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Was ist der "Fesselblick" beim Rotwild? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Freitag, 24.12.2021 - 19:59
Fesselblick-bei-Rotwild-1 © Harald Bretis
Auf kurzeen Distanzen lassen sich die Stücke relativ einfach unterscheiden.

Kälber und einjährige Stücke Rotwild (bis Ende Mai) sind für den Durchschnittsjäger meist kaum im Geschlecht unterscheidbar. Tatsächlich ist das Geschlecht der Kälber und der Einjährigen im Frühjahr (Schmalstücke), wenn die Spießer noch „platt“ sind, von erfahreneren Jägern aber mit hoher Wahrscheinlichkeit über den „Fesselblick“ zu bestimmen. Durch das Nässen des weiblichen Wildes verfärbt sich die Innenseite der Hinterläufe im Bereich des Sprunggelenks („Fesselgelenk“ – daher „Fesselblick“) durch den Harn ockergelb bis bräunlich und ist damit ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal auf kurze und mittlere Distanz bei guten Lichtverhältnissen. Hirschkälber und Schmalspießer im Mai sind an der Innenseite der Hinterläufe hingegen weiß bis hellgrau, da diese den Harn über die Brunftrute an der Bauchunterseite absetzen.

Fesselblick-bei-Rotwild-3 © Harald Bretis

Die Verfärbung am Fesselgelenk beim weiblichen Stück ist deutlich sichtbar.

Ziehen in den abschussintensivsten Monaten nach der Brunft (Oktober, November) mehrere Stücke Kahlwild aus, kann der erfahrene Jäger nach sorgfältigem Ansprechen gezielt das Wildkalb erlegen und nicht jenes, welches als Erstes „brettlbreit“ steht. So könnte bereits in der Kälberklasse vermehrt in den weiblichen Bestand eingegriffen werden.

Kennerblick ermöglicht gezielte Bejagung

Durch die breite Basis in dynamischen Rotwildbeständen mit einem Überhang an weiblichen Stücken genügt ein erhöhter Kälberabschuss alleine nicht, um diesen Jahrgang ausreichend zu reduzieren. Deshalb kann eine geschickt überlegte und geplante Frühjahrsbejagung auf Schmalstücke durchaus hilfreich sein. Auch hier erweist sich der „Kälberblick“ mit etwas Erfahrung als verlässliches Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Geschlechtern, wenn mehrere Stücke auf Schwerpunktbejagungsflächen ziehen.

Sonst bleibt es oft dem Zufall überlassen, ob ein Hirsch- oder Wildkalb im Herbst und Winter oder ein Schmalspießer (falls noch keine Spieße geschoben) oder Schmaltier im Mai erlegt wird. Hat der Jäger jedoch die Möglichkeit, recht sicher das Geschlecht der Nachwuchsstücke zu erkennen, wird er in Reduktionsphasen selbstverständlich das Wildkalb bzw. das Schmaltier anstatt der männlichen Stücke erlegen.