiene angeordnet. Wesentlich gebräuchlicher und wieder stark im Kommen ist der Doppelbüchsdrilling. Zwei meist großkalibrige Kugelläufe werden durch einen Schrotlauf ergänzt. Diese Ausführung ist für Drückjagden gedacht, um neben Schalenwild auch noch Fuchs und Hase mit Schrot schießen zu können. Wird ein Flintenlaufgeschoss geladen, stehen sogar drei Schüsse zur Verfügung, ohne die Waffe aus dem Anschlag zu nehmen. Je nach Ausführung sind hier die Kugelläufe nebeneinander mit unten liegendem Schrotlauf angeordnet, oder aber schräg seitlich versetzt in der alten Suhler Bauweise. Hier wird einer Büchsflinte quasi ein darunter liegender Kugellauf hinzugefügt, was dieser Bauweise auch den Namen 'Büchsflintendrilling' eintrug. Die dritte Spielart der Dreiläufer ist der so genannte Bockdrilling, der zwei Kugelläufe unterschiedlicher Kaliber mit einem Schrotlauf kombiniert. Eigentlich ein Bergstutzen mit zusätzlichem Schrotlauf.
Seit es mündungslange Einsteckläufe für Zentralfeuerkaliber gibt, die leicht zu handhaben und sehr präzise sind, hat es der Bockdrilling allerdings schwer. Ein normaler Flintendrilling mit Einstecklauf ist nicht nur wesentlich preiswerter, sondern auch universeller, da der kleinkalibrige Lauf jederzeit ausgebaut werden kann, womit dann wieder beide Schrotläufe zur Verfügung stehen. Einziger Vorteil des Bockdrillings ist sein schnittiges Aussehen. Etwas Leben in die Szene hat seinerzeit allerdings der Bockdrilling der Firma Blaser gebracht, der nicht nur sehr preisgünstig ist, sondern auch über einen verstellbaren kleinen Kugellauf verfügt. Hierdurch wird ein großes Risiko, dass bei einem Laborierungswechsel die Läufe nicht mehr zusammenschießen, ausgeschaltet.
Die neueste Ausführung von Heym hat jetzt sogar einen in einem Trägerrohr freischwingenden, rostfreien kleinen Kugellauf mit Verstellung. Frischen Wind in die Szene brachte die Firma Blaser mit derVorstellung des D 99. Hier liegen die Schrotläufe unten und der Kugellauf mittig darüber. So kann die preisgünstige und sichere Blaser Sattelmontage verwendet werden. Durch die maschinengerechte Bauweise ist der D 99 einer der günstigsten Drillinge und kann problemlos durch Wechsellaufbündel zum Bockdrilling oder Doppelbüchsdrilling umgerüstet werden. Die neueste Variante hat sogar drei Kugelläufe – auf Wunsch sogar in unterschiedlichen Kalibern.

Schlosskonstruktion

Mit einem Einstecklauf wird der Drilling noch universeller.<br>(Foto: Norbert Klups)


Die Art der Schlosse hat große Bedeutung für die Höhe des Verkaufspreises. Standarddrillinge sind mit Blitzschlossen ausgestattet, während teure Waffen Seitenschlosse für die Schrotläufe
und ein Blitzschloss für den Kugellauf haben. Beim Kugellauf hat das Blitzschloss kaum Nachteile, da in der Regel
über den Stecher geschossen wird. Auch der rechte Schrotlauf und ein darin untergebrachter Einstecklauf kann über den Stecher geschossen werden. Nur beim linken Schrotlauf, oder wenn der Drilling als Doppelflinte für den schnellen Schrotschuss benutzt wird, zeigen sich die Nachteile der Blitzschlosse. Aus Sicherheitsgründen können Blitzschlosse nicht so weich eingestellt werden wie Seitenschlosse oder Ansonschlosse. Mit dem höheren Abzugsgewicht muss man hier also leben. Seitenschlosse sind zwar die bessere, aber auch die wesentlich teurere Lösung. Soll der Drilling auch als Drückjagdwaffe dienen, gibt es mit den hart stehenden Abzügen bei Blitzschlossen oft Probleme. Blaser stattet den D 99 mit Handspannung und Feinabzügen aus. Die Abzugsgewichte und die Charakteristik des Abzuges sind an diesem High-Tech-Drilling vorbildlich.

