Home Praxis Faszination Gamswild: Die Beste Jagdzeit auf Gämsen ist im Herbst

Faszination Gamswild: Die Beste Jagdzeit auf Gämsen ist im Herbst

Faszinierende Wildart: Gamsbock im Gebirge © Erich Marek

Erste Lektion: Den Rucksack richtig packen

Wer zur Gamsjagd will, sollte sich unbedingt vergegenwärtigen, was ihn im Hochgebirge erwartet. Bergjagd ist nicht nur eine Faszination, sondern auch anstrengend – zumal im Herbst und Winter, die die beste Jagdzeit auf das "Krickelwild" bilden. Auf- und Abstieg sind für Flachländer eine ungewohnte Belastung. Dafür wird der Jäger mit herrlichem Bergpanorama belohnt. Außerdem kann Gamswild den ganzen Tag bejagt werden und Anblick hat man in guten Revieren immer.

Zunächst gilt es, die Gebirgsjagd über das Rucksackpacken anzugehen. Ein Zuwenig im Rucksack kann schlimme Folgen haben, denn Schwitzen und Frieren wechseln sich im Gebirge ab. Ein Zuviel ist allerdings auch nicht gut: Unötiger Ballast zehrt an den Kräften! Darüber hinaus dient der gut gepackte Rucksack als Gewehrunterlage. Ob leichte oder schwere wasserfeste Bergschuhe zu bevorzugen sind, hängt von der Begehbarkeit des Geländes und der Jahreszeit ab, insbesondere vom Bewuchs. Ein Tipp: Knöchelhohes Schuhwerk ist besser geeignet als wadenhohes, das das Steigen erschwert.

Der unentbehrliche Bergstock aus Hasel oder Weißerle muss etwa zwei Hände länger als der Jäger sein und so stark, dass er beim Überqueren von Gräben das Körpergewicht aushält. Ein Hinweis für Unerfahrene: In den Bergen heißt es mit den Kräften haushalten. Auf langsames und stetiges Steigen kommt es an, rasches Gehen überfordert den untrainierten Körper.

Gamswild ist Tagwild

Je nach Geländebeschaffenheit lassen sich die Waldgämsen und die Latschenböcke vom Sitz aus am Nachbarhang oder im hohen Talboden bestätigen. Gesucht und erfasst wird das Wild mit dem Glas, angesprochen mit dem Spektiv. Vom Gelände – seiner Enge oder Großräumigkeit – hängt es ab, ob vom Beobachtungssitz ein sicherer Schuss möglich ist oder der Jäger näher heran muss. Handelt es sich um feste Einstände des bestätigten Stückes, rückt man näher heran, sitzt hinter einem Felsblock oder Latschenbusch, pirscht das Stück eventuell an und sucht sich eine geeignete Schussposition hinter guter Deckung.

Die beste Zeit fürs Jagern sind die Morgenstunden und der späte Nachmittag. Das Wild kommt zu dieser Zeit aus der Ruhe und zieht äsend langsam durch seinen Einstand. Anpirschen macht aber nur Sinn, wenn man von seinem Beobachtungspunkt das Stück im Blick hat und der Wind passt. Sitzen vom Morgen an und Warten am Rand von Karen, von Hochkesseln oder an Berglehnen mit viel Einblick und wo Ruhe herrscht, führt zu jagdlichem Erfolg und hält die Gämsen auch nach dem Schuss in ihren angestammten Einständen.

Durch langjährige Beobachtung weiß der Bergjäger genau, wann und wie das Gamswild wechselt und welcher Wind zu unterschiedlichen Tageszeiten an jeder Stelle des Reviers weht. Guter Wind entscheidet beim Gamsjagern über den Erfolg. Bei unsicherem Wetter, wenn der Wind dauernd dreht, die Hänge herauf- und herunterzieht, sollte man aufs Jagern verzichten und bessere Tage abwarten. Bei stetigem Wetter muss der Jäger beachten, dass sich nach Sonnenaufgang der Wind dennoch umstellt, der nächtliche Talwind zum Bergwind wird. Deshalb können morgens, wenn das Gamswild rege zu werden beginnt, in den Karen die besten Plätze sein, tagsüber dagegen am Grat. Der Jäger schaut dann zu den Gämsen hinab, beziehungsweise das Rudel wechselt zu ihm herauf.

