Home Praxis Ausgebrannt: Unterzuckerung bei Jagdhunden

Ausgebrannt: Unterzuckerung bei Jagdhunden


Als Jäger und Tierarzt, der seit 25 Jahren Hunde auf Bewegungsjagden führt, wurde ich mehrere Male mit für Jagdhunde lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert. Nicht immer waren diese auf wehrhaftes Wild zurückzuführen, sondern auf falsche Fütterung. Fast immer handelte es sich um junge bis mittelalte Jagdhunde, die sehr passioniert waren und starken Finderwillen hatten. Diese Hunde zeigten nach drei bis vier Stunden intensiven Suchens bei teils schwierigen Geländeverhältnissen folgende Symptome:

Im Anfangsstadium hatten sie Schaum um den Fang. Nach weiterer Belastung fielen sie durch taumeligen, leicht taktischen Gang auf. In einigen Fällen äußerte sich die völlige Erschöpfung mit epilepsieähnlichen Krämpfen. Die Führer waren mit dieser Situation in der Regel überfordert. Zwei Fälle sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben, die ich kurz vorstellen möchte.

Im Anfangsstadium hatten sie Schaum um den Fang. Nach weiterer Belastung fielen sie durch taumeligen, leicht ataktischen Gang auf. In einigen Fällen äußerte sich die völlige Erschöpfung mit epilepsieähnlichen Krämpfen. Die Führer waren mit dieser Situation in der Regel überfordert. Zwei Fälle sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben, die ich kurz vorstellen möchte:

Unterzuckerte Hunde können in epilepsieartige Krämpfe fallen.


Beim ersten Fall handelte es sich um einen zweijährigen, großrahmigen, knapp 40 Kilogramm schweren Deutsch-Langhaar-Rüden. Die Verbandsgebrauchsprüfung hatte er bereits bestanden. Der Hund fiel auf der Bewegungsjagd durch große Arbeitsfreude auf. Nach etwa zwei Stunden Stöberarbeit in einem Mittelgebirgsrevier hatte der Rüde viel Schaum vor dem Fang. Zudem suchte er während der Jagd immer häufiger seinen Führer auf, ließ sich aber vom Jagdbetrieb immer wieder zur Suche animieren.

Kollabiert und kaum noch Puls

In der Mittagspause zeigt er dann deutliche Erschöpfungszustände, sodass er nach dem Saufen im Geländewagen zum Ausruhen abgelegt wurde. Der Hundeführer war beunruhigt und schaute kurze Zeit noch einmal nach seinem Gefährten, der inzwischen wie tot im Wagen lag. Der Pulsschlag war kaum fühlbar. Auch das Bewusstsein war deutlich reduziert. Zudem war er nicht mehr fähig, selbstständig aufzustehen. Ein Glukoseschnelltest bestätigte die Verdachtsdiagnose – absolute Hypoglykämie (Unterzuckerung). Der Vorstehhund hatte sich auf der Jagd also völlig verausgabt.

Der Deutsch Langhaar benötigte als Erstversorgung intravenöse, stark zuckerhaltige Infusionslösungen und ein Kreislaufmittel. Erst nach zwei Tagen stationären Aufenthalts in einer Klinik konnte der Rüde entlassen werden.

Schokoriegel rettete Hundeleben

Ein anderes Mal traf es einen 36 Kilogramm schweren Deutsch-Drahthaar-Rüden. Auch er war im zweiten Feld und kam nach zweistündigen, intensiven Jagens sichtlich erschöpft zu seinem Führer zurück. Dort begann er plötzlich zu zittern. Dies steigerte sich derart, dass der Hundeführer zunächst an einen epileptiformen Anfall dachte. Doch auch dieser Rüde hatte sich völlig verausgabt und war deutlich unterzuckert. Nach der Gabe eines hochkalorischen Schokoriegels erholt sich der Hund recht schnell.

Ursachen und Lösungen

Kurze Pause für Hund und Führerin, danach kann es dann gestärkt in die nächste Runde gehen.


Diese bedrohlichen Zwischenfälle kommen nicht sehr häufig vor, lassen sich aber auf Drück- und Treibjagden beobachten. Schlechter Trainingszustand, relativ hohe Temperaturen und ungenügende Flüssigkeitsaufnahme begünstigen diesen Umstand. Durch die anstrengende Arbeit entsteht durch Hecheln ein Defizit im Wasserhaushalt (Schaumbildung). Außerdem verbrennen sie während der Jagd und aufgrund der starken Atmung sehr viele Kalorien.

Bei den angesprochenen Hunden wurde notfallmäßig der Blutzuckerspiegel gemessen. Sie lagen weit unter dem Normbereich. Bei gesunden Hunden liegt der Blutzucker zwischen 60 und 120 mg/dL. Die Körpertemperatur fiel deutlich ab. Ohne professionelle Hilfe hätten die Hunde sterben können.

Es können natürlich auch andere Erkrankungen, wie beispielsweise Herzprobleme, Epilepsie oder ähnliches, zu diesen Symptomen führen. Bei beiden Hunden handelte es sich jedoch ausnahmslos um gesunde Hunde, die allein durch ein falsches Futtermanagement und eine massive Überbelastung unterzuckerten. Beide Hunde wurden am Jagdtag selbst übrigens nicht gefüttert, weil ihre Besitzer glaubten, dass nur hungrige Vierbeiner gut jagen würden beziehungsweise grundsätzlich nur abends gefüttert wird.

Ich empfehle, während der Drück- und Treibjagdsaison auf hochkalorisches Futter umzusteigen. Die Tagesration sollte in der Saison auf morgens und abends zu gleichen Teilen verteilt werden. Füttern direkt vor der Jagd ist nicht empfehlenswert, da der Hund mit Verdauen belastet wird. Der Führer sollte seinen Hund daher 2-3 Stunden vor der Jagd das letzte Mal füttern. Da viele Hunde während der aktiven Jagd oft kein Futter aufnehmen, können in der Mittags- oder Aufbrechpause die Energiereserven des Hundes mit hochkalorischen Futtersnacks aufgefüllt werden.