Home Praxis Die ersten Jagdhunde

Die ersten Jagdhunde

am
Freitag, 01.03.2013 - 19:04
Windhundartige Jagdhunde sind bereits seit 4.000 v. Chr. bekannt. Foto: Burkhard Stöcker © Burkhard Stöcker

Gehen wir davon aus, dass die ersten Hauswölfe im engeren Familienverband mit den umherziehenden Großwildjägern und Sammlern lebten, so waren das sicherlich lernfähige und freundliche Wolfstypen. Aggressive oder jagdlich überpassionierte Wölfe werden sich die frühen Steinzeitkulturen kaum behalten haben. Der große Unterschied zwischen Wölfen und Hunden ist die Begabung, auf andersartige Sozialpartner einzugehen. Das heißt, ein Wolf ist niemals bereit, vom Menschen so viel zu lernen wie ein Vorstehhund oder gar ein Border Collie. Diese Begabung wurde erst in Jahrtausenden herausgezüchtet und verhält sich auch nicht bei allen Rasse gleich.

Größere Bedeutung durch Technik

Verloren gegangen ist dabei aber ein Teil der Instinkte. Wölfe haben beispielsweise eine sehr ausgeprägte Körpersprache und viel mehr Gesichtsmimik als die meisten Hunde. Sexualverhalten, Geburt- und Jagdinstinkte sind noch weit ausgeprägter als bei vielen Hunderassen. Die Menschen der Nacheiszeit jagten aber nicht nur große, in Rudeln lebende Tiere, sondern vermehrt auch kleineres Wild. Das war erst durch Erweiterung ihrer Technik möglich. Der Speer war nicht mehr die Hauptjagdwaffe, sondern die Entwicklung von Pfeil und Bogen ermöglichte es, Schüsse auch aus größerer Entfernung abzugeben. Dadurch verletztes Wild flüchtete oft mit schweißender Wunde. Erst in dieser Kulturstufe wurde der Einsatz von Hunden bei der Jagd sinnvoll. Dem kranken und flüchtenden Wild wurden in Folge die Hunde nachgehetzt, bis diese das Wild stellen konnten und durch Verbellen die Jäger herbeiholten. Jetzt wuchs die Bedeutung des ersten Haustieres sprunghaft an. Die Hunde waren nicht nur Babysitter, Alarmanlage und Nahrungsreserve in Notzeiten, sondern auf einmal wichtige Jagdhelfer. Die nacheiszeitliche Erwärmung führte zwar zur Ausbreitung des Waldes, aber auch zu einem Rückgang der großen Tierherden in den offenen Landschaften. Neue Techniken beim Sammeln, Fischen, Jagen und Aufbewahren von Nahrungen wurden notwendig. Jäger mit Hunden waren dabei erfolgreicher und konnten die Bevölkerungszahl ihres Stammes anheben. Erstmals in der Geschichte kam es durch moderne Technologien und Jagdpraktiken zu einer Übernutzung der Ressourcen. Die Jäger- und Sammlerkultur erreichte mit der Hilfe des Hundes ihre Kapazitätsgrenze denn die erzielbare Jagdbeute konnte, nicht mehr gesteigert werden.

Hochkulturen und deren Jagdhunde

Erste Hochkulturen entstanden, als die Menschen die tragbare Dichte ihrer Bevölkerungspopulation nicht von natürlichen Zwängen, wie Wetter und Wilddichten, alleine bestimmen lassen wollten. Sie begannen, mit neuen Produktionsmethoden die ökologische Kapazitätsgrenze wesentlich nach oben zu verschieben. Ackerbau und Viehzucht revolutionierten das menschliche Leben. Vor 10.000 Jahren im Mesolithikum begann die größte Veränderung aller Zeiten. In Europa hatte diese Entwicklung auf den großen Inseln im östlichen Mittelmeer ihren Ursprung. Klar, denn die Wildpopulationen auf Inseln gehen früher zu Ende als die auf dem Festland. So brachte man aus Kleinasien erste, domestizierte Ziegen und Schafe mit. Einige brachen aus und verwilderten, andere leben heute noch auf Kreta, wo schon vor über 4.000 Jahren eine minoische Hochkultur blühte. Zur selben Zeit lebten noch lange Jäger und Sammler auf dem europäischen Festland. Obwohl in den Hochkulturen die Jagd keine Existenzgrundlage mehr war, wurden gerade hier die ersten Jagdhunderassen herausgezogen. Die Ägypter und die Perser züchteten zum Beispiel eigene Windhunde. Diese leichten und hochläufigen Wolfsnachfahren mussten schneller als das Wild laufen können, um dieses in die Enge zu treiben. Die auf Pferden nachkommenden Jäger erlegten dann das gestellte Wild.

