Wenn Blut fließt

Die Auseinandersetzung mit Reineke ging nicht ohne größere Blessuren ab: Nasenschwamm, Lefzen und Zunge wurden verletzt. (Foto: M. Meyer)


Angefangen vom dreckverschmierten Fang über Sand in Nase und Augen bis hin zu großen Bisswunden in Nasenschwamm, Fangbereich, Kopf und Behängen. Alles ist blutverschmiert. Der Fuchs hat alles gegeben, um den Bau nicht verlassen zu müssen und sich heftig verteidigt. Bei genauem Hinsehen fällt dann zusätzlich noch ein ausgebrochener Fangzahn bei unserem Hund auf und Blut fließt aus der Nase.
Auch wenn es weniger dramatisch verlaufen ist und der Hund aus dem Bau kommt, muss eine gründliche Untersuchung des Hundes auf mögliche Verletzungen erfolgen. Gerade Verletzungen im Fangbereich können sonst dem Hundeführer verborgen bleiben und so unter Umständen erst Tage später als eitrige Infektion auftreten.

Wasser mitführen

Ein Kanister mit sauberem Wasser und ein Handtuch dienen als Erstes dazu, dem stark verschmutzten Hund den Kopf und den gesamten Körper vorsichtig zu reinigen. Vorsichtig deshalb, damit nicht der Schmutz eventuell noch tiefer in etwa vorhandene Wunden gerieben wird und so aus einer oberflächlichen Biss- oder Rissverletzung erst im Nachhinein eine tiefere, verschmutzte Wunde entsteht. Danach erfolgt dann zuerst eine gründliche Spülung beider Augen, um den dort in den Augenlidern vorhandenen Sand zu beseitigen, der ansonsten durch seinen Schmirgeleffekt im ungünstigen Fall zu Hornhautverletzungen führen kann.
Dazu legt man vorsichtig ­einen Finger auf das untere Augenlid und einen anderen Finger auf das obere Augenlid, sodass man in der Lage ist, diese ein wenig zu öffnen. Sodann lässt man am besten von einem Helfer Wasser auf den Augapfel laufen und spült so lange den Sand in Richtung der Nase aus dem Auge, bis keine Verschmutzungen mehr sichtbar sind. Mit einem Tuch dem Hund das Auge auszuwischen, sollte wegen der Gefahr der Hornhautverletzung unterbleiben.
Da die Öffnung eines Fünf-Liter-­Kanisters weniger geeignet ist, um eine punktgenaue Spülung beider Augen vorsichtig durchführen zu können, benutzt man im ­optimalen Fall eine Augenspülflasche aus Kunststoff, wie sie auch in allen betrieblichen Erste-Hilfe-Sets vorhanden sein muss und die man zu einem Preis von zirka zehn Euro überall erwerben kann. Diese sind teilweise mit einer ­Augenspüllösung befüllt und lassen sich für den zweiten Gebrauch vor einer Baujagd dann erneut mit klarem ­Wasser oder mit Kochsalz­lösung 0,9 Prozent auffüllen.
Eine solche gründliche Spülung ist auch für die Reinigung einer mit Sand verschmutzten Nase brauchbar. Zwar hat man beim Hund aufgrund der sogenannten Flügelfalte, die den Eingang in die Nasengänge verschließt, keine Chance, weit in die ­Nase hineinzukommen. Jedoch ist die Spülung im vorderen ­Bereich meist schon ausreichend, um dem Hund das Luftholen durch die Nase wieder zu ermöglichen.
Auch stark blutende Verletzungen, wie sie zum Beispiel bei Bissen und Einrissen in den Behängen vorkommen, sollten zuerst mit Wasser gereinigt werden, bevor sie mit einem Druckverband versehen werden. Um einen ­solchen Druckverband an den Behängen durchzuführen, werden die Behänge über dem Kopf mit einem Kopfverband, der unter dem Hals hindurchläuft, verbunden. Andere stark blutende Verletzungen im Kopfbereich lassen sich häufig nicht verbinden, da ein Verband schlichtweg abrutschen würde.

Blutungen stillen

Die Verletzun­gen bei diesem Terrier dürften eine tierärztliche Versorgung erfordern. (Foto M. Meyer)


Meist ist da nicht mehr möglich, als die Wunde mit der Hand zusammenzupressen. Sofern man in der Lage ist, die Stelle, aus der das Blut austritt, genau zu lokalisieren, ist jedoch auch die Anwendung einer Wundklemme möglich. Dabei sollte aber genau darauf geachtet werden, ausschließlich das Gefäß und möglichst nur wenig umliegendes Bindegewebe abzuklemmen. In keinem Fall darf man dabei die äußere Haut mit einbeziehen, um einem Gewebeschaden durch die ­dadurch erzeugte Blutarmut in diesem Bereich vorzubeugen. Ein Versorgen mit Salben ist nicht anzuraten, da für den Fall einer anschließenden tierärztlichen Versorgung jegliche Salben eher eine Naht erschweren und die Wund­heilung verhindern. Auch hier ist alleiniges Auswaschen mit sauberem Wasser als Erst­versorgung das Mittel der Wahl.
Im schlimmsten Fall wird man bei der Untersuchung des Hundes halb abgerissene Nasenschwämme oder gar ausgebrochene Kieferteile feststellen. Manchmal sieht man im Fang, besonders im Bereich des Zahnfleisches, Öffnungen, durch die der Hund zu atmen scheint. Diese Durchbisse sind meist blutverschmiert, jedoch nicht selbst blutend. Durch das recht weiche Gewebe verschließt sich solch eine Bissverletzung dann auch relativ schnell, sodass eine genaue Untersuchung dieser eventuell entstandenen Kanäle unter Zuhilfenahme einer Sonde beim Tierarzt erfolgen muss.
Solche Kanäle, die – wie beschrieben – teilweise ihren Verlauf vom Zahnfleisch bis in die Nase haben können, müssen tierärztlich gründlich gespült und dann so weit aufgefrischt werden, dass bei der Wundheilung kein Dauerfistelgang übrig bleibt. Permanente Infektionen der Nase, die meist durch einseitigen, oft eitrigen Nasenausfluss erkennbar sind und durch die immer vorhandenen Maulhöhlenbakterien des Hundes ausgelöst werden, können die Folge einer solchen Dauer­fistelbildung sein.
Hier liegt natürlich auch das Problem aller anderen die Haut durchdringenden Verletzungen, die ein Biss verursacht. Auch die Maulhöhle des Fuchses oder Dachses ist so stark mit krankheitser­regenden Keimen versehen, dass jede Bissverletzung, egal wie sauber sie gespült wurde, immer infiziert ist. Ein Offenlassen der Wunde, um eine lokale Behandlung derselben mit antibiotischen Salben durchführen zu können, ist jedoch nicht immer möglich.

