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Fuchsjagd für den Artenschutz


Durch die ersten jagdlichen Erfahrungen wurde ich besonders auf eine Wildart geprägt, nämlich auf Füchse. Nach bestandener Jägerprüfung teilte mir der Jagdpächter einen etwa 150 Hektar großen Teil seines Niederwildreviers zu. Sein Auftrag: Raubwild bejagen!

Da stand ich nun, voller Tatendrang, die Büchse geschultert, aber ohne jegliche Erfahrung. So dauerte es einige Zeit, bis der erste Rotrock zur Strecke kam. Aber von diesem Moment an war meine Passion geweckt. Ich war der Jagd auf diese faszinierende Wildart verfallen. Durch Ausprobieren verschiedener Jagdstrategien verfeinerte ich meine Technik zusehends, und es stellte sich ein durchschlagender Jagd- sowie Hegeerfolg ein. Nach 57 erlegten Füchsen in vier Jahren war eine Verdreifachung des Fasanen- und eine Verdopplung des Hasenbesatzes in meinem Revierteil zu verzeichnen. Über den gesamten Zeitraum führte ich Aufzeichnungen bezüglich Datum, Uhrzeit und Besonderheiten der Erlegung.

Mehr wissen, mehr Erfolg

Wie bei anderen Wildarten ist eine Bejagung des Fuchses in dessen Aktivphasen am Erfolg versprechendsten. Das sind die Zeiten während des Selbstständigwerdens der Jungfüchse (ab Mitte Juni bis Mitte August), im Winter bei Schnee sowie in der Ranz (Januar, Februar). Während der Aufzuchtzeit der Welpen im Frühjahr sind die Elterntiere ebenfalls sehr aktiv. Deren Abschuss verbietet sich natürlich im Sinne des Tierschutzgesetzes auch in Gegenden, in denen es keine gesetzliche Schonzeit gibt.

Die Aktivphasen genau kennen

Im Niederwildrevier gilt der Grundsatz: Füchse, die man im Sommer nicht schießt, kommen zur Zeit der Balgreife garantiert nicht zur Strecke. Und die Jungfüchse erkunden in der Regel ab etwa Ende Juni die Umgebung, werden zusehends selbstständiger und sind vermehrt selbst auf Beutezug. Altfüchse suchen sich nun wieder selber verstärkt Nahrung, sind oft auf den Läufen und büßen damit einen Teil ihrer Vorsicht ein.

Kontakt mit Landwirten

Eine Einschränkung der Prädato-renbejagung geht auch zu Lasten gefährdeter Arten, insbesondere der Bodenbrüter.


Oft findet sich eine komplette Fuchsfamilie auf der Wiese ein. Mit Geduld und sicherem Schuss kann ein Geheck innerhalb kurzer Zeit der Wildbahn entnommen werden. Meine Empfehlung: Bitten Sie die Landwirte nicht zuletzt im Interesse der Jungwildrettung um kurze Mitteilung, wann welche Wiese siliert/gemäht wird.


Zur Getreideernte finden wir Füchse auch auf den Stoppelfeldern. Denn dort liegen vom Drusch Körner, die sich Mäuse schmecken lassen – und das weiß auch Meister Reineke. Es ist beeindruckend, wie ein das Stoppelfeld absuchender Fuchs in nur wenigen Sekunden und damit sehr effektiv eine Maus erbeuten kann.

Die verlockendste Wiese oder das frisch gedroschene Stoppelfeld sind aber wenig wert, wenn dort keine geeignete Ansitzeinrichtung vorhanden ist. Für den mobilen Einsatz habe ich mir daher eine zerlegbare Aluleiter angeschafft. Sie war letztlich der Schlüssel zum Erfolg. Schnell ist sie, immer den Hauptwindrichtungen angepasst, an den Brennpunkten an einem Baum oder im Schutz von Sträuchern aufgestellt. So ist es möglich, sich strategisch günstig und getarnt anzusetzen.

Mauspfeifchen ist oberste Pflicht


Als wichtiges Utensil ist das Mauspfeifchen immer mit dabei. Befindet sich ein Fuchs außer Schussdistanz, lässt er sich durch das Reizen zum Zustehen bewegen. Man sollte nicht gleich aufgeben, wenn das nicht auf Anhieb funktioniert. Mich erstaunt immer wieder, wie manche Füchse den Mäusepfiff komplett ignorieren, andere dagegen auf der Brante kehrtmachen und direkt zustehen. Mit der Hasenklage konnte ich noch keinen Erfolg verzeichnen. Ob es daran liegt, dass Hasen nicht so häufig klagend verenden? Oder trauen sich gerade die jungen Freibeuter nicht an die doch große Beute Feldhase heran? Schließlich könnte ihn ja ein noch größerer Beutegreifer gegriffen haben, der auch mir an den Balg will?

© Julius Möhrstedt/Klaus Schendel

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Sind auch in der Dunkelheit hell(er)


Frisch gemähte Wiesen und Stoppelfelder geben einen hellen Untergrund. Auf dem heben sich Füchse auch bei schwindendem Büchsenlicht noch gut ab. Ausgedehnte Ansitze bis nach Mitternacht sind so in der Vollmondphase möglich. Werden die Felder dann Mitte August vom Landwirt gegrubbert oder noch umgeackert, ist es mit der fröhlichen Fuchsjagd erst einmal vorbei. Der dunkle Untergrund ermöglicht keine längeren Ansitze mehr. Mittlerweile sind die Tage auch deutlich kürzer. Die Jungfüchse werden zu Einzelgängern und suchen sich eigene Reviere. Die Altfüchse verlassen ebenfalls die Nähe des Familienverbands. Von nun an wird die spätsommerliche Fuchsbejagung vom Ansitz aus schwieriger.

Hat der Jäger in den Sommermonaten aktiv gejagt, sollte er eine stattliche Zahl an Füchsen zur Strecke gebracht haben. Im Herbst und Winter gilt es dann, auf Rotröcke mit anderen Strategien wie Ansitz am Luderplatz und zur Ranz oder am Bau zu jagen.


Thomas Knödler ist Jungjägerausbilder, geprüfter Jagdaufseher, betreut seit acht Jahren ein Niederwildrevier in Rheinhessen.
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