Jagd auf „Wintergams“ nicht nur im Winter

Die beste Jagdzeit für „Wintergams“, also Gamswild im Winterhaar, liegt im Herbst! Und zwar in der Zeit vor der Brunft, wenn sich das Scharwild an den Brunftorten einfindet, die Böcke dorthin ziehen oder bereits in der Nähe stehen. Die Bewegung, die vor der Brunft unter dem Gamswild einsetzt, muss der Jäger für die Bejagung nutzen, um die geringen Stücke zur Strecke zu bringen. Für den Jäger selbst liegen die Vorteile auf der Hand. Abgesehen von gelegentlich leichtem Schneewetter lassen sich die Gamsreviere noch gut begehen. Der Jäger sieht das Gelände, das er beläuft und das vor ihm liegt. Er kann in etwa einschätzen, ob er die Wegstrecke und ihre Schwierigkeit bewältigen kann.

Gegenüber der Sommerjagd und der Jagd im Herbst ist die Jagd zur Bartgamszeit wesentlich schwieriger. Sie stellt an die Kondition des Jägers hohe Ansprüche. Zur Bartgamszeit muss sich der Gastjäger im Hochgebirge nicht nur dem begleitenden Bergjäger anvertrauen, er muss vor allem seine Leistungsgrenzen kennen und richtig einschätzen, damit der Berufsjäger vor der Jagd entscheiden kann, was „geht“ und was „nicht geht“. Denn nur der mit dem Gebiet vertraute Jäger kann abwägen, ob der Gast ihm auf schmalen verschneiten und vereisten Steigen in die Steilheit der Berge folgen kann und ob bei „Stellungswechsel“ die bekannten Durchstiegsmöglichkeiten bei unterschiedlichem Schneewetter dem Gastjäger zuzumuten sind oder nicht.

Zu beachten ist, dass es Gamsgebiete gibt, die dem Gamsjäger natürliche Grenzen setzen. Wegen der Schroffheit sind das im Winter unüberwindliche Rückzugsgebiete der Gämsen, in die ihnen der Jäger nicht folgen kann – trotz Steigeisen und Bergpickel. Der erfahrene Bergjäger kennt die Gefahren, die damit verbunden sind, wenn man den Gämsen dorthin nachsteigt, er weicht ihnen bewusst aus. Wenngleich das steile Hochgebirge zur Bartgamspirsch reizt, es gibt auch im Winter für den konditionell nicht belastbaren Jäger weniger steiles und gefahrlos zu begehendes Terrain.

 

Video: Das Gamswild in seinem Lebensraum (unten)

Schuss genau überlegen!

Neben der körperlichen Anstrengung kommt bei der Bartgamspirsch ein weiteres Problem hinzu: In der „weißen Welt“ ungesehen und ungehört an das Rudel zu kommen. Beim Krachen einer hartgefrorenen Schneedecke ist es unmöglich, sich einem Rudel zu nähern. Bei der Vorbereitung der Bartgamspirsch heißt es immer bedenken, dass man zur Brunft zwar den ganzen Tag über jagen kann, die Tage im November und noch mehr im Dezember aber kurz sind und nicht jeder Tag zur Gamsjagd geeignet ist.

Blauer Himmel, lockerer Schnee und gleichmäßig ziehender Wind – das sind die besten Gamsjagdtage. Auch grau bewölktes, trockenes Wetter taugt für die Gamsjagd. Herrscht Nebel, der sogenannte „Gamshüter“, ist Gamsfeiertag, dann ist am Berg nichts zu wollen. Allerdings: Der Revierkundige weiß den Dauernebel von durchziehenden Nebelfeldern zu unterscheiden, die ebenso schell wieder verschwinden können, wie sie aufgetaucht sind.

Der Schuss im steilen Gelände muss in jedem Fall genau überlegt sein. Wohin wird die getroffene Gams stürzen und ist sie von dort zu bergen? Vor dem Schuss ist zu beachten: Der treibende Bock stellt den Bart wie zu einer Bürste auf und täuscht dadurch „Breite“ vor. Damit der Schuss den Bock weder krellt noch durch den Bart fährt, muss der Jäger wissen, bei welcher Entfernung er mit seiner Büchse wo anhalten muss. HDW

 

Jagdarten auf Schalenwild

Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus dem Kapitel über das Gamswild im dlv-Sonderheft "Jagdarten auf Schalenwild".
Neben dem Gamswild widmet sich die Sammlung auch den anderen bei uns heimischen Schalenwildarten. Alle wichtigen Formen der Einzel- und der Gesellschaftsjagd werden dabei bewertet. Wann und wo lohnt sich die Pirsch, wann der Ansitz, wann ein Standtreiben und wann eine Drückjagd?
Der erfahrene Autor Dr. Hans-Dieter Willkomm jagt seit Jahrzehnten selbst auf Schalenwild. Er kennt die Gewohnheiten des Wildes und ist bei jedem Wetter und zu allen Jahreszeiten in Sachen Jagd unterwegs.

Shop: Sonderheft Jagdarten