Home Praxis Feldversuch: Wie effektiv ist die Kitzrettung mit der Drohne?

Feldversuch: Wie effektiv ist die Kitzrettung mit der Drohne?

Redaktion jagderleben
am
Samstag, 09.05.2020 - 16:20
Drohne-anschalten © Rasso Walch
Der Einsatz der Drohne erfolgt in aller Regel in den frühen Morgenstunden bei kühlen Temperaturen.

Neue Technologien in der Jagd kosten Geld und versprechen einen gewissen Nutzen für den Jäger. Da Drohnen mit Wärmebildkamera zur Rehkitzrettung in den vergangenen Jahren einem starken Preisverfall unterlagen, sind sie nun auch für Otto Normalverbraucher erschwinglich geworden. Für den Feldversuch im Rahmen der Abschlussarbeit zum Akademischen Jagdwirt an der BOKU Wien wurde ein Hexacopter von Yuneec, Typ Typhoon H benutzt.

Dieser hat laut Hersteller eine Flugdauer von 22 Min. abhängig von Wind und Flugmanövern. Die Drohne ist ausgestattet mit einer Wärmebildkamera CGOET, welche optimal für die Beobachtung von warmblütigen Lebewesen geeignet ist. Die Investitionskosten belaufen sich auf 2.600 bis 3.500 €, je nachdem wie viele Akkus man dazu möchte und für welchen Hersteller man sich entscheidet.

Um zu entscheiden, ob tatsächlich ein Mehrwert für den Einsatz dieses Kapitals vorliegt, wurde zum einen ein Feldversuch durchgeführt. Zum anderen wurde in einer Online-Umfrage erhoben, welche Kitzsuchaktionen bisher durchgeführt wurden und welchen Erfolg diese Methoden haben, indem die Anzahl der gefundenen Kitze denen der trotz der Suchaktion getöteten Kitze gegenübergestellt wurde. Insgesamt konnten im Feldversuch drei Rehkitze gefunden werden.

Diese wurden aus der Wiese getragen und mittels Ohrmarke gekennzeichnet, um die Nachhaltigkeit der Methode zu überprüfen. Das Mähen fand am selben Tag, wenige Stunden nach der Rettungsaktion, statt. In den abgeflogenen Gebieten wurde kein Mähverlust festgestellt. Außerdem wurde kein Kitz mit Ohrmarke in diesem Zeitraum durch ein Mähwerk getötet.

Waermebild-Drohne © Rasso Walch

Über den Monitor wird das Bild der Wärmebildkamera ausgespielt – Kitze erscheinen als kleine rote Punkte.

Welche Methode ist die beste zur Kitzrettung?

Die Online-Umfrage mit 560 Antworten von Jägern ergab, dass 29 % der Kitzsuchen mittels Begehung erfolgen, gefolgt von der Begehung mit Hund und den kombinierten Methoden Begehung mit und ohne Hund und Vergrämung mit jeweils 26 %. Lediglich 7 % führen die Kitzrettung bereits mit Drohne und Wärmebildkamera durch. Am ineffizientesten stellte sich die Methode der Vergrämung dar, bei der trotz der Aktion noch über 37 % der Kitze durch die Mahd ums Leben kamen. Am effizientesten hingegen scheint die Suche mittels Drohne zu sein, da hier nur noch 22 % Verlust zu beklagen sind.

Ab welcher Fläche lohnt sich eine Drohne zur Kitzrettung?

Der Faktor dieser Methode zu der nächsteffizienteren (kombinierte Methode) beträgt 1,32. Berücksichtigt man diesen Effizienzfaktor und geht man zudem davon aus, dass dem Einsatz beliebig vieler Personen bei einer Begehung ein Wert in der Höhe eines durchschnittlichen Stundenlohns beigemessen wird, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich der Einsatz einer Drohne ab einem Suchgebiet von mehr als 15 ha pro Jagdjahr lohnt.

Die Vorteile sind zudem, dass die Drohne in wesentlich kürzerer Zeit eine größere Fläche abfliegen kann, als diese durchlaufen wird. Das wirkt sich besonders dann aus, wenn die Wiesen aufgrund der Wetterlage alle zu einem ähnlichen Zeitpunkt gemäht werden. Außerdem werden die Wiesen nicht niedergetrampelt, was das Verhältnis zum Grundbesitzer verbessern kann.

Limitierender Faktor zum Einsatz der Wärmebildkamera ist die Sonneneinstrahlung, da sich unterschiedlich bewachsene Stellen und freie Erdhügel unterschiedlich erwärmen und somit zu Fehleinschätzungen führen.

Für die Zukunft sollte eine Zeitunabhängigkeit erreicht werden, um den Nachteil auszugleichen, dass man nur in den frühen Morgen- bzw. späten Abendstunden suchen kann, und das nur kurz vor der Mahd. Dies würde die Effizienz und den Mehrwert für die Jagd noch einmal steigern, sollten kostengünstige Lösungen gefunden werden. Es gibt bereits Forschungsansätze, die sich des Problems angenommen haben. Dirk Sachon

Die komplette Abschlussarbeit von Dirk Sachon zum Herunterladen finden Sie unter: www.jagdwirt.at/abschlussarbeiten


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