+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.896 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 19.5.2022) +++
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Bock mit dicker Backe – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 04.04.2022 - 10:00
Rehbock mit starker Umfangsvermehrung am Haupt. © Ferdinand Pirmann/ Archiv Dr. Armin Deutz
Rehbock mit starker Umfangsvermehrung am Haupt.

Wie der Erleger berichtet, wurde der etwa 4-jährige, hochgradig abgemagerte Rehbock (12 kg) als Hegeabschuss erlegt. Neben der Umfangsvermehrung am Haupt fiel besonders ein auffallend intensiver Geruch des Wildkörpers auf.

Bei einer Untersuchung des Rehbockes an der Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen in Klagenfurt ergab sich folgender Befund: Ursache der Umfangsvermehrung ist ein Tumor (Plattenepithelkarzinom), ausgehend von der Haut oder der Maulschleimhaut. Die Hautzellen zeigen ausgeprägte Variationen in der Zell- und Zellkerngröße und eine hohe Zellteilungsrate, was auf die Bösartigkeit des Tumors hinweist.

Durch Sonnenlicht ausgelöst?

Plattenepithelkarzinome sind bösartige, von der Haut oder von Schleimhäuten ausgehende Tumore. Sie entwickeln sich in erster Linie auf schwer lichtgeschädigter und oft auch vorgeschädigter Haut. Sie wachsen warzenartig, häufig geschwürig zerfallend und teilweise verhornend. Plattenepithelkarzinome sind ein gutes Beispiel für einen durch Sonnenlicht ausgelösten Hauttumor. Da offenbar die kumulative Sonnenexposition („UV-Lebenszeitkonto“) dabei eine entscheidende Rolle spielt, steigt das Risiko für Plattenepithelkarzinome mit steigendem Lebensalter. So wurde vom Autor ein Plattenepithelkarzinom bei einer 23-jährigen(!) Gamsgeiß diagnostiziert.

Plattenepithelkarzinome neigen zur Metastasierung, also zur Bildung von Tochtergeschwülsten, beispielsweise in Lymphknoten oder in der Leber.

Untersuchung durch Tierarzt notwendig

Aus wildbrethygienischer Sicht sind Stücke mit Geschwüren oder aber Abszessen zumindest untersuchungspflichtig durch einen amtlichen Fleischbeschauer, wenn der Verfügungsberechtigte sich nicht zu einer unschädlichen Beseitigung (TKV) des betreffenden Wildes entscheidet.

Im vorliegenden Fall wäre für eine genauere Untersuchung durch einen amtlichen Tierarzt natürlich auch das Haupt des Rehbocks erforderlich.