Erste Einteilungen

Die Römer, Jahrtausende später, waren eigentlich die Ersten, die uns eine Einteilung nach Verwendung der Hundearten hinterließen. Sie unterschieden zwischen Villatici, den Wachhunden, Pastorales, den Hirtenhunden, und Venatici, den Jagdhunden. Die Jagdhunde wiederum wurden unterteilt in Sagaces, welche der Spur folgten, den Celeres, welche auf Sicht jagten, und den Pugnaces, die das Wild packten und kämpften. Wahrscheinlich konnte man bei den Römern schon von einer planmäßigen Zucht sprechen. Was aber bedeutet Hundezucht und was ist eigentlich eine Hunderasse?

Zuchtplanung und Selektion

Hundezucht und Hunderassen entstehen erst durch gezielte menschliche Zuchtauswahl auf bestimmte Erscheinungsbilder und Verhaltensweisen in genetischen Teilpopulationen. Wir wissen aber noch immer nicht wirklich, wann und wo erstmals Hunde gezielt gezüchtet wurden. Erste bildliche Darstellungen aus dem Zwischenstromland Mesopotamien lassen vermuten, dass vielleicht dort auch die Wiege der Hundezucht stand. 4.000 vor Christi entwickelten sich hier bereits erste große Staatsformen mit zentraler Verwaltung. Die älteste heute bekannte Darstellung von wahrscheinlich gezüchteten Jagdhunden ist auf einem bemalten ägyptischen Krug, eben aus dem Endedes 4. Jahrtausends vor Christus. Die Tiere sind hochbeinig mit ausgeprägtem Brustkorb, sie haben Stehohren und eine geringelte Rute und werden von einem mit Pfeil und Bogen bewaffneten Mann geführt. Wahrscheinlich waren diese Jagdhunde windhundartige Sichtjäger. Jahrtausende später, im römischen Weltreich, werden schließlich aus vielen Haustieren systematisch Nutzrassen gezüchtet. Das bedeute aber nicht, dass alle heute gezüchteten Rassen nur auf die in Rom vorhanden Rassen zurückgehen, wie man lange Zeit glaubte. Zimen meinte, Hunderassen entstehen und vergehen wieder, um später in ähnlicher Form, aber eben nicht in gleicher Abstammung wieder aufzutauchen. Neuere Studien allerdings ergaben, dass alle Hunderassen weltweit einen gemeinsamen Genpool haben. Dieser lässt sich in zehn große Haplotypen unterteilen. Die gesamte genetische Bandbreite fand man jedoch nur bei Hunden in China, südlich des Jangtsekiang-Flusses.

Derzeit schließt man daraus, dass der Ausgangspunkt der Domestikation eben dort liegen könnte. Bei uns in Europa finden sich beispielsweise nur vier dieser Hapol-Gruppen. Die Forschung ist diesbezüglich aber noch lange nicht am Ende, denn es gibt auch sogenannte Junk-DNA. Das ist DNA, deren Funktion man nicht kennt. Es ist recht interessant, was die Wissenschaft hierzu noch entdecken wird, denn die Geschichte der Hunde ist auch die Geschichte der Menschheit. In der nächsten Folge befassen wir uns mit der Entwicklung nach dem römischen Weltreich, von der Keltenbracke bis zum neuen Jahrtausend.
Andreas Gass