Verschluss

Fast alle alten Konstruktionen, die schon lange auf dem Markt sind, haben eine doppelte Laufhakenverriegelung und einen zusätzlichen Greener-Querriegel. Diese Ausführung hat sich bewährt und ist langlebig. Allerdings ist die Fertigung auch sehr aufwendig und teuer. Bei Neukonstruktionen, wie dem Krieghoff Plus-Drilling, geht man daher zu der wesentlich günstigeren Keilverriegelung über. Ein sich selbst nachstellender Verschlusskeil, der fast über die ganze Breite der Basküle reicht, übernimmt hier die Verriegelungsaufgaben. Dank moderner Materialien und präziser Maschinenfertigung ist auch dieser Verschluss allen Anforderungen gewachsen. Blasers D 99-Drilling ist mit einem Kippblockverschluss ausgestattet.

Visierung und Bedienelemente

Bei Kipplaufwaffen sind Kaliber mit Randpatronen erste Wahl, es gibt keine Funktionsprobleme. Randlose Patronen benötigen gefederte Ausziehkrallen, die über die Patrone rutschen können.<br>(Foto: Norbert Klups)


Ein Drilling braucht ein komplettes Visier, also Kimme und Korn, wenn der Kugellauf ohne Zielfernrohr benutzt wird. Wird der Dreiläufer auch auf Drückjagden geführt, kommt dies sogar recht häufig vor. Beim schnellen Schrotschuss stört die Kimme aber. Sie muss sich also in die Laufschiene versenken lassen. Die meisten Drillinge haben daher ein so genanntes 'automatisches Visier', was hochklappt, wenn die Waffe auf 'Kugel' gestellt wird. Eine praktische Sache, da man im Anschlag sofort sieht, ob der vordere Abzug den Kugel- oder Schrotlauf auslösen wird. Diese Einrichtung fällt allerdings immer mehr den Sparmaßnahmen zum Opfer oder wird bei Neukonstruktionen von vornherein weggelassen. Eine Kimme ist natürlich immer noch vorhanden, nur muss sie von Hand hochgestellt werden. An Bedienungselementen benötigt der Drilling, neben den beiden Abzügen und der Sicherung, noch einen Umschalter für die Schlosse. Er befindet sich entweder auf der Scheibe neben der Sicherung oder links am Schaft.Wesentlich besser ist aber eine separate Kugelspannung. Das Kugelschloss wird hierbei über einen Spannschieber von Hand gespannt. Wird der Spannschieber betätigt, steht der vordere Abzug auch automatisch auf Kugel. Das hat den Vorteil, dass der Kugellauf bei gesicherten Schrotläufen abgefeuert werden kann und umgekehrt die Schrotläufe bei entspanntem Kugelschloss. Die Sicherung wirkt bei diesen Konstruktionen immer nur auf die Schrotläufe. Die separate Kugelspannung ist, auch wenn sie einen Aufpreis bedingt, eine sehr sinnvolle Einrichtung.


Was bietet der Markt?

Groß ist die Auswahl nicht. Nur noch wenige Firmen bauen Drillinge 'von der Stange'. Wird eine solche Waffe komplett ausgestattet, also mit einem hochwertigen Zielfernrohr bestückt und ein passender Einstecklauf montiert, übersteigt der Preis leicht die 6000 Euro-Grenze. Das günstigste Angebot kommt zurzeit von der italienischen Firma Antonio Zoli. Der Zoli-Drilling ist solide gebaut, dafür aber auch recht gewichtig. Hauptgrund sind hier die 12er Schrotläufe, die einen entsprechend wuchtigen Kasten brauchen. Auch die Merkel Drillinge sind keine Leichtgewichte, dafür aber auch mit 16er oder gar 20er Schrotläufen zu haben.Vom Preis her sind sie ein günstiges Angebot. Nicht wesentlich teurer ist der Plus-Drilling von Krieghoff, der auf zum Großteil auf CNC-Maschinen gebaut wird , und Blasers D 99. Die klassischen Modelle von Krieghoff, Heym oder Sauer verlangen da schon einen wesentlich tieferen Griff in den Geldbeutel, sind dafür aber auch noch echte Handarbeit und klassisch-schöne Jagdwaffen.

