Home Praxis Doppelpassion: Jäger und Imker – geht das?

Doppelpassion: Jäger und Imker – geht das?


Sowohl Jäger als auch Imker – genauergesagt "Honigsammler" – gibt es in der Menschheitsgeschichte schon sehr lange. Beides hat Tradition, aber passt es deshalb schon zusammen? Entscheiden Sie selbst. Aus Anlass des erstmals heute begangenen "Weltbienentag" stellen wir Ihnen die Imkerei vor und einen, der die Entscheidung für "Jäger & Imker" schon getroffen hat.

Bienen gab es schon zur Kreidezeit. Der älteste Bernstein-Einschluss mit Biene ist 100 Millionen Jahre alt, wurde in Myanmar gefunden. Zeitig haben Menschen den Nutzen der Bienen für sich entdeckt: Steinzeitliche Honigsammler sind in spanischen Höhlenmalereien verewigt. Im Mittelalter ernteten Zeitler den Honig wilder Bienen aus ausgekofferten Baumstämmen. Ab 900 imkerten Franken und Alemannen bereits mit Strohkörben. Der 30-jährige Krieg vernichtete das Imkerwesen zunächst.

Ab dem 18. Jahrhundert wurde die Imkerei durch Forschungs- und Schulmaßnahmen wieder belebt. Durch das Bestäuben landwirtschaftlicher Pflanzen schaffen Bienen enormen volkswirtschaftlichen Nutzen: Zusammen mit den Bienen-Produkten geht er heute in den Milliarden-Euro-Bereich.

Transparenz beim Honig-Verkauf

Kontrollblick einer Imkerin auf ein Zanderrähmchen: Noch sind nicht alle Zellen der Honigwabe gefüllt und verdeckelt. Bis zur Honigernte wird sie noch etwas Geduld aufbringen müssen.


Seit 1925 gibt es das Markenzeichen „Echter Deutscher Honig“. Da spielt die Verordnung über Honig ebenso hinein wie die Richtlinien des Deutschen Imkerbundes (D.I.B., vertritt hierzulande 90 % aller Imker). Solch ein Honig muss im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erzeugt worden sein, muss streng definiert „naturbelassen“ sein und weniger als 18 Prozent Wassergehalt besitzen. Unverwechselbar ist das „D.I.B.-Einheitsglas“. Sein Etikett mit Herkunftsangaben greift wie ein Siegel auf den Deckel über. Außer der Qualitätswahrung gibt es keine Tabus.

Denn zum Beispiel kommen immer neue Honig-Arten auf den Markt. Manche Wander-Imker platzieren Beuten gezielt an Knoblauch-Feldern. Knoblauchblüten-Honig schätzen Spitzenköche zum Fleisch-Marinieren. Honig wirkt zudem antibakteriell und entzündungshemmend. Sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide unterstützen den Körper beim Kampf gegen freie Radikale. Kleine Wunden und Verbrennungen heilen gut, werden sie mit naturbelassenem Honig behandelt.

Bienen-Hege

Für ein Kilogramm Honig müssen die Bienen Nektar aus 150 000 Blüten saugen.


Neben den Trümpfen Genuss und Volksmedizin können unsere Imker durch die Friedlichkeit ihrer Bienen bei den Mitbürgern punkten. Anders zum Beispiel in Indien: Die wilden Schwärme der Riesenhonigbiene töten gelegentlich Menschen. Die Killerbiene in Brasilien ist eine Kreuzung europäischer mit afrikanischen Bienen – ein hochproduktives, doch aggressives Insekt.

Wie der „Jäger unverdrossen“ hat auch der Imker Rückschläge zu verkraften: etwa ein frostiges Frühjahr oder ein Wespen-Jahr, in dem die Bienenvölker überfallartig gesprengt werden. Manchmal raubt ein starkes fremdes Bienenvolk Vorräte. Oder ein Volk gerät ins „Schwärmen“, muss wieder eingefangen werden.

