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Was bedeuten blutige Lymphknoten beim Reh? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Dienstag, 29.06.2021 - 10:52
Blutlymphknoten-Reh-nah © Dr. Armin Deutz
Diese Blutlymphknoten sind beim Reh kein bedenkliches Merkmal.

In den Lymphknoten werden, so wie im Thymus (Bries) und in der Milz, Abwehrzellen und ein Teil der weißen Blutkörperchen gebildet. Lymphknoten finden sich im ganzen Körper, sie sind meist weiß-grau bis bräunlich. Bei Wiederkäuern finden sich zudem noch rote Lymphknoten, besonders entlang der Hauptschlagader (Aorta) unter dem Brust- und Bauchfell im Bereich der Wirbelsäule, die allgemein auch als „Blutlymphknoten“ bezeichnet werden. Diese sind jedoch beim Rehwild kein Anzeichen einer Krankheit. In seltenen Fällen könnte auch Blut von vorangegangenen Verletzungen von den Lymphknoten über die Lymphgefäße resorbiert worden sein.

Vorsicht bei Schwarzwild

Grundsätzlich gilt: Vergrößerte Lymphknoten sind Zeichen akuter und chronischer Infektionskrankheiten oder eines Parasitenbefalles. Bei Jungtieren sind die Lymphknoten während des Aufbaues des Immunsystems allgemein größer als bei älteren Tieren. Eine mittlerweile bei Wildtieren recht häufige Ursache für die Vergrößerung der Darmlymphknoten ist Paratuberkulose. Generell am ganzen Körper vergrößerte Lymphknoten treten bei der recht seltenen Leukose auf. Abszesse in Lymphknoten sind ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion.

Lymphknoten sind im Verlaufe von Infektionen bzw. Entzündungen in ihrem Einzugsgebiet vergrößert. So reagieren die Unterkieferlymphknoten bei Infektionen im Bereich des Kopfes. Bei Abszessen in Lymphknoten ist immer auch an chronische Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose, Brucellose oder Streptokokkeninfektionen zu denken. Solche Lymphknoten sind deshalb ein bedenkliches Merkmal, dem unbedingt nachgegangen werden sollte.Ist eine Verwertung für das Stück vorgesehen, müssen Organe und Wildkörper durch einen amtlichen Tierarzt untersucht werden. Andernfalls ist das erlegte Stück unschädlich zu entsorgen.

Bei erlegtem Schwarzwild ist bei blutigen oder „marmorierten“ Lymphknoten unbedingt an Schweinepest zu denken!


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