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Mit der Bild auf dem Hochsitz

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 28.01.2016 - 11:55
Die uJ-Autorin mit dem Bild-Beitrag. Foto: Anna L. Kaufmann © Anna L. Kaufmann

Ich lebe und liebe die Jagd - und habe keine Scheu, das auch zu zeigen. In Feld und Flur finde ich Erholung und meinen inneren Frieden. Meine Familie jagt in der vierten Generation. Wir achten und schützen das heimische Wild - aber wir essen auch gerne Fleisch. Was soll daran verwerflich sein, der Natur ein Stück zu entnehmen und es zu verwerten? Nichts! Deshalb habe ich auch nicht lange gezögert, als mich Holger Karkheck, Reporter bei der BILD am Sonntag, fragte, ob er mich auf die Pirsch begleiten und anschließend darüber schreiben dürfe. Ein paar Gedanken habe ich mir im Vorfeld natürlich trotzdem gemacht, denn die „Springer-Presse” ist nicht gerade für solidarische und ausgewogene Berichterstattung bekannt. Dennoch habe ich den gemeinsamen Ansitz als Chance gesehen. Als Chance, mit Vorurteilen aufzuräumen. Ein wichtiges Argument: Die BamS erreicht mit einer verkauften Auflage von knapp 1,2 Millionen Exemplaren rund 8,82 Millionen Leser! Eine bessere Werbeplattform gibt es wohl kaum.

Wie alles begann...

Das Aktionslogo von #jaeben15. Foto: dlv

Am 30. Juli erhielt mein Vater Jürgen Hollweg eine Interview-Anfrage per Mail. Die Debatte über den Abschuss des prominenten Löwen „Cecil” in Simbabwe durch einen US-Zahnarzt kochte gerade auf -allen Kanälen hoch. „Wir würden gern die -Gegenseite beleuchten und suchen eine Jägerin und Autorin, die aus ihrer Sicht beschreibt, warum Jagen verantwortungsbewusst und die Diskussion ums Töten scheinheilig ist, wenn der Deutsche im Durchschnitt 60 Kilo Fleisch pro Jahr isst und ein Großteil davon aus Massentierhaltung stammt”, schrieb Karkheck. Zunächst war ich skeptisch. Zu groß war die Angst vor jagdfeinlicher Polemik und einem Shitstorm in den sozialen Medien. Nach einem persönlichen Treffen stimmte ich schließlich doch zu. Bereut habe ich es nicht. Hörst Du auch die Musik?
Gesellschaft auf der Kanzel ist nichts Ungewöhnliches für mich. Ich nehme gerne und oft Freunde und Interessierte mit ins Revier, um ihnen Natur und Jagd näherzubringen. Denn nur mit Offenheit und Transparenz schafft man Vertrauen. Der Ansitz mit Holger Karkheck unterschied sich insofern, als dass hinterher alle Welt darüber lesen würde. Er stellte viele Fragen und redete quasi unentwegt. Ich wählte meine Worte mit Bedacht und blieb mir treu, authentisch und geradeheraus. Ich wollte das Thema Jagd, das nun einmal zwangsläufig auch mit Töten zu tun hat, weder schönen noch romantisieren. Es ging mir einzig und allein darum, aufzuzeigen, dass daran nichts verwerflich ist. Ganz nach dem Motto der Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“: Tue Gutes und rede darüber. Das Witzigste, was mich der BamS-Reporter fragte, war: „Hörst Du auch die Musik?” Es waren die Regentropfen, die musizierten.
Anna L. Kaufmann