Die Varroa-Milbe befällt Brut und Bienen. Unlizensierte Wander-Imker breiten die Plage mit befallenen Völkern aus. Im Jahre 2007 starben 80 Prozent der Völker aus unerklärlichen Gründen, vor allem in den USA. Pestizide schwächen die Bienen, auch Virus-Erkrankungen. Und genveränderte Pflanzen wie zum Beispiel Bt-Mais sollen insektenschädliche Gifte absondern.

Dirk Lohmeier © SYS

Dirk Lohmeier, selbstständiger Dipl.-Vermessungsingenieur, Jagdscheininhaber seit den 1980er-Jahren, seit 2009 Imker.

Porträt: Jäger & Imker Dirk Lohmeier

Zunächst kam ich zur Jagd. In unserem Dorf in Westfalen wurde ich Mitglied einer Jugend-Jagdhornbläsergruppe. Den Jägerprüfungskurs absolvierte ich während des Studiums in Bonn. Mit den alten Freunden treffe ich mich noch heute zu Jagd-Wochenenden. Einige Jahre habe ich einen Begehungsschein in einem Damwild-Revier nördlich von Berlin gelöst. Gern jage ich mal in Ost- und Nordeuropa. Ich möchte in der Natur halt immer wieder über den „Tellerrand“ schauen.

Diese Neugier führte mich zur Imkerei. Ein Berliner Freund, Achim Ernst Nürnberg, fragte mich, ob ich ihn beim Imkern unterstützen wolle. Mich hat sofort die Solidarität in unserem Reineckendorfer Imkerei-Verein beeeindruckt - Devise „Alt hilft Jung“. Es werden Tutorien für Jungimker angeboten. Es gibt Ähnliches wie Lehrprinzen auf der Jagd.

Das Imkern zu zweit bietet Vorteile, vier Hände erledigen die Arbeit leichter, ergänzen sich. Von Frühjahr bis Herbst nutzen wir so manchen Samstag für Arbeitseinsätze. Das erfordert die Toleranz der Familien. Wir besitzen ein halbes Dutzend Völker in einem Nutzgarten in Lichterfelde. Menschlichen Vandalismus können wir bei den wehrhaften Bienen ausschließen. Gegen Diebstahl sind wir durch unsere Vereinsbeiträge versichert.

Zweimal jährlich schleudern wir Blütenhonig. Was wir nicht selber verbrauchen, verkauft Achim. Er besitzt seit einem Kursbesuch die Lizenz zum Abfüllen. Hygiene steht bei der Abfüll-anlage in seinem Keller ebenso obenan wie in einem Wild-Zerwirkraum. Beim Honigverkauf braucht man Geduld, man muss sich das Vertrauen der Kunden erarbeiten. Unsere Honigproben haben auf der „Grünen Woche“ zweimal eine DLG-Silbermedaille erlangt. Das motiviert.

In der kalten Jahreszeit hole ich wieder Flinte und Büchse aus dem Schrank. Eine Kanne mit heißem Tee und Honig ist beim Ansitz natürlich immer dabei.

Rückzugsgebiet urbaner Raum

Städte bieten für die Bienen Vorteile: Keine Agro-Chemie, und der Blütentisch ist reich gedeckt. Ähnlich wie der Ernteschock für Feldhase und Fasan in der Feldflur einen Einschnitt bildet, wird ab Jahresmitte die Bienen-Nahrung selbst in der Stadt knapper. In Parks und Gärten sollten darum lang- und spätblühende Staudengewächse gepflanzt werden. Die helfen, das Sommerloch zu stopfen. Am besten werden solche Blühflächen vernetzt.

Es scheint, das Jagen nach Wildbret und Honig ergänzt sich. Bei beidem kommt das Hegen vorm Ernten und als Voraussetzung Respekt vor der Natur. Hartmut Syskowski


PIRSCH Die PIRSCH will informieren, unterhalten und zum Nachmachen aktivieren. Dabei verlässt die Redaktion immer wieder ausgetretene Pfade und fasziniert mit Themen, die man so in einer Jagdzeitschrift nicht erwartet,
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