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Auerhahn contra Nationalpark

Auerhahn mit Weitblick - die Aussichten jedoch sind trübe. Foto: Karl-Heinz Schindlatz


Es scheint naheliegend und richtig, dass der Auerhahn von Befürwortern eines Schutzgebietes im Nordschwarzwald zur Werbung für den Nationalpark eingesetzt wurde. Groteske wird die Herausstellung dieses eindrucksvollen Vogels aber dann, wenn man bedenkt, dass dieser gerade durch den angestrebten „Prozessschutz“ im Park seinen Lebensraum verlieren wird.
Die Kernaussage eines diesbezügliches Gutachten kann nicht anders als zynisch genannt werden: „Der Wert von nicht beeinflussten Kernzonen eines Nationalparks mit den damit verbundenen Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns, ist deshalb auch in Zusammenhang mit Schutzbemühungen für Auerhühner als sehr hoch einzuschätzen“.
Wer als ökologisch erfahrener Ornithologe die Entwicklungsdynamik des Waldes im Nordschwarzwald kennt, kann diese Aussage des Gutachtens nur als verantwortungslos bezeichnen. Es bedarf keiner langfristigen Untersuchungsreihen mehr, denn der ursprünglich zum Suchraum gehörende, 290 Hektar große „Bannwald Wildseemoor“ bei Wildbad, ist diesbezüglich bereits ein Großversuch mit signifikantem „Erkenntnisgewinn“.
Bei bis zu 25 Hähnen auf einem Balzplatz, noch Ende der 1950er Jahre, lebte dort die größte Auerhuhnteilpopulation im Nordschwarzwald. Anfang der 1970er Jahre balzten 12 und 1975 noch 5 Hähne. Der Vorschlag, Mitte der 1970er Jahre, die in die lichten Kieferwaldungen hineingewachsenen Fichten zum Schutze des Auerhuhnhabitats zu beseitigen, musste verworfen werden, denn im baden-württembergischen „Bannwald“ sind regulierende Eingriffe, selbst zum Schutze von Rote-Listen-Arten, nicht zulässig. Konsequentes „Natur, Natur sein lassen“ hatte dieses bedeutende Auerhuhnvorkommen wenige Jahre später endgültig besiegelt und nur noch selten verirrt sich heute ein Auerhuhn in dieses ehemalige Idealgebiet. Leider wollen Freunde des Nationalparks dies nicht wahr haben.
Karl Ebert


Der vollständige Artikel mit einer detaillierten Schilderung der Zusammenhänge ist in PIRSCH 08/2014 (Erschienungstag: 16.04.2014) abgedruckt.

Link: Einen gut gemachten Film über das Auerwild finden Sie hier