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Damwild: Ansprechen von Abschusshirschen

Abschusshirsche richtig anzusprechen ist nicht immer leicht.


Auf einen reifen und starken Damhirsch zu jagen, ist sicher für viele Jäger ein Traum. Solche Hirsche werden in der Regel auf der geführten Einzeljagd erlegt, bei der häufig ein Förster oder Berufsjäger das schwierige Ansprechen und somit die Auswahl der zu schießenden Hirsche übernimmt. Der Gast muss daher meist keinerlei Damwild-Erfahrungen mitbringen.

Ganz anders sieht es bei der Jagd auf junge und mittelalte Abschusshirsche aus. Diese werden teilweise bei Sammelansitzen oder Drückjagden freigegeben. Dort ist der Jäger auf sich alleine gestellt, da bei diesen Jagden normalerweise niemand den Gast führt. Daher muss der Schütze in der Lage sein, die Hirsche anzusprechen. Doch gerade für unerfahrene Damwildjäger ist das schwierig.

Zusätzlich führen ziehendes oder flüchtiges Wild, entsprechende Deckung und eine gewisse Portion Aufgeregtheit häufig dazu, dass die Kugel im Lauf bleibt. Natürlich ist das besser, als wahllos zu schießen und falsche Stücke zu strecken. Aber mit ein wenig Vorbereitung hätte sich vielleicht doch noch Erfolg eingestellt, der ja nicht nur im Sinne des Erlegers, sondern auch des Jagdleiters ist.

Erlebnis ist unabhängig vom Geschlecht

Zukunfts-Knieper (2. Kopf): Gute Schaufelbildung, lange Augsprossen, gut ausgebildete Mittelsprosse.


Das Erlebnis an sich ist unabhängig von Geschlecht, Alter oder Trophäe mal mehr oder weniger intensiv. Einem jungen oder mittelalten Hirsch nachzustellen, steht daher der Jagd auf einen reifen Schaufler in nichts nach. Doch welche Hirsche entsprechen den Abschusskriterien? Als klassische Abschusshirsche gelten im Allgemeinen solche, deren Geweih vom gleichmäßig gewachsenen „Hegezielgeweih“ abweicht. Welche Merkmale das im Einzelnen sind, geben in der Regel die Abschusskriterien der jeweiligen örtlichen Hegegemeinschaft vor. Denn diese Richtlinien führen detailliert auf, welche Geweihmerkmale dort in welcher Altersklasse als Abschussgrund gelten.

Unterteilung in Altersklassen

Abschusshirsch: Etwa 6. Kopf, O-Schlitz in rechter Schaufel, ansonsten sehr gut entwickelt, gute Trophäe.


Im Allgemeinen unterteilen die Richtlinien die Hirsche in jung, mittelalt und alt – also in Altersklassen. Je nach Bundesland können die Altersklassen unterschiedlich strukturiert sein. So werden zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen vier (0 = Kälber, 3 = junge Hirsche bis 2. Kopf, 2 = mittelalte Hirsche, 1 = alte Hirsche ab 10. Kopf) und in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern dagegen sogar fünf Altersklassen (0 = Kälber, 1 = Schmalspießer, 2 = Knieper, 3 = mittelalte Hirsche, 4 = alte Hirsche) unterschieden.

Unterscheidung nach derGeweihform

Abschusshirsch: Etwa 6. Kopf, linke Schaufel tief geschlitzt, rechts relativ schmale Schaufel. Der rechte Hirsch ist ein Zukunftshirsch und daher zu schonen.


Innerhalb der jeweiligen Altersklasse unterscheidet man die Hirsche nach der Ausbildung ihrer Geweihe. Hegeziel ist ein schweres und großes Geweih mit gleichmäßigen sowie vollen Schaufeln. Alle Damhirsche in den Jugendklassen, die aufgrund ihrer Geweihform diesen Vorgaben entsprechen, sind zu schonen. Sie werden in einigen Hegegemeinschaften innerhalb der Altersklassen noch in sogenannte Güteklassen eingeteilt und gehören dann zur Klasse „a“. Hirsche mit unerwünschten Geweihmerkmalen, also Abschusshirsche, sind im Rahmen der stückzahlmäßigen Freigabe zu erlegen. Sie werden folglich in der Güteklasse „b“ zusammengefasst.

