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Angeschnittenes Reh – wer ist der Täter? – Frag den Tierarzt

Univ. Doz. Dr. Armin Deutz © dlv
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz
am
Montag, 07.03.2022 - 10:00
Fuchsriss-Bissspuren © Archiv Dr. Armin Deutz
Die Bissspuren eines Fuchses erinnern an das Muster eines Schrotschusses.

Für den vorliegenden Befund ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Fuchs verantwortlich. Bei Weitem nicht bei jedem verendet aufgefundenen Reh, das angeschnitten ist, handelt es sich aber um einen „Riss“. Häufig sind Endoparasiten, Verletzungen (Forkel- oder Schussverletzungen, Autokollision usw.) oder auch Fütterungsfehler sowie Mais von Sauenkirrungen (Pansenazidose) Grund des Verendens.

Eine rumänische Untersuchung der Fallwildursachen bei Rehwild ergab ein Maximum der Sterblichkeit im Februar und folgende Ursachen: Parasitosen (31 %), Infektionskrankheiten (21 %), Verdauungsstörungen (18 %), Verletzungen (10 %) und weitere Ursachen. Generell ist die Rissdiagnostik keine exakte Wissenschaft (Rauer 2016), sondern es werden Indizien ausgewertet, und meist kann zumindest ein Verdacht erhärtet werden.

Reh-angeschnitten © Dr. Peter Waas

Einen Vorderlauf oder das Haupt trennt in der Regel nur der Fuchs ab.

Rissmerkmale liefern Indizien

Rissmerkmale sind nicht immer eindeutig, und es gibt fließende Übergänge zwischen den Verursachern, so wie es auch innerhalb einer Beutegreiferart individuelle Unterschiede des Reißens gibt. Zur Beurteilung wird das Rissbild analysiert. Dazu werden zuerst von außen die Verletzungen (meist am Träger) beurteilt, Zahl der Bisse und Zahnabstände geschätzt bzw. gemessen sowie auf Kratzspuren und Bisse in anderen Körperregionen geachtet. Zudem wird beurteilt, wie das Stück angeschnitten wurde und was (Muskulatur, Magen-Darmtrakt usw.) und wie viel davon genutzt wurde.

Fuchsriss-Bissspuren © Archiv Dr. Armin Deutz

Die Bissspuren eines Fuchses erinnern an das Muster eines Schrotschusses.

Viele kleine Löcher … vermutlich Fuchs!

Wenn Drosselbisse feststellbar sind, ist es meist möglich, Fuchsrisse am Rissbild zu erkennen. Füchse haben keine große Beißkraft, beißen daher an der Drossel öfter zu („schrotschussähnliche“ Hautverletzungen) und beginnen beim Anschneiden gerne an Körperstellen mit dünnerer Haut (z.B. Weidlochregion) oder an verletzten Körperstellen (z.B. Schuss- oder Forkelverletzung). Füchse werden hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Rehe zu reißen, meist unterschätzt. Nicht nur im Winter bei Harschschnee, wo Rehe einbrechen und die Schneedecke den Fuchs trägt, sondern auch geschwächte Rehe (Parasitosen, Pansenübersäuerung usw.) fallen ihnen leicht zum Opfer.

Rissbegutachter können Auskunft geben

Zur weiteren Beurteilung muss den Beutetieren die Decke/Haut möglichst großflächig abgeschärft werden. (Biss-)Verletzungen, die dem Opfer noch zu Lebzeiten zugefügt wurden, sind von einem Hämatom (Bluterguss) umgeben, postmortale Bisse dagegen nicht. Wenn der Verdacht auf einen großen Beutegreifer (Bär, Wolf, Luchs) besteht, sollte mit einem geschulten Rissbegutachter Kontakt aufgenommen werden.