+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 2.184 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 22.9.2021) +++
Home Praxis Auffällig große Harnblase bei einem Jährling – Frag den Tierarzt

Auffällig große Harnblase bei einem Jährling – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 30.08.2021 - 12:00
Ein erlegter Jährling wies eine auffällig große und prall gefüllte Blase auf. © Liddy Lange – stock.adobe.com
Ein erlegter Jährling wies eine auffällig große und prall gefüllte Blase auf.

Die Harnblase des abgebildeten Rehbocks ist auffällig groß, doch aus meiner Sicht noch nicht pathologisch vergrößert. Es sind auch sonst keine krankhaften Veränderungen feststellbar. Stubbe (2008) gibt an, dass die Blase von Rehwild bei mittlerer Füllung kinderfaustgroß ist und 50 bis 55 Milliliter Harn enthält. Da die Blase im vorliegenden Fall zirka 365 Milliliter Harn enthielt, könnte man schon von einer Megazystis sprechen. Als Ursachen kämen ein angeborenes Grundleiden oder eine partielle Harnabflussstörung in Frage.

Beim Aufbrechen fiel die pralle Blase sofort ins Blickfeld.

Eine Prognose, wann es zu möglichen Komplikationen gekommen wäre, lässt sich nicht seriös stellen. Sie wäre hauptsächlich davon abhängig, ob durch einen möglichen Harnstau eine Urämie („Harnvergiftung“) entsteht oder nicht. Akute Vergrößerungen der Harnblase resultieren aus Harnabflussstörungen. Diese werden durch Harnsteine bzw. Harngrieß oder durch Verletzungen verursacht. Zur Bildung von Harnsteinen sind meist Kristallisationskerne notwendig. Im Nierenbecken und in der Harnblase setzen sich am Beginn der Harnsteinbildung mikroskopisch kleine Harnkristalle ab. Insbesondere in Abhängigkeit von der Äsung/ Fütterung (bei phosphor- und siliziumreichen und zugleich kalziumarmen Rationen) entstehen vermehrt Kristalle und daraus feiner Harngrieß. Dieser setzt sich in den ableitenden Harnwegen ab, wird aber auch immer wieder mit dem Harn ausgeschieden. Zudem fördern krankheits- und fütterungsbedingte Abweichungen des Harn-pH-Werts oder Infektionen die Entstehung von Harnsteinen.

Der Hirsch wies eine Pinselverletzung und krankhaft vergrößerte Blase auf. © Dr. Armin Deutz

Der Hirsch wies eine Pinselverletzung und krankhaft vergrößerte Blase auf.

Gefahr durch Fütterung

Bei fütterungsbedingter chronischer Pansenübersäuerung kommt es zu einer Absenkung des Harn-pH-Werts, Änderungen der Harnzusammensetzung und Kristallbildung. Erkrankungen durch Harnsteine treten nur bei männlichen Wiederkäuern klinisch in Erscheinung, da mechanische Verschlüsse der harnbableitenden Wege durch Harnsteine sich aufgrund der speziellen anatomischen Gegebenheiten der Harnröhre (S-förmige Schleife im Becken) ergeben.

Harnsteine, aber auch größere Mengen von Harngrieß können sich an diesen Engstellen anlagern und führen somit zu teilweisem oder gar vollständigem Verschluss der Harnröhre. Der Autor konnte bisher bei Sektionen dreimal hochgradig vergrößerte Harnblasen finden. Einmal bei einem Hirsch mit Forkelverletzung der Brunftrute im Bereich des Beckenbodens und je einmal bei einem Hirschkalb und einem Rehbock. Beide wurden im Bereich von Fütterungen aufgefunden.