+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.995 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 24.6.2022) +++
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Auffälliger Hasenaufbruch – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 13.12.2021 - 09:40
Brucellose-Groeßenvergleich © Karl Wiedmann
Der eitrige Knoten (kleines Gebilde) lässt auf Brucellose schließen.

Eine abgesicherte Diagnose lässt sich in diesem Fall ohne histologische Untersuchung (Untersuchung von Gewebsschnitten unter dem Mikroskop) oder zumindest Anschneiden des zweiten Gebildes nicht stellen. Am wahrscheinlichsten handelt es sich jedoch um Brucellose (die auch auf den Menschen übertragbar ist), weniger wahrscheinlich erscheinen Abszesse anderer Genese oder ein Tumorgeschehen.

Bei einer Häsin wäre bei dem größeren der beiden Gebilde unbedingt auch an einen Fötus in Fruchthüllen zu denken, was aber leicht durch eine Öffnung des Gebildes abzuklären wäre.

Brucellose-Verdacht © Karl Wiedmann

Derbe, feste Gebilde aus der Bauchhöhle eines sonst unauffälligen Feldhasen.

Anfangssymptome sind vielfach gering ausgeprägten und uncharakteristisch

Zum Brucellose-Verdacht: Die Brucellose der Feldhasen (Erreger: Brucella suis) führt im Krankheitsverlauf zu Abszessen in Geschlechtsorganen, Milz, Leber, Unterhaut und Muskulatur. Bei Wildschweinen findet man die Erreger häufig in Lymphknoten, Samenblase, Prostata oder Hoden. Brucellose wird durch direkten Kontakt, seltener durch blutsaugende Insekten übertragen.

Die vielfach gering ausgeprägten und uncharakteristischen Anfangssymptome der Brucellose beim Menschen sind Abgeschlagenheit, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Störungen des Magen-Darm-Traktes. Spätere Symptome sind wellenförmiges Fieber und Schwellungen von Leber, Milz oder Lymphknoten. Im chronischen Krankheitsverlauf kommt es zu Gelenks-, Leber-, Hoden-, Nierenbecken-, Lungen-, Herzmuskel- oder Gehirn- und Gehirnhautentzündung.

Als Vorbeugemaßnahmen sind Grundsätze der Hygiene (Händewaschen, sofortige Wundversorgung, Küchenhygiene) einzuhalten. Die Gefahr von Schmierinfektionen lässt sich verringern, indem z.B. Rauchen, Trinken, Essen beim Abbalgen tabu sind. Handschuhe beim Hantieren mit erlegten/ gefundenen Wildtieren sind Pflicht.

Wildkrankheiten sollten verstärkt vom Tierarzt abgeklärt werden, auch um einen besseren regionalen Überblick zu ihrer Verbreitung zu bekommen.