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Drückjagd: Mit allen Sinnen jagen

Weinrich-Sauen © Kai Weinrich
Jede Chance genutzt: Kai Weinrich mit sauber erlegten Drückjagdsauen.

Schwarzwild sicher zu treffen, ist keine Hexerei“, sagt Kai Weinrich. Das alles sei nur eine Frage der richtigen Vorbereitung auf dem Schießstand. Dort übt der 43-jährige Thüringer vor allem mit seiner Wettkampfbüchse – einer Keppeler im Kaliber .22 Hornet, die ein DDoptics Glas (5-30x50, Duplex-Absehen) trägt.

Pro Jahr macht er damit nicht mehr als 200 Schuss, was für einen Topschützen sehr wenig ist. „Ich habe gemerkt, dass es mir mehr bringt, weniger Schüsse zu machen, dafür aber jeden einzelnen auszuwerten.“ Seine Bestleistung von 199 der 200 möglichen Ringe mit der Büchse lassen bezüglich seiner Trainingsmethode keine Fragen offen.

Drückjagd-Training auch mit der .30-06

Im Herbst übt Kai Weinrich trotz seiner Treffsicherheit regelmäßig mit dem Jagdgewehr, einer Blaser R 93 im Kaliber .30-06 Springfield (Optik: Zeiss 1,5-6x42, Absehen 0), denn auch ihn lassen Schussknall und Rückstoß des starken Jagdkalibers nicht kalt.

„Daran muss ich mich immer wieder gewöhnen, um so sicher zu schießen, wie mit der Hornet“, erklärt der Sportschütze. Sein Trainingsprogramm sieht wie folgt aus: 3 Schüsse 100 Meter sitzend aufgelegt (Probeschüsse), 3 x 5 Schüsse 50 Meter Keiler, 3 x 5 Schüsse Parcours oder 3 x 5 Schüsse im Schießkino.

Verhalten auf dem Drückjagdstand

Kai-Weinrich-Anschlag © Kai Weinrich

Kai Weinrich: „Bei der Bewegungsjagd können Zielhilfen gute Dienste leisten.“

Genauso wichtig wie das Training sei das Verhalten auf dem Drückjagdstand! Hat er diesen bezogen, säubert er zuerst penibel den Boden, um sicher zu stehen. Danach hält er nach Wechseln und Schussschneisen Ausschau. „Wer auf dem Sitz herumtanzt, Kaffee schlürft und Kurznachrichten verschickt, geht meistens als Schneider nach Hause“, warnt der erfahrene Weidmann.

Er bleibt daher die ganze Zeit (!) mit der Büchse in den Händen stehen. Die Vergrößerung des Zielfernrohrs steht dabei auf 1,5-fach. „Sind die Stücke weiter weg, kann man immer noch hochdrehen“, erklärt Weinrich. Während der ersten Stunde isst und trinkt er auch nie etwas, denn kurz nach dem Anblasen sei das meiste Wild auf den Läufen.

Wechseln ihn die Sauen an, sucht er nach einer passenden Lücke (1-2 Meter genügen, sofern die Rotte vorher angesprochen werden konnte) und erwartet die Stücke dort. „Ziel aufnehmen – Mitschwingen – Abdrücken verschmelzen dank des Trainings zu einer Bewegung“, bringt es der Meisterschütze auf den Punkt.

Manche Jäger würden die Sauen auch aufnehmen, mitziehen und in einer Lücke zwischen den Bäumen abdrücken. Seinen Beobachtungen zufolge würden dabei aber oft Bäume getroffen.

Steckbrief: Kai Weinrich

Jagd- und Sportschütze Kai Weinrich © Kai Weinrich

Kai Weinrich: Erfolgreicher Jagd- und Sportschütze

Alter: 46 Jahre
Beruf: Produktmanager (Elektrohandel)
Sportl. Erfolge: Europameister (Mannschaft) im Jagdlichen Schießen (2002); 6. Europameiterschaft im Jagdlichen Schießen (Einzel); Deutscher Meister 2006 (Büchse, Offene Klasse, Altersklasse), Deutscher Meister 2008 (Mannschaft), Deutscher Meister 2011 (Büchse, Offene Klasse); 50 mal Landesmeister Thüringen. 1. uJ-Keiler-Cups 2016. 3. Platz Deutsche Meisterschaften im Jagdl. Schießen (Mannschaft; 2017).
Lieblingswild: Schwarzwild, Muffel, Rehwild (Pirsch)
Jagdwaffe: Blaser R 93
Glas: Zeiss 1,5-6x42 (Abs. 0)
Kaliber: .30-06 (Training & Jagd)
Schuss pro Jahr: ca. 250 mit der Büchse
Tipps: Ob mit dem Luftgewehr, dem Kleinkaliber, einer Hornet oder .30-06 trainiert wird, ist zweitrangig. Entscheidend ist, die Schüsse immer genau auszuwerten. Am wichtigsten ist jedoch, bei der Jagd aufmerksam zu sein, um auch kleinste Chancen zu nutzen.


Redaktion jagderleben Tagesaktuell, multimedial, fachlich kompetent – jagderleben.de versorgt täglich Jägerinnen und Jäger im deutschsprachigen Raum mit Neuigkeiten rund um die Themen Jagd und Natur.
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