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Dachs mit Pilzinfektion – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 18.04.2022 - 10:00
Dachs_Hefepilz © Ernst Lothar
Der Dachs wies über den ganzen Körper verteilt knotige Wucherungen auf.
Dachs_Histoplasmose © Lothar Ernst

Die Histoplasmose hatte sich bei diesem Dachs schon weit ausgebreitet.

Ohne eine genauere feingewebliche (histologische) Untersuchung dieser Hautveränderungen kann nur eine Vermutungsdiagnose gestellt werden: Ursache für diese Hautknoten am Dachs ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion mit dem Hefepilz Histoplasma capsulatum.

Mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit kommen andere Tumoren für die Bildung der Knoten in Frage. Diese Hefepilz-Infektion, Histoplasmose genannt, führt bei Dachsen, Hunden, Katzen, Pferden, wildlebenden Nagern und auch beim Menschen je nach Eintrittspforte der Erreger zu verschiedenen Infektionen. So können entweder Lungen-, Allgemein- oder Hautinfektionen auftreten. Die Ansteckung erfolgt folglich über Inhalation von sporenhaltigem Staub, nach oraler Aufnahme oder über kleine Hautwunden.

Nach der Infektion kommt es durch Entzündungsreaktionen des Körpers zu Knotenbildung und Gewebsnekrosen. Der abgebildete Dachs hat sich vermutlich über kleine Hautwunden mit dem Hefepilz infiziert.

Menschen und Haustiere können befallen werden

Beim Menschen tritt die Histoplasmose vor allem in Süd-, Mittel- und Teilen Nordamerikas sowie in Afrika und Asien auf. In Europa ist sie selten vorzufinden (Blazey u. Grossmann, 2011). In Mehrzahl der Fälle ist nur oder überwiegend die Lunge befallen. Es bilden sich bis zu erbsengroße Knoten. Bei abwehrgeschwächten Menschen kann dies zu lebensbedrohenden Krankheitsbildern führen.

Vorbeugemaßnahmen sind besonders über ausreichende hygienische Maßnahmen möglich, vor allem in Gebieten, von denen bekannt ist, dass der Erreger vorkommt. Die Behandlung der Histoplasmose beim Menschen ist schwierig. Oft ist eine Kombination von Pilzmitteln mit einer operativen Entfernung der Knoten notwendig. Beim Haustier ist eine Behandlung nahezu unmöglich.

Wildtiere als Indikatioren für Krankheiten

Der vorliegende Fall des erkrankten Dachses ist wiederum ein Beleg dafür, dass Wildtiere als Indikatoren für das Vorkommen von Krankheitserregern in einem Gebiet dienen und als solche genutzt werden können. Dies lässt nicht zuletzt der Jagd auch eine Rolle im öffentlichen Gesundheitswesen zukommen. Diese Themen müssen nur ernst genommen und verstärkt aufgegriffen werden!