Kriterien können variieren

Zu schonender Zukunftshirsch: Etwa 7. Kopf, gut veranlagter Hirsch, volle Schaufeln, lange Sprossen.


Die Erlegungskriterien können je nach Hegegemeinschaft leicht variieren. Manchmal sind zum Beispiel Trophäengewichte angegeben, die bei Abschusshirschen in den einzelnen Altersklassen nicht überschritten werden dürfen. Allerdings sind das Ausnahmen und in der Praxis sogar für Profis kaum erkennbar. Im Kern sind es aber überall die gleichen Geweihmerkmale, die einen Hirsch als abschusswürdig klassifizieren.

Wir stellen im Folgenden einige Geweihmerkmale vor, die leicht anzusprechen sind und in den meisten Hegegemeinschaften als Abschussgrund gelten. Hirsche der Jugendklasse, in diesem Fall Geweihte vom 2. Kopf (Knieper), sollten im oberen Bereich der Stangen wenigstens einseitig eine Verbreiterung (Schaufelansatz) von mindestens sechs Zentimetern zeigen, um den Hegezielen zu entsprechen.

Hirsche mit Schaufelansätzen unter dieser Breite können ohne Bedenken erlegt werden. Da es vermutlich keine Optik gibt, die eine Zentimeter-Skala beinhaltet, ist es hilfreich, sich gedanklich zum Beispiel die Breite eines Fünf-Euro-Scheines (etwa 6 cm) vorzustellen. Einfach als Abschusshirsch anzusprechen sind Knieper, deren Stangen denen eines Rothirsches ähneln, also über den Aug- und Mittelsprossen keinen Schaufelansatz ausgebildet haben.

Abgebrochene Sprossen sind kein Abschussgrund

Typischer Abschussknieper (2. Kopf): keine Schaufelbildung, kurze Augsprossen.


Mit steigendem Alter der Hirsche und wachsender Schaufelbreite können sich dort auch zunehmend unerwünschte Merkmale zeigen, die zur Klassifizierung „Abschusshirsch“ führen. Dazu zählen im Allgemeinen Hirsche mit ein- oder beidseitig fehlerhaften und/ oder stark ungleichmäßigen Schaufeln. Das heißt, Hirsche der mittleren Altersklasse, die eine Schaufelbreite von weniger als zehn Zentimetern aufweisen, dürfen vielerorts bejagt werden. Auch hier hilft zur Orientierung ein wohlbekannter Gegenstand: der Bierdeckel (knapp 10 cm breit).

Ein ebenfalls leicht zu erkennendes, aber oft übersehenes Abschusskriterium ist das Fehlen der Aug- und/ oder der Mittelsprosse. Denn in der Regel sucht der Jäger unerwünschte Merkmale häufig als Erstes im oberen Bereich der Stangen. Bei gleichmäßigen, vollen Schaufeln schenkt man dem Geweih dann häufig keine weitere Beachtung mehr. Wichtig ist jedoch, dass die fehlenden Sprossen von Natur aus nicht gewachsen sind. Abgebrochene Sprossen gelten hingegen nicht als Abschussgrund!

Kein Abschussgrund: Die rechte Stange des linken Kniepers ist abgebrochen und wird nächstes Jahr neu geschoben.


Selbstverständlich beschreiben die hier aufgezeigten Abschusskriterien nur ­wenige deutliche Merkmale, die in der Praxis regelmäßig vorkommen. In jedem Fall sollte man sich  mit den für das Jagdrevier geltenden Hegerichtlinien auseinandersetzen und sich im Idealfall vor der Jagd einige Trophäen ansehen oder sogar in einen Tierpark gehen, um ein Gefühl für die verschiedenen Geweihformen zu bekommen. Auch die Fachliteratur (z. B. „Das Damwild. Be­jagung – Hege – Biologie“ von Stubbe/Siefke) liefert wichtige Informationen zu Altersklassen und Geweihformen und trägt dazu bei, das anwechselnde Wild richtig anzusprechen und somit Fehlabschüsse zu vermeiden.

Heiko Arjes


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