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Beagle: Kleiner Jagdhund mit großem Potential?

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Kathrin Führes
am
Sonntag, 05.01.2020 - 07:58
Beagle-schaut-nach-oben © Kathrin Führes
Die Fan-Gemeinde der bunten Hunde wächst.

Als Beagle-Führer hat sie wohl schon jeder erlebt: Die leicht spöttischen Blicke zum Hund, kurz bevor das Treiben anfängt. Genauso wie die Frage, warum man keinen „richtigen“ Jagdhund hat. Doch all der Spott und Hohn verfliegen dann meist ganz schnell.

Gespannt steht der Schütze auf seinem Drückjagdbock. Das Holz knarzt leise bei jeder Bewegung unter den schweren Stiefeln. Der Stand trotzt schon seit Jahren Wind und Wetter. Doch der Platz verspricht bei Anlauf gute Chancen. An diesem Samstag ist es ein ungewöhnlich milder Novembertag. Vereinzelte Sonnenstrahlen fallen auf die Lichtung und lassen das Moos in der Wintersonne glänzen. Falten bilden sich auf der Stirn des Jägers, und gespannt horcht er in die Ferne. Leises Laut der eingesetzten Hunde ist zu vernehmen. Einzelne Schüsse sind zu hören. Plötzlich ist ein Knacken im Unterholz zu vernehmen. Früher als erwartet. Langsam zieht Rehwild über die Lichtung. Mit Ruhe kann der Schütze einem Schmalstück den Schuss antragen. Es verendet im Knall. Zufrieden blickt der Schütze auf. Erst langsam scheint das Geläut der Hunde näherzukommen. Ein Beagle folgt wie auf Schienen der Fährte der Rehe, mit perfektem Laut. Die weiße Rutenspitze zeigt kerzengerade nach oben, die Nase tief auf dem Boden, arbeitet sich der bunte Hund voran. Bei der Entfernung zwischen Hund und Wild ist es kein Wunder, dass die Rehe nicht hochflüchtig anwechselten, sondern sich langsam durch den Bestand trollten. Als wir später den Stand verlassen, fallen auch dort die Worte: „So schlecht sind diese Beagle ja gar nicht.“ Auch die anderen Jäger werden später am Streckenplatz Ähnliches sagen.

Britisch? Die Herkunft liegt woanders

Sie gelten als Briten aber so britisch ist ihre Vergangenheit tatsächlich nicht.

Doch woher kommen diese Vorurteile nur? Fangen wir doch mal bei der Herkunft an. So britisch, wie man meint, ist der Beagle gar nicht. Es wird vielmehr angenommen, dass seine Vorfahren tatsächlich in Frankreich beheimatet waren. Die Normannen brachten um das Jahr 1060 weiße Hubertushunde, die später auch Talbot oder Northern Hounds genannt wurden, nach England. Die schlanken, mit einem flachen und unangenehmen Spurlaut ausgestatteten Hunde wurden dann mit Southern Hounds, recht große und behäbige Meutehunde, die ihren Ursprung auch in Frankreich hatten, gekreuzt. Die Southern Hounds gaben dem Beagle seine Spurtreue und Jagdleidenschaft. Aus zwei Franzosen entstand also etwas Britisches: Der Beagle. Bei den britischen Royals kam man schon früh auf den bunten Hund. In den Haushaltsbüchern von König Heinrich VIII. wurden 1515 erstmals Buchungen an den „Keeper of the beagles“ verzeichnet. Doch im Unterschied zu den größeren Foxhounds, die überwiegend zu Pferd begleitet wurden, wurden Beagle zu Fuß auf Hasen und Kaninchen eingesetzt. Daher wurden sie auch als Treibhunde der armen Leute bezeichnet. Später machten die Hunde dann Karriere in den großen Meuten für die Fuchsjagd. Über den Namensursprung gibt es verschiedene Theorien. Möglich ist es, dass der Name Beagle vom französischen Wort „beugler“ kommt, was brüllen bedeutet, oder doch seinen Ursprung im walisischen Wort „beag“ hat, welches für klein steht.

Manche sind „Allesfresser“

Härte braucht die Ausbildung des Beagles nicht, vielmehr sind Konsequenz und Belohnung über Futter erfolgversprechend.

