Home Praxis Blattjagd: Mit einem ungewöhnlichen Einfall zum Jagderfolg

Blattjagd: Mit einem ungewöhnlichen Einfall zum Jagderfolg

Redaktion jagderleben
am
Samstag, 25.07.2020 - 07:23
Rehdeckenschirm_Aufmacher.jpg © Erich Marek
Erich Marek in seinem "Blattstand" aus Rehdecken

Als Wildtier- beziehungsweise Jagdfotograf bin ich darauf angewiesen, die Stücke möglichst nah vor den Schirm zu lotsen. Denn nur wenn Licht und Entfernung passen, lässt sich später auf dem Foto jedes Haar erkennen. Hin und wieder gelingt es sogar, die Spiegelungen in den Lichtern im Bild festzuhalten.

Die besten Rehbockbilder gelingen gewöhnlich in den Monaten Mai, Juli und August. Auch wenn man im Mai sehr viel Wild vor die Linse oder Büchse bekommt, stelle ich den Böcken jedoch am liebsten zur Blattzeit nach – nicht nur als Fotograf, sondern ebenso mit der Büchse. Wie andere Rehwildjäger trage ich dabei Tarnkleidung und benutze einen Schirm, um mich unsichtbar zu machen. Damit der Bock tatsächlich zusteht, setze ich den Rottumtaler Rehwildblatter von Klaus Demmel ein. Der Locker sieht nämlich nicht nur sehr gut aus, sondern mit ihm lassen sich – ein wenig Übung vorausgesetzt – Locklaute vom Kitzfiep bis zum Angstgeschrei nachahmen.

Zwei Rehdecken im Gepäck

Seit einigen Jahren benutze ich beim Schirmbau jedoch keine Tarnnetze mehr, sondern spanne zwei gegerbte Rehwild-Sommerdecken als Sichtschutz ein. Die Idee kam mir, als ich am Rande eines kleinen Moores auf einen heimlichen Sechser ansaß. Ich hatte ihn schon im Frühjahr bestätigt, wollte ihn aber erst zur Blattzeit erlegen, wenn er seine rote Sommerdecke trägt.

Der Plan war gut, allein der Bock spielte nicht mit. Was ich auch anstellte, so verlockend ich auch blattete, der Bock ließ sich immer nur für einen ganz kurzen Moment am Rande des Moores blicken. Dort sicherte er schnell und verschwand auch gleich wieder. „Was läuft da nur falsch?“, fragte ich mich immer wieder. Dann fiel bei mir der Groschen. Der Bock hatte zwar die Locklaute vernommen, doch nie ein rotes Haar gesehen. Ich musste dem Heimlichen etwas fürs Licht bieten. Die Rehdecken! Denn entdecken brunftige Böcke einen Artgenossen, ziehen sie oft zielstrebig auf ihn zu. Doch ob der Moorbock den Köder schlucken wird? Schließlich fehlen Rehen die nötigen Rezeptoren, um die Farbe Rot zu sehen. Dennoch wollte ich einen Versuch wagen.

Der erste Versuch

Wer die Tipps beherzigt und fleißig mit dem Blatter übt, wird nicht lange auf den Erntebock warten müssen. Dieser langstangige Sechser sah im wahrsten Sinne des Wortes Rot.

Wenige Tage später war ich wieder im Revier. Statt der Tarnnetze befestigte ich zwei Rehdecken an den Erdspießen, verblendete die offenen Seiten mit Ästen und begann kurz darauf zu blatten. Es dauerte nur ein paar Minuten, da erschien auch schon der Hausherr auf der Bildfläche.

Wie immer sondierte er zunächst aus dem dichten Unterholz die Lage. Doch dann sah er die Rehdecken und damit im übertragenen Sinne Rot! Er hatte es plötzlich sogar richtig eilig, über die Freifläche zu kommen. Den Schirm fest im Blick, wechselte er zügig auf mich zu. Ich nutzte die Gelegenheit und drückte den Auslöser der Kamera. Bild für Bild wanderte nun auf die Speicherkarte. Am Ende verhoffte der Platzbock keine fünf Meter vor dem Versteck! Das überraschte selbst mich, denn bisher hatte ich mir an diesem heimlichen Herrn die Zähne ausgebissen.

Doch es kam noch besser. Nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass doch kein Schmalreh oder Rivale in der Nähe ist, zog er wieder in Richtung Einstand. Als er diesen fast erreicht hatte, schreckte ich ihn mit tiefem Bass an. Doch entgegen meinen Erwartungen verhoffte er daraufhin nicht nur, sondern zog wieder im Stechschritt auf meinen Rehdeckenschirm zu. Der heimliche Bock hatte fast völlig seine Scheu verloren.

Ergebnisse überzeugen

Reifer Sechser: Dieser fünfjährige Bock kam wenige Meter vor dem Schirm zur Strecke.

Erlebnisse solcher Art hatte ich in den vergangenen Jahren öfter. Natürlich schauen mich die meisten Jagdfreunde zunächst etwas komisch an, wenn ich meine Rehdecken auspacke. Doch für mich zählen allein die Ergebnisse. Und die können sich wirklich sehen lassen. Mit Hilfe meiner Rehdecken habe ich schon Dutzende Böcke vor den Blattstand gelotst.

Auch in diesem Jahr werde ich beim Blatten auf den Rehdeckenschirm setzen. Versuchen Sie es doch auch einmal! Sie werden überrascht sein, wie gut die Böcke plötzlich zustehen.


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