Bitte kein H2O2

Gerade bei abgerissenen Hautanteilen ist eine Versorgung der Wunden durch eine Naht nicht zu vermeiden. Häufig wird auch von den Hundeführern sofort vor Ort die Haut geklammert, um so eine Blutung zu stillen. In vielen Fällen ist dagegen nichts einzuwenden, sofern vorab eine gründliche Reinigung der Wunde stattgefunden hat. Jedoch ist eine allgemeine antibiotische Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum durch einen Tierarzt dringend anzuraten. Ansonsten befinden sich in der Tiefe der Wunden, egal wie gründlich gereinigt wurde, noch genügend Bakterien, sodass eine eitrige Entzündung unter dem Klammerverschluss die unvermeidbare Folge ist.
Häufig sieht man in der tierärztlichen Praxis Wunden, die vom Hundeführer bereits mit drei Prozent Wasserstoffperoxid gesäubert wurden. Bei der Anwendung von H2O2 wird jedoch während der Einwirkung Sauerstoff freigesetzt und es besteht so die Gefahr, dass durch die Gasbildung Bakterien aus der Tiefe erst richtig in das umliegende Gewebe gepresst werden. Ich halte für die Spülung solcher Wunden die Anwendung von Betaisodonnalösungen (20 bis 50 ml Konzentrat auf ­ 1 Liter Wasser) für geeigneter, um tiefe Bisswunden zu spülen, da die Desinfektion durch den in der Lösung befindlichen Jodkomplex und ohne Freisetzung von Gas erfolgt. Die Anwendung dieser Lösungen kann auch vom Hundeführer zur Erstversorgung genommen werden, da durch diese Lösung auch ein tierärztlicher Wundverschluss im Gegensatz zu den zuvor erwähnten Salben nicht erschwert wird. Da Betaisodonna sich auch als Konzentrat sehr gut lagern lässt, ist auch hier die Mitnahme im Notfallpaket für den Hund zu empfehlen. Wenn auch nur in selteneren Fällen ist auch das teilweise oder vollständige Ausreißen eines oder mehrerer Zähne aus ihrer Verankerung im Kiefer bei der Baujagd möglich. Auch hier ist immer noch nicht alles verloren. Bei sofortiger tierärztlicher Intervention ist es möglich, solche Zähne wieder zurückzuverlagern und unter Zuhilfenahme einer Kunststoffschiene zu fixieren. Oft sind es die Fangzähne, die dann senkrecht vom Zahnfleisch in Richtung Lefze wegstehen, Bei frischen Verletzungen ist eine Prognose in Bezug auf die Haltbarkeit solcher Zähne durchaus günstig. Ungünstig und nicht sehr gut ist die Prognose, wenn beim seitlichen Herausbrechen ein Abriss der den Zahn versorgenden Gefäße erfolgt. Ob ein solcher Zahn wieder anwächst und ob der Zahn weiter lebt, ist dann vom jeweiligen individuellen Heilprozess abhängig. Jedoch sollte ein Versuch der Wiederherstellung schon deshalb erfolgen, weil ein Bauhund vor allem seine Fangzähne benötigt.
Weniger günstig, jedoch auch noch nicht hoffnungslos ist die vollständige Avulsion (das vollständige Ausbrechen eines Zahnes). Sofern der Hund den Zahn dabei nicht im Bau verloren hat, sondern dieser beim Ausschliefen des Hundes aus dem Bau noch 'am seidenen ­Faden hängt', ist der Zahn ­sofort in ein ­zumindest wassergetränk­tes Tuch zu ­legen. Hierbei hat sich die ­Anwendung von Milch beziehungsweise eine aus der Apotheke besorgte Zahnlösung als ideal erwiesen. Da menschliche Zähne jedoch kleiner als die Fangzähne eines Hundes sind, müssen meist zwei dieser mit Spüllösung versehenen Behältnisse in der Apotheke erworben und in ein größeres Gefäß umgefüllt werden.
Meist ist die Aufbewahrung in Filmdosen möglich. Der Tierarzt wird dann, sofern zwischen der Avulsion und dem Tierarztbesuch weniger als zwei Stunden vergangen sind, den Zahn wieder einsetzen und auch diesen mit einer Draht-/Kunststoffkonstruk­tion an den daneben liegenden Zähnen verankern. Nicht selten heilt auch solch ein Zahn wieder ein.