Neben ihrer Aufgabe als Jagdhunde, machten Beagle eine traurige Karriere als Laborhunde. Der Großteil der Hunde in den Forschungslaboren sind auch heute noch Beagle. Durch ihre Vergangenheit als Meutehunde bringen sie eine rassetypische Verträglichkeit mit, die einer Gruppenhaltung im Labor zu Gute kommt. Der beagletypische „Saumagen“ spielt bei der Beliebtheit als Forschungsobjekt sicherlich ebenfalls eine tragende Rolle. Denn für seine Verfressenheit ist der Beagle mindestens genauso bekannt wie für seine Sturheit. Nichts ist vor dem Beagle-Maul sicher. Habe ich mit meiner Beagle-Hündin noch „Glück“, dass sie tatsächlich nur (theoretisch – darüber sind wir manchmal unterschiedlicher Ansicht) Fressbares verschlingt, gibt es durchaus auch Exemplare, die vorsorglich alles erstmal runterschlingen, was in den Fang passt. Kronkorken, Autoschlüssel und Co. wurden da schon aus dem Magen eines bekannten Beagle-Rüden rausgeholt. Die Spritze zum Übergeben wird wohl fast jeder Beagle-Führer früher oder später beim Tierarzt einmal kennenlernen. Was ehemals als Zuchtziel galt, treibt die Beagle-Führer also heute in den Wahnsinn. Aber die Verfressenheit kann man in der Ausbildung auch ideal für sich nutzen: Denn für Futter lernt der Beagle ziemlich schnell und tut dafür (fast) alles. Doch die schlanke Linie sollte man dabei im Blick behalten, sonst hat man wirklich schnell die „Biotonne auf vier Beinen“ an der Leine.

Der Führer muss Sturer sein als der Hund

Ein Los, das alle Beagle-Führer eint: Die Sturheit ihres Hundes. Der Dickschädel der bunten Hunde ist groß, und wenn sich ein Beagle etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird das Ziel mit stoischer Beharrlichkeit verfolgt. Das kann dabei sowohl die Rehwildfährte sein als auch der Mülleimerdeckel, der doch irgendwie aufzubekommen sein muss. Bei der Ausbildung muss man also noch ein bisschen sturer sein als der Hund. Allerdings: Mit Gewalt und übermäßigem Druck kommt man hier nicht weiter. Aber neben der Sturheit müssen sich Rasse-Liebhaber oftmals auch mit dem „Beagle-Alzheimer“ rumschlagen. Bereits erlerntes? Manchmal „vergisst“ der Beagle es ganz gerne. Genauso wie die Tatsache, dass es bereits Fressen gab.

Warum Schafft man sich einen Beagle an?

Einfache Totsuchen sind für die bunten Hunde kein Problem.

Stur, verfressen – nicht gerade die besten Werbeattribute für eine Rasse. Doch was bewegt jemanden dazu, sich einen Beagle als Jagdbegleiter anzuschaffen? Bei Jägerin Juliane spielten zwei Gründe eine Rolle: Die Familienfreundlichkeit und natürlich die für sie idealen Einsatzmöglichkeiten als Jagdhund. Der Beagle gilt als kinderlieb und idealer Familienhund. Sein freundliches Wesen macht ihn jedoch nicht zu einem guten Wachhund. Er würde wohl jeden Einbrecher schwanzwedelnd begrüßen. Doch bei der Jagd muss er sich nicht verstecken. Zusammen mit ihrem Mann Klaus bewirtschaftet Juliane ein Hochwild-Revier in den Bergen. Sie suchte daher einen Hund, den sie sowohl auf Drückjagden als auch bei einfachen Totsuchen auf Schalenwild einsetzen kann. Für den Beagle ein optimales Einsatzgebiet. Doch woher bekommt man einen bunten Hund? Neben dem Beagle Club Deutschland gibt es in Deutschland seit 30 Jahren auch den Verein Jagd-Beagle. Über den Verein kam Juliane an den für sie passenden Züchter. Zwar fast am anderen Ende Deutschlands, doch für ihren Hund war ihr kein Weg zu weit. Seit knapp zwei Jahren lebt „Skadi“ nun bei Juliane und Klaus und hat sich zu einem vorbildlichen Jagdhund entwickelt. Fleißig trainieren Juliane und „Skadi“ wöchentlich auf Schweiß, und auch die ersten Drückjagdeinsätze ist die kleine Hündin mittlerweile gelaufen. „Skadi“ apportiert sogar und geht ins Wasser. Doch diese Anwendungsgebiete sollte man bei einem Beagle nicht unbedingt erwarten.

Angenehmer Begleiter im Alltag

Ob auf dem Stand oder vom Stand geschnallt: Beagle sind vielseitig einsetzbar.

Auch im Alltag ist sie, wie wohl die meisten Beagle, ein angenehmer Begleiter. Egal ob im Büro oder beim Restaurantbesuch – der Hund macht alles mit, Hauptsache, er ist dabei. Hier tritt seine Vergangenheit als Meutehunde zu Tage. Für den Zwinger in Einzelhaltung ist ein Beagle nicht geeignet, er will in der Nähe seines Führers sein. Doch ist man einmal vom Beagle-Virus infiziert, kommt man nur schwer wieder davon los. Denn wie oft man auch schimpft, flucht oder an dem Beagle-Hirn zweifelt, die Hunde schaffen es immer wieder, einen um den Finger zu wickeln. Auch Juliane geht es so. Sie und „Skadi“ trainieren momentan für die vereinsinterne Gebrauchsprüfung. Nebenbei engagiert sie sich beim „Beagle-Spielplatz“. Das sind Treffen für Beagle und ihre Führer, Jäger sowie Nichtjäger. Dort können die Hunde unter ihresgleichen flitzen, raufen und gemeinsam das Kuchen-Buffet abräumen. Die Besitzer sind es ja gewohnt …