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Chronic Wasting Disease: Das sagt das FLI zu CWD

Redaktion jagderleben
am
Samstag, 01.05.2021 - 15:58
Dr-Christine-Fast © Friedrich-Loeffler-Institut
Dr. med. vet. Christine Fast, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für BSE/ TSE am Friedrich-Loeffler-Institut.

PIRSCH: Warum sollten wir uns als Jäger eigentlich mit dem Thema befassen?

Dr. Christine Fast: Seit die Chronic Wasting Disease 2016 in Norwegen nachgewiesen wurde, ist sie erschreckend nahe gekommen. Sie ist nicht nur eine fortschreitende, stets tödliche Krankheit, die unter anderem zu einer massiven Auszehrung der Hirschartigen führt, sie verbreitet sich auch sehr leicht. Eine weitere Einschleppung nach Mitteleuropa muss daher unbedingt vermieden werden.

PIRSCH: Wie breitet sich die Chronic Wasting Disease aus?

Dr. Christine Fast: Insbesondere bei der Verschleppung des Erregers über große Distanzen hinweg gilt der Mensch als großer Risikofaktor. Daneben gibt es aber zahlreiche anderen Faktoren, wie z.B. die natürliche Migration der Tiere. Hinzukommt, dass neue wissenschaftliche Ergebnisse vermuten lassen, dass die europäischen Fälle möglicherweise auf neue Varianten des Erregers zurückzuführen sind. Es kann deshalb durchaus sein, dass die CWD in Europa losgelöst von dem Geschehen in den USA aufgetreten ist.

PIRSCH: Bisher schien kein Kraut gegen die CWD gewachsen zu sein. Was lässt Sie hoffen, dass sich das ändern könnte?

Dr. Christine Fast: CWD gehört wie BSE und Scrapie zu den Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien (TSE), die durch fehlgebildete Eiweiße (Prion-Proteine) verursacht werden. Die Empfänglichkeit für TSE-Erkrankungen weist bei vielen Spezies eine starke genetische Komponente auf. So konnte beispielsweise bei Schafen durch eine gezielte Zucht auf resistentere Tiere in vielen Ländern Europas die Scrapie deutlich zurückgedrängt werden.

Erfolgreiche Bekämpfung einer Prionerkrankung fußt immer auf mehreren Maßnahmen

PIRSCH: Gibt es erste Anzeichen dafür, dass es bei unseren heimischen Hirschen ähnliche Resistenzen gibt?

Dr. Christine Fast: Bei nordamerikanischen Hirschen wurden tatsächlich bereits genetische Resistenzen nachgewiesen. Zu den in Europa beheimateten Arten gibt es bisher nur sehr wenige Daten. Das gilt auch für Deutschland.

PIRSCH: Wie beabsichtigen Sie denn herauszufinden, ob es bei Reh-, Rot- und Sikawild auch solche Resistenzen gibt?

Dr. Christine Fast: Die individuelle genetische Information, die DNA, steckt in jeder einzelnen Zelle. Wir werden diese aus Körperproben präparieren und können so das entsprechende Gen und damit den Aufbau des körpereigenen Prion-Proteins analysieren.

PIRSCH: Bei unseren Hirschartigen handelt es sich nicht um Vieh, das wir gezielt verpaaren können …

Dr. Christine Fast: Die erfolgreiche Bekämpfung einer Prionerkrankung fußt immer auf mehreren Maßnahmen. Die effektivste ist dabei die Zucht, die uns beim Wild natürlich nicht zur Verfügung steht. Die Ergebnisse dieser Studie werden jedoch die Frage klären, wie gefährdet unsere heimischen Hirschartigen tatsächlich sind, sollte die Erkrankung eingeschleppt werden. Das erlaubt eine genaue Risikoabschätzung und stellt so die Basis künftiger wissenschaftlich fundierter Bekämpfungsstrategien dar, die es uns dann hoffentlich ermöglichen, die Folgen der CWD abzumildern und Bestände lokal zu erhalten.

Jägerinnen und Jäger können einen großen Beitrag leisten

PIRSCH: Welche Rolle spielen wir Jäger in diesem Projekt?

Dr. Christine Fast: Um einen repräsentativen Überblick zu der bei Hirschartigen in Deutschland auftretenden genetischen Grundlage des körpereigenen Prion-Proteins zu bekommen, brauchen wir Körperproben dieser Tiere aus allen Teilen Deutschlands. Uns interessieren dabei insbesondere Proben von Rot-, Reh- und Sikawild beider Geschlechter und aller Altersstufen. Hier können die Jägerinnen und Jäger einen großen Beitrag leisten, indem sie uns aus ihren Jagdrevieren Proben zukommen lassen. Am besten geeignet sind dabei Milz, Herz oder Niere. Gerne auch Gehirn (verlängertes Mark) oder tiefe Halslymphknoten. Wir benötigen für unsere Untersuchungen auch nur sehr wenig Material, ein Gramm ist völlig ausreichend.

PIRSCH: Wie und an wen sollte das Probenmaterial geschickt werden?

Dr. Christine Fast: Die Proben müssen in einem auslaufsicheren Gefäß an unser Labor (FLI, Labor Dr. Christine Fast, Südufer 10, 17493 Greifswald versandt werden. Wir stellen entsprechende Probengefäße auch gern zur Verfügung.

PIRSCH: Wo steht das Projekt jetzt gerade?

Dr. Christine Fast: Das Projekt hat im März begonnen. Wir sind gerade dabei, zu den verschiedenen Jagdgorganisationen in Deutschland Kontakt aufzunehmen und sie um Mithilfe zu bitten. Wir bieten auch Informationsveranstaltungen zum Thema CWD an, in denen wir u.a. unser Projekt vorstellen. Darüber hinaus sollen zoologische Gärten und Veterinärpathologien miteinbezogen werden, um an eine möglichst breite Probenauswahl zu gelangen.

PIRSCH: Und bis wann erwarten Sie erste Ergebnisse?

Dr. Christine Fast: Abhängig davon, wie viele Proben zu uns eingesandt werden, sollten wir nächstes Jahr im Sommer schon umfangreiche Ergebnisse vorliegen haben, die wir den beteiligten Personen dann auch gerne vorstellen werden.


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