Farbe aufs Feld

Mischung Lebensraum Brache Anfang August 2009, wo Wicke, Sonnenblume, Malve, Fenchel sowie die Kolbenhirse ein buntes Bild zeichnen. (Foto: M. Landsmann)



Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) setzt sich schon seit längerer Zeit für den Erhalt und die Verbesserung unserer Kulturlandschaft in Bayern ein. Die Maßnahme A36 (agrarökologische Ackernutzung und Blühflächen) wurde im Laufe der Zeit immer wieder weiterentwickelt und verbessert. Jetzt wurden die Fördersätze angehoben, was die Chancen auf eine Zusammenarbeit zwischen Jäger und Landwirten erhöht. Dabei kann besonders den Niederwildarten wie Hase, Rebhuhn und Fasan aber auch dem Rehwild geholfen werden, ihren Lebensraum und deren Nahrungsangebot zu verbessern. Für den Förderzeitraum 2009-2013 wurde diese Maßnahme vom bayerischen Landwirtschaftsministerium und der EU neu aufgelegt und mit höheren Fördersätzen versehen. Je besser der Boden, desto höhere Fördersätze werden bezahlt. Die Förderhöhe richtet sich dabei nach den sogenannten Bodenpunkten. Bis zu einer Ertragsmesszahl von 2000: 200€/ha und Jahr, je weitere 100 Ertragsmesszahl : 24€/ha und Jahr.

Wie so etwas in der Praxis aussehen kann soll hier kurz geschildert werden: Nicht zuletzt aufgrund der Anhebung der Fördersätze konnte der eigene Betrieb des Autors sowie zwei weitere Betriebe in der Gemarkung Niedermotzing animiert werden, für den Verpflichtungszeitraum 2009-2013 Flächen zur Verfügung zu stellen. Alle drei Betriebe befinden sich im Landkreis Straubing-Bogen in der Gemeinde Aholfing nahe der Donau. Die Böden sind teilweise schwere Tonböden, gute Schwemmlandböden an der Donau sowie auch leichte Kies- bzw. Sandböden. Insgesamt wurden im Jahr 2009 rund 11 Hektar solcher agrarökologischer Ackerflächen neu angelegt.
Verwendet wurden dabei nachfolgende Saatmischungen:

1. Mischung „Lebensraum Brache“
2. Bayerische Qualitätssaatgutmischung für Wiesen und Weiden
3. Mischung „Wildoase universal“
4. Mischung „Wildoase Frühjahr“

Artenzusammensetzung siehe Boxen.

Bodenbearbeitung und Ansaat

Agrarökologische Ackerfläche Mitte Mai 2009, neun Tage nach der Saat. (Foto: M. Landsmann)



Die Ackerflächen wurden alle Ende Oktober 2008 gepflügt. Anfang April 2009 erfolgte zur Einebnung der Flächen die erste Überfahrt mit der Saatbettkombination. Die aufgelaufenen Unkräuter und Ungräser hat Ende April eine weitere Überfahrt mit der Saatbettkombination beseitigt. Zugleich wurde der Boden nochmals rückverdichtet. Die Ansaat mit den genannten Mischungen erfolgt am 8. und 9. Mai mit einer Kreiseleggen-Drillkombination mit pneumatischer Sämaschine mit Scheibenschar und Exaktstriegel. Die schwereren Böden wurden sofort nach der Saat mit einer Glattwalze zum besseren Bodenschluss der Ansaat angewalzt. Bei den leichteren und sandigeren Böden wurden wegen Verschlämmungsgefahr von einem Walzen der Saat abgesehen. Alle vier Ansaatmischungen liefen nach ca. einer Woche infolge ausreichenden Niederschlages zügig auf und bedeckten den Boden gut, um keimende Unkräuter zu unterdrücken. Natürlich muss man fairerweise sagen, dass die Saat nicht alle Unkräuter und Ungräser unterdrücken kann, so dass auch im Sommer in den Beständen ein wenig an Hirse und teilweise an Melde zu sehen war. Die Pflanzen/m² der genannten Unkräuter sind aber verschwindend gering. Im August erreichten die Bestände Höhen von zirka 2,20 bis 2,70m auf den guten Standorten bis ca. 1,40-1,80m auf den etwas leichteren Böden. Die Pflege dieser Flächen beschränkt sich nur auf das Notwendigste. Dabei werden die Kleegrasstreifen einmal jährlich zwischen dem 15.07. und 15.08. gemulcht; die restlichen drei Mischungen sind so konzipiert, das sie während der folgenden fünf Jahre weder gemäht noch gemulcht werden müssen. Durch die verschiedenen Mischungskomponenten entstehen in den nächsten Jahren immer wieder Deckung und Äsung für die Wildtiere sowie blühende Pflanzen für viele nützliche Insekten und Schmetterlinge. Zu sagen wäre noch, dass immer wieder fünf Meter breite Schwarzbrachestreifen auf den Flächen angelegt wurden, die mehrmals jährlich mit einem Leichtgrubber bearbeitet werden. Diese sind vor allem nützlich für das Rebhuhn und den Fasan, die auf diesen „Offenflächen“ innerhalb der Blühfläche hudern und auch laufen können.

Jäger müssen Landwirte gewinnen

Mischung "Wildoase Frühjahr" mit erkennbarem Schwarzbrachestreifen sowie dichtem Bestand Anfang August 2009. (Foto: M. Landsmann)



Insgesamt gesehen bringt diese Maßnahme nach dem KULAP natürlich sehr viel für die freilebende Wildtiere und Insekten. Aber nichts desto trotz bereichert sie auch unsere Agrarlandschaft und die Spaziergänger können sich das ganze Jahr über durch blühende Flächen erfreuen. Es wäre erfreulich, wenn sich viele Jagdpächter mit ihren Jagdgenossen in nächster Zeit- sei es bei den bevorstehenden Treibjagden draußen in den Revieren oder aber auch nur bei einem Treffen von Jagdpächter und Landwirten draußen in der Feldflur- in Verbindung setzten würden, damit auch im folgenden Jahr solche neue „Arche-Noah“-Flächen entstehen können. Denn nur wer die Fläche hat, kann an diesem Programm teilnehmen und das sind in erster Linie die Landwirte. Für den Verpflichtungszeitraum 2010-2014 beginnt die Antragstellung für diese KULAP-Maßnahme an den jeweils zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am 22. November 2009 und dauert bis 22. Januar 2010.

Dipl. Ing. agrar (FH) Markus Landsmann

Weitere Informationen finden Sie hier: www.lfl.bayern.de