Home Praxis Nicht für alle bei Welpen auftretenden Mängel darf Züchter haftbar gemacht werden

Nicht für alle bei Welpen auftretenden Mängel darf Züchter haftbar gemacht werden

Im Jahre 2002 verkaufte ein Hobbyzüchter einen zwei Monate alten Rauhaardackelwelpen zum Preis von 500 EUR. Bei ihrer insgesamt achten Untersuchung des Welpen stellte die behandelnde Tierärztin eine Fehlstellung des Sprunggelenks der rechten Hintergliedmaße fest, die zu einer übermäßigen O-Beinigkeit des Dackels führt. Der Besitzer forderte den Züchter zur operativen Korrektur der nach seiner Meinung genetisch bedingten Fehlstellung des Hinterbeins auf, die voraussichtlich 1200 EUR kosten werde. Der Züchter lehnte dies ab, bot aber an, den Hund gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzunehmen oder den Kaufpreis zu mindern. Das lehnte der Besitzer ab und ließ den Welpen auf eigene Kosten operieren. Das hat zur Folge, dass der Hund zweimal jährlich zur Kontrolle untersucht werden muss.

In der ersten Instanz verlangte der Besitzer vom Züchter die Erstattung der bis dahin angefallenen Tierarztkosten für die Wurmbehandlung, das Ziehen der Milchzähne und die Operation am Schienbein in Höhe von insgesamt 1179,06 EUR nebst Zinsen. Er wollte darüber hinaus festgestellt wissen, dass der Züchter die für die erforderlichen Kontrolluntersuchungen zu Lebzeiten des Hundes weiter anfallenden Behandlungs- und Fahrtkosten in Höhe von jährlich 59,52 EUR zu tragen hat.

Das Amtsgericht wies die Klage ab. Auf die Berufung des Besitzers gab das Landgericht der Klage hinsichtlich der geltend gemachten Kosten für die Operation am Schienbein (1009,37 EUR nebst Zinsen) sowie hinsichtlich des Feststellungsantrags statt. Dagegen richtete sich die vom Berufungsgericht zugelassene Revision des Züchters, mit der er die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils erstrebte. Die Revision des Beklagten hatte Erfolg.
Die Richter des BGH stellten u.a. fest, dass die Beurteilung des Landgerichtes: „Als Züchter habe er für eventuelle genetische Fehler eines Hundes einzustehen...“, der rechtlichen Nachprüfung nicht standhält. Dem Kläger steht der ihm vom Berufungsgericht zugesprochene Schadensersatzanspruch nicht zu, weil der Beklagte die dafür erforderliche Pflichtverletzung, von der das Berufungsgericht ausgegangen ist, jedenfalls nicht zu vertreten hat. Auch ein Verschulden – Vorsatz oder Fahrlässigkeit – des Beklagten ist bei dem vorliegenden Sachverhalt zu verneinen, wenn die vier Monate nach der Übergabe erkannte Fehlstellung des Sprunggelenks auf genetischen Ursachen beruhte. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts hat ein Züchter nicht schlechthin für eventuelle genetische Fehler eines Hundes einzustehen. War die Fehlstellung des Sprunggelenks genetisch bedingt, so beruhte sie auf einem schon durch die Zeugung vorgegebenen Defekt der spezifischen, für die Knochenentwicklung maßgeblichen Anlagen des Hundes.
Hinsichtlich eines solchen, in der Natur des Tieres begründeten genetischen Fehlers ist dem Züchter keine Fahrlässigkeit vorzuwerfen, wenn er die Zucht nach den dafür geltenden, auf Wissenschaft und Erfahrung beruhenden züchterischen Grundsätzen betreibt. Es besteht kein vernünftiger Zweifel daran, dass dem Beklagten ein Zuchtfehler nicht vorzuwerfen ist. Der Beklagte betreibt die Hundezucht seit mehr als 30 Jahren, hat damit zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen gewonnen. Er ist im Deutschen Teckelclub als seriöser Züchter anerkannt und war selbst als Zuchtwart tätig. Daraus ergibt sich, dass der Beklagte die Hundezucht mit der erforderlichen Sachkunde und Professionalität betreibt. Gegen ein Verschulden des Beklagten im konkreten Fall spricht darüber hinaus insbesondere, dass nicht zu ersehen ist, wie der Beklagte als Züchter den (vermuteten) genetischen Defekt dieses einzelnen Welpen hätte vorhersehen und verhindern können. Bei den übrigen drei Welpen des Wurfs, aus dem der vom Kläger gekaufte Welpe stammt, ist keine entsprechende Fehlstellung des Sprunggelenks aufgetreten; die Knochen der anderen Hunde haben sich normal entwickelt.

Das Interesse des Klägers war unter diesen Umständen durch seine sonstigen Rechte auf Rücktritt vom Kaufvertrag oder Minderung des Kaufpreises (§ 437 Nr. 2 BGB) – wie vom Beklagten angeboten – ausreichend gewahrt.