Kaliber

Marktübersicht Flintendrillinge


Bei den Schrotläufen sollte aus ästhetischen Gründen das Kaliber 16/70 gewählt werden. 12er Drillinge sind klobige und schwere Waffen und das Kaliber 16 reicht für alle Jagden vollkommen aus.
Ein 20er Drilling ist nur dann eleganter, wenn er einen echten 20er Kasten hat. Die meisten Modelle bauen jedoch auf 16er Kästen auf und sind damit sogar schwerer als ein 16er Drilling, da die Wandungen der 20er Schrotläufe dicker sind. Das Kugelkaliber sollte auf alle Fälle „hochwildtauglich“ sein. Je nachdem ob mehr schwaches Wild auf der Einzeljagd erlegt wird, oder die Waffe oft zu Drückjagden benutzt wird, liegt es zwischen 7x65 R und 9,3x74 R. Die alte 8x57 IRS ist ein guter Kompromiss, wenn nicht zu weit geschossen wird. Sie ist wildbretschonend bei schwachen Stücken und eine erstklassige Drückjagdpatrone. Wer etwas mehr Reichweite will, wird zur .30 R Blaser oder 8x75 RS greifen. Auf alle Fälle sollte es ein Randkaliber sein, da es hier bei Kipplaufwaffen keine Funktionsprobleme gibt. Randlose Patronen benötigen gefederte Auszieherkrallen und die können durchaus mal über die Patrone rutschen. Beim Einstecklauf ist die .22 Hornet die erste Wahl, wenn ein reines Raubwildkaliber für die Schonzeit gewünscht wird. Wer eine Rehwildpatrone will, wird zur 5,6x50 R Magnum, 5,6x52 R oder 6x70 R greifen. Hier ist aber Vorsicht geboten. Rehwildkaliber haben einen weitaus höheren Bodendruck als die Hornet und liegen um ein Vielfaches über der Schrotpatrone. Einsteckläufe in Rehwildkalibern sollten daher nur in wirklich stabile Drillinge neuerer Produktion eingelegt werden, wie z. B. die Krieghoff Plus und Optima Modelle, den Zoli oder den Blaser D 99. Ältere Drillinge mit den klassischen Verschlüssen sind hier überfordert und der Verschluss bekommt schnell fühlbares Spiel. Hier ist die .22 Hornet die richtige Wahl.

Zieloptik

Marktübersicht Doppelbüchsdrillinge


Bei der Zieloptik sollte zunächst ein ausreichend lichtstarkes Glas für die Jagd bei schlechtem Licht montiert werden.Die 50er Optiken sind hier der beste Mittelweg zwischen Lichtstärke und Handlichkeit. Eine 56er 'Sternwarte' muss es nicht sein und bringt auch nicht sichtlich mehr Leistung. Die Vergrößerung sollte variabel sein und die Anfangsvergrößerung so gewählt werden, dass die Waffe auch zum Pirschen genutzt werden kann; also 2,5- oder 3-fach und am oberen Ende 8- oder 10-fach, damit auch ein weiter Schuss auf kleines Raubwild möglich ist. Vergessen sollte man den Gedanken, das Pirsch- und Ansitzglas auch auf der Drückjagd zu benutzen – zumindest auf der klassischen Walddrückjagd, wo mit Schüssen auf 10 bis 25 Meter zu rechnen ist. Auf den Ansitz-Drückjagden ist die normale, variable Optik natürlich absolut brauchbar. Wenn es 'schnell und eng' wird,muss das Glas entweder runter und es wird über die offene Visierung geschossen oder es steht eine spezielle Drückjagdoptik zum Wechseln zu Verfügung. Dazu sollte das Hauptglas unbedingt mit einer Schwenkmontage montiert werden, sonst gibt es hinterher nur Probleme und hohe Kosten. Bei Einhakmontagen ist der Fußabstand vorgegeben und unterschiedlich lange Zieloptiken können kaum montiert werden. Schwenkmontagen sind hier völlig unproblematisch.

Drückjagdoptik

Marktübersicht Bockdrillinge


Als Drückjagdoptik wird entweder ein spezielles Drückjagdzielfernrohr mit sehr großem Sehfeld montiert, das einen Vergrößerungsbereich von 1,5 – 4-fach haben sollte, oder ein Rotpunktvisier völlig ohne Vergrößerung. Sowohl Drückjagdzielfernrohre als auch Rotpunktvisiere lassen sich sehr niedrig montieren, so dass ein schneller Anschlag möglich ist. Der zweite Vorteil einer speziellen Drückjagdoptik ist, dass der Drilling damit ohne montierten Einstecklauf eingeschossen wird. Mündungslange Einsteckläufe verändern durch ihr Gewicht das Schwingungsverhalten des Laufbündels und verändern die Treffpunktlage des großen Kugellaufes. Wird der Einstecklauf ausgebaut, müsste das Zielfernrohr verstellt werden, wenn nur eine Optik vorhanden ist. Durch die Montage eines speziellen Drückjagdzielfernohres, das ohne den auf der Drückjagd unnötigen Einstecklauf eingeschossen wird, wird diese Problematik elegant umgangen.