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Bockjagd: Tipps für Jäger zur erfolgreichen Jagd auf Rehböcke

Phil Kahrs © Phil Kahrs
Phil Kahrs
am
Mittwoch, 25.05.2022 - 17:20
Rehbock steht im Feld. © szczepank - stock.adobe.com

Die richtige Ansprache von Rehböcken

Wer effektiv und nachhaltig im Mai auf Rehböcke waidwerken möchte, sollte bereits im Vorfeld ein wenig vorgearbeitet haben. Im April lassen sich wunderbar die Altersklassen unterscheiden und Einstände bestätigen. "Jung verfärbt früh und fegt spät" – diesen Satz hat wohl jeder Jäger sich einmal einprägen müssen. Auch der zierliche Körperbau verrät die Jährlinge. Diese und schwache, ältere Böcke sollten im Mai im Fokus der Bejagung stehen. Das gibt den starken Sechsern die Chance, in der Blattzeit noch einmal ihr Erbgut weiterzugeben.

Am richtigen Ort ...

Nach dem Winter erfreut sich das Rehwild an der Sonne und dem saftigen Grün. Wiesen, Bachtäler, nach Süden ausgerichtete Hänge sind wahre Rehwildmagneten, allen voran die Rapsfelder. Im Wald lohnt es sich, die Jagd auf Wildäcker und Waldkanten zu konzentrieren. Wer die Gefahr von Wildunfällen verringern möchte, bejagt an Straßen grenzende Flächen.

... zur richtigen Zeit

Wer morgens raus geht, sollte genügend Zeit einplanen. Anstelle der üblichen zwei Stunden nach Sonnenaufgang, kann man hier ruhig solange sitzen, bis die Sonne hoch genug steht und die Felder und Wiesen aufgeheizt hat. Abends sieht das ähnlich aus. Meistens ist erfolgreicher, wer bei sonnigem Wetter eher früher als spät die Fahrt ins Revier antritt. Auch die Mittagszeit eignet sich gut für einen spontanen Ansitz. Bei acht bis elf Äsungszyklen am Tag ist das Rehwild auch tagsüber oft auf der freien Fläche zu sehen. Anders als im Herbst und Winter zieht es die kleinen Trughirsche nach dem Äsen meistens nicht in die Dickung, sondern sie bleiben auf dem Feld, um Sonne zu tanken und wiederzukäuen.

Im Frühjahr ziehen die Rapsfelder das Rehwild magisch an.

Jagdstrategie

Sammel- bzw. Gemeinschaftsansitze bringen am Anfang des Jagdjahres hohe Strecken. Angesetzt nach den Fähigkeiten der jeweiligen Jäger lohnt es sich, dementsprechend Schwerpunkte bei der Bejagung zu setzen. Auch hier sollten vor allem die „fängischen“ Stellen an den Rapsschlägen abgesetzt werden. Wer das Revier lieber auf der Pirsch bejagt, hat den Vorteil, verschiedene Flächen in Augenschein zu nehmen und schnell auf Lageänderungen reagieren zu können. Doch Vorsicht: Wer sich viel und unbedacht bewegt, bringt auch eine Menge Unruhe ins Revier.

Ansitzplanung

Nicht immer steht die Lieblingskanzel an der erfolgversprechendsten Fläche. Mobile Kanzeln, flexible Scherensitze, leichte Ansitzleitern sind zu Beginn der Jagdzeit erste Wahl. Verteilt am Rand der bevorzugten Äsungsflächen bieten sie die Möglichkeit, regelmäßig Rehwild in Anblick zu bekommen. In Knicks eingegliedert oder im Schatten der Bäume aufgestellt stören sie das Wild am wenigsten. Im Wald bieten sich Lichtungen und Freiflächen für den Ansitz an. Wer kreativ bei der Wahl des Standorts ist, hat auch Jagderfolg.

Das geeignete Werkzeug

Mobilität ist das Stichwort bei der Rehwildjagd im Frühjahr. Eine Büchse, leicht genug für die Pirsch, wird sowohl dem Feld- als auch dem Waldjäger beim Weidwerken dienlich sein. Der klassische Repetierer für einen schnellen, zweiten Schuss ist dabei wohl die beste Wahl. Eingeschossen auf GEE ist die Waffe sowohl auf kurze als auch längere Distanzen effektiv einsetzbar. Ein Schalldämpfer erhöht die Chance auf eine Dublette.

Eine Patrone, ausgewählt nach den Bedürfnissen

Die Schussentfernungen bei der Jagd im Wald sind begrenzt. Hier empfehlen sich moderate und das Wildbret schonenende Patronen wie die .308 Winchester in entsprechenden Laborierungen. Damit ist man zudem für spontan auftretendes, stärkeres Schalenwild bestens gerüstet. Wer es allein auf das Rehwild abgesehen hat, kann auch auf Kaliber unterhalb der hochwildtauglichen Grenze von 6,5 Millimetern zurückgreifen. Dafür eigenen sich die .222 und .223 Remington sowie die 5,6x50 Remington Magnum.

Im Feld ist es hingegen besser, auf rasantere Patronen wie die .22-250 Remington zu setzen. Moderne Kaliber wie die 6,5 Creedmoor bieten eine gute Mischung aus gestreckter Flugbahn, mehr als ausreichender Zielenergie auf die gängigen Distanzen und angenehmem Rückstoßverhalten. Doch auch alte Klassiker im Bereich der 7-mm-Kaliber oder Patronen wie die .30-06 Springfield haben im Feld immer noch ihre Berechtigung.

Für die Feldjagd eignen sich besonders rasante Kaliber wie die 6.5 PRC.

Kleine Helferlein für die Rehwildjagd

Für die Jagd auf Feldrehe haben sich vor allem Spektiv und Entfernungsmesser als Ausrüstungsgegenstände bewährt. Mit dem Spektiv lässt sich das Wild selbst auf mehrere hundert Meter gut ansprechen. So erkennt der Jäger schnell, ob sich die Pirsch lohnt. DAs spart vor allem unnötige Unruhe im Revier. Wer kein Spektiv besitzt, kann auch die Digitalkamera mit Teleobjektiv benutzen. Ein geeignetes Stativ sorgt für einen ruhigen Bllick durch die hochvergrößernde Optik.

Gerade im Feld kann es schnell vorkommen, dass die Entfernung zu einem Stück deutlich unterschätzt wird. Fehlschüsse sind die Folge. Mit dem Wissen um die korrekte Entfernung verringert sich diese Gefahr. Auf der Pirsch, sowohl im Feld als auch im Wald, helfen mehrbeinige Schießhilfen. Sie unterstützen dabei, einen sauberen Schuss anzutragen. Der Pirschstock ist jedoch auch ein sinvoller Begleiter zum Ansitz. Wer wurde nicht schonmal auf dem Weg zum oder vom auserwählten Hochsitz vom Wild überrascht?

Entfernungsmesser und Notizblock sind eine große Hilfe bei der Feldjagd.

Versorgung der Stücke

Im Mai sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass an schönen Frühlingstagen die Temperaturen schnell in die Höhe schießen können. Um ein hochwertiges Lebensmittel zu erzeugen, sollte das Wild immer so schnell wie möglich versorgt werden. Während des Haarwechsels kann das Aufbrechen eine Herausforderung sein. Bei schlechten Schüssen die verschmutzen Wildbretteile großzügig entfernen. Mit Wasser ist das „Problem“ in der Regel nicht